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Wärmebildkamera Flir M300 © Flir
Tagsicht-Kamera Flir M300

Das Auge fürs Schiff

Wo ein Fernglas versagt, schlägt die Stunde der neuen Flir-Kamera: Sie erkennt Licht und Wärme – und kann noch mehr.

Roland Wildberg
von in
3 Minuten

Im Altertum soll es üblich gewesen sein, Schiffe am Bug mit großen Augen zu bemalen, damit sie auch bei Nacht und Nebel selbstständig den Weg zurück in den Hafen finden würden. Heute hilft uns guter Glaube nicht weiter, wir müssen allein navigieren. Raymarine hat nun ein Auge vorgestellt, das tatsächlich bei Nacht sehen kann – ob man es glaubt oder nicht!

Navigation bei Nacht nervt

Seefahrt ist schön, aber bei miesem, unsichtigen Wetter kann sie – auch heute noch – eine schöne Schinderei sein: Wer schon mal bei hohem Seegang und schlechter Sicht in beginnender Abenddämmerung navigieren musste, kennt die wirklich strapaziösen Situationen im Wassersport.

Die Kameraserie M300 von Raymarine

Die neue Kamera M364 kann optisches und Wärme-Bild kombinieren © Flir

Sieht auch bei totaler Dunkelheit

Und das geht jetzt auch – mit einer nicht unbeträchtlichen Investition: Raymarine, seit 2010 im Besitz des Marineelektronik-Herstellers Flir, bringt eine Kameraserie mit bahnbrechender Technologie auf den Markt. Raymarine stellt erstmalig in Deutschland die neue Wärmebildkamera M300 bei der Hamburg Boat Show aus.

Die Kameraserie ermöglicht nach Angaben von Raymarine selbst bei völliger Dunkelheit präzise Fernsicht. Mit ihr hat der Skipper zu jeder Zeit ein scharfes Auge auf kleine Objekte im Umkreis von mehr als einer Seemeile.

So wie Docksense, die elektronische Einparkhilfe für Yachten – die float bereits mit einer Prestige 46 getestet hat und deren Basisversion Docksense Alert im Februar 2020 auf den Markt kommen wird – profitiert die neue Kamera-Neuheit von der technischen Kooperation mit dem Mutterkonzern Flir.

Die fünf Modelle der Produktreihe Flir M300 richten sich ausdrücklich an Freizeit-Wassersportler. Sie alle haben einen 30-fachen optischen Zoom. Die Spitzenversion Flir M364 C vereint – auf sehr hohem Niveau – drei ganz besondere Eigenschaften, die für Durchblick sorgen: Bildstabilisierung, Wärmebilder und Augmented Reality.

Drei besondere Eigenschaften

Nummer 1, die Bildstabilisierung: Durch eine Zweiachsen-Stabilisierung wird das anvisierte Ziel zuverlässig im Fokus gehalten. Wichtig dabei: Es handelt sich um keine optische, sondern eine mechanische Anlage. „Das Bild wird nicht nur schön gerechnet, es laufen Kreisel“, erklärt es Peter Jahn von Raymarine Deutschland.

Mit dem optionalen Sensor AR 200 lassen sich zusätzliche Informationen ins Kamerabild einblenden

Mit dem optionalen Sensor AR 200 lassen sich zusätzliche Informationen ins Kamerabild einblenden © Flir

Weil diese aufwändige Mechanik einiges Gewicht auf die Waage bringt, kann das Kamerasystem nicht freihändig geführt werden. Es wiegt etwa zehn Kilogramm, und es wird über Masthalterung oder Geräteträger fest mit dem Boot verbunden. Das „Attitude Heading Reference System“ liefert hoch aufgelöste Bilder in der Qualität einer modernen Fernsehkamera. Die Bilder können auf dem Navigationsdisplay, dem Kartenplotter oder auch im Browser des PCs dargestellt werden.

Sogar einzelne Wellen erkennbar

Nummer 2, die Wärmebildkamera: In Kombination mit dem 30-fachen optischen Zoom – also ebenfalls mehr als eine reine Pixel-Vergrößerung – nutzt die Kamera die patentierte Technologie „Colour Thermal Vision“ von Flir. Damit wird parallel zum Licht- auch ein Wärmebild geliefert. Inbesondere in Zeiten schwachen Lichts hat diese Kombination immense Vorteile.

Peter Jahn gegenüber float: „Sie können selbst bei völliger Dunkelheit sogar einzelne Wellen erkennen.“ Seezeichen oder Schiffe zeichnen sich besonders klar von der Umgebung ab. Denn bereits Temperaturunterschiede von mehr als einem Grad Celsius hinterlassen eine deutliche Spur im Wärmebild. Bei schwachem Licht lassen sich optisches und thermisches Bild zusammenführen und überlagern. Das ergibt ebenfalls eine hervorragende Sicht.

Die Produktfamilie der M300-Serie von Raymarine

Die Produktfamilie der Flir M300-Serie © Flir

AIS-Informationen eingeblendet

Nummer 3, Augmented Reality, zu deutsch „erweiterte Realität“: Die relativ preisgünstige Hardware-Ergänzung AR 200 verleiht dem Gerät gewissermaßen magische Eigenschaften. Denn mit Hilfe eines GPS-Moduls verbindet die Erweiterung das reale Bild mit relevanten Daten des in der Schifffahrt üblichen automatischen Identifikationssystems AIS. Das Zusammenführen dieser Informationen, Augmented Reality genannt, erleichtert die Orientierung zum Beispiel in einer Wasserstraße sehr.

Visiert der Skipper eine Fahrwassertonne an, blendet der AR-Sensor dazu passend automatisch die jeweilige Nummer und Position ins Sichtfeld ein. Ebenso verhält es sich bei verzeichneten Gefahrenstellen und entgegenkommenden Schiffen mit AIS-Kennung. Einzige Bedingung für das Funktionieren des optionalen Sensors: Es muss GPS-Abdeckung vorhanden sein. Allein die Erweiterung Flir AR 200 kostet 500 Euro.

Hightech für Hobby-Seefahrer

„Die Details sind beeindruckend“, sagt Peter Jahn von Raymarine Deutschland. Noch kostet das System mit Preisen zwischen 6.495 Euro (ohne Wärmebildkamera) respektive 8495 Euro bis zu 29.495 Euro relativ viel Geld. Doch eine „Demokratisierung“ der Kosten sei bereits heute erkennbar, so der Experte.

Peter Jahn hält es für denkbar, dass derart leistungsfähige optische Geräte in wenigen Jahren für weniger als 5.000 Euro angeboten werden. Jahn: „Der Slogan von Flir war einst: Infra Red Everywhere! – und heute?“ Heute ist IR-Technik ein nahezu selbstverständliches Feature.

Introducing the FLIR M300 Series Marine Cameras | Marine Thermal Night Vision

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