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mare Duft Eau du Levant © Kerstin Zillmer

Der Duft des Mittelmeers

Der Parfümeur Geza Schön über den mare-Duft „Eau du Levant“

Kerstin Zillmer
von in
6 Minuten

Es ist so heiß wie sonst nur am Mittelmeer in diesen Tagen – die Luft steht auf dem Asphalt. Der Ventilator verwirbelt die warme Luft, aber es fehlt die Frische des Meeres hier in Berlin. Was bei Hitze hilft, wissen die Menschen am Mittelmeer am besten: Es ist Duft, der kühlende Assoziationen weckt. Und was kann mehr Frische assoziieren als der Geruch nach Meer?

Die Zeitschrift mare hat sich des Themas angenommen und zusammen mit dem Parfumeur Geza Schön einen Duft entwickelt, der das Versprechen erfüllen will, so zu riechen wie das Mittelmeer. Eau du Levant haben sie den Meeresduft getauft. float wollte wissen, wie es dazu kam, dass ein Magazin ein eigenes Parfum entwickelt.

Eau du Levant

Eau du Levant duftet nach Ferne, nach Wärme, nach Mittelmeer. © Flori Braunhofer

Der Createur und der kluge Ästhet

Sie lernen sich bei einer Talkshow kennen: Nikolaus Gelpke, mare-Gründer und Chefredakteur, und der Parfümeur Gesa Schön. Dem Createur, der mit seinem Duft Escentric Molecules die Parfümwelt revolutionierte, gefällt der kluge Ästhet Gelpke, „der aussah, als sei ihm der Fön explodiert“, auf Anhieb. Gelpke wiederum gesteht dem Parfümeur an jenem Abend, dass er ganz duftverrückt sei und gerne ein Parfüm gemeinsam mit ihm entwickeln würde.

So steht der mare-Chef eines Tages im Duftlabor von Geza Schön in Berlin-Kreuzberg und möchte ein Parfüm kreieren lassen, das nach Meer riecht, genauer gesagt, nach Mittelmeer. Sie reden lange darüber, wie sie sich einen Duft vorstellen, der wie das Meer duftet – und darüber, wie das Meer eigentlich riecht. Sie suchen Inhaltsstoffe und Übereinstimmungen. Fast ein Jahr lang schickt Schön immer wieder Duftproben nach Hamburg, und in der Redaktion werden Kopf-, Herz- und Basisnoten gerochen und bewertet oder verworfen.

Als die Parfüm-Rezeptur für den mare-Duft feststeht, befinden sich darin 35 % Naturstoffe. Zum Vergleich: In herkömmlichen Düften befinden sich höchstens 1 bis 2 % natürliche Duftstoffe. Die edlen Stoffe, die in „Eau du Levant“ verwendet werden, machen den mare-Duft zu einem außergewöhnlich edlen Parfüm.

Eau du Levant

mare Ausgabe No. 127 Screenshot © mare

Ein ganzes mare-Heft über Duft

mare hat dem Duft der Meere mit der Ausgabe No. 127 ein ganzes Heft gewidmet. Besonders beeindruckend ist die Reportage von Dimitri Ladischensky über Ambra, den Duftstoff aus Walkot, den das Meer selbst kreiert. Der Redakteur war an der Entwicklung des Parfüms beteiligt.

Ich möchte an dieser Stelle gestehen, dass auch ich ein besonderes Faible für außergewöhnliche Düfte habe. So freue ich mich besonders auf das Interview mit Geza Schön am Landwehrkanal in Berlin, um mit ihm über diese besondere Duft-Kreation und seine Arbeit als Parfumeur zu sprechen.

Geza Schön

Geza Schön © Kerstin Zillmer

float: Geza, was ist besonders an diesem Duft?

Geza Schön: Eau du Levant ist der Versuch, das Mittelmeer in ein Parfüm zu bringen. Nicht mit den Inhaltsstoffen, die wir sonst kennen und benutzen, um diesen Meergeruch darzustellen. Zudem spielen außergewöhnlich hochwertige Zitrus-Öle, die sehr lange haften, eine große Rolle. Die Frische ist natürlich auch sehr wichtig für so einen Meeres-Duft. Um das auszudrücken, hat er herbale Noten wie den Duftstoff Labdanum, der typisch ist für mich und für den Geruch des Sommers am Wasser.

Gesa, Du bist ein sogenannter Nischen-Parfumeur. Was heißt das?

Ich habe zwölf Jahre bei Symrise angestellt gearbeitet, bis ich mich als Parfümeur selbstständig gemacht habe. Das Tolle daran ist, dass ich mir meine Regeln selber geben kann! Ich mache Düfte, wie ich wünsche, dass Frauen oder Männer riechen. Dabei bekomme ich so spannende Aufträge wie den mare-Duft.

Du wurdest berühmt mit deinem Duft „Escentric Molecule“, einem Duft, der nur aus einem Molekül besteht.

Die alte Verhaltensregel war: Ein Duft muss komplex sein. Ich habe mich gefragt: Wieso muss ein Duft aus vielen Rohstoffen bestehen, wenn einer reicht? Iso E Super ist ein wichtiger Bestandteil vieler Kompositionen. Er ist universell einsetzbar und riecht großartig. Also habe ich ein Parfum nur aus diesem Molekül gemacht.

Du kreierst in deinem Duftlabor die Originalrezepturen. Wie geht es dann weiter?

Ich schicke das Rezept an die IFF (International Flavors and Fragances), den zweitgrößten Dufthersteller der Welt. Der verfügt über ein tolles Portfolio und hat alle Naturprodukte – mit exzellenten Duftstoffen aus Grasse. Hier wird das Parfum-Öl angemischt. Danach geht es an den Hersteller, der Alkohol und Wasser zusetzt und das Parfüm in Flacons abfüllt.

Geza Schön

Geza Schön in seinem Labor © Escentric Molecules

Mit welchen Stoffen entsteht der beste Duft? Ist natürlich besser als synthetisch?

Die Mischung macht’s! Synthetische Düfte und natürliche zusammen ergeben den besten Duft. Man muss wissen, wie man kombiniert, damit man aus beiden das Beste herausholt. Wer nur synthetische Duftstoffe verwendet, ist wie ein Koch, der nur mit trockenen Gewürzen kocht.

In den Parfums, die ich kreiere, verwende ich nur die besten Duftstoffe. Ich will mich nicht limitieren, ich muss die ganze Palette zur Verfügung haben. Es sind sehr teure Rohstoffe darunter, die mehrere 10.000 Euro das Kilo kosten. Aber viel macht den Duft nicht besser, und viele Rohstoffe sind hochkonzentriert.

Ein Beispiel: Mit Iris wird der gesamten Duft strahlender, cremiger, weicher. Da reicht schon ein halbes Gramm. Das ist wie bei Spaghetti mit Trüffeln: Da willst du ja nicht eine Handvoll drauf haben, da reichen ein paar Späne.

Hast Du einen besonders ausgeprägten Geruchssinn?

Menschen haben von der Physiognomie her alle die Möglichkeit, gleich viel zu riechen. Frauen noch mal ein bisschen besser, weil sie für die Gesundheit der Nachkommen erkennen müssen, ob etwas giftig ist. Und sie müssen das Genom des Partners als passend erkennen können, um Fehlbildungen zu vermeiden. Das können sie riechen.

Kannst Du sagen, welche Stoffe in einem Parfüm enthalten sind, ohne die Rezeptur zu kennen?

Das kommt darauf an, wie viel Zeit ich habe: Der Duft des Parfüm verändert sich ja. Wenn die Kopfnote weg ist, kommt die Herznote, dann nach etwa 2 bis 3 Stunden die Basisnote. Ich kann Dir zu 60 bis 80 % die Rezeptur dafür sagen.

Sind deine Düfte eher Damen- oder Herrendüfte?

Wen kümmert’s? Riech es! Wenn es Dir gefällt, kauf eine Flasche, oder such Dir etwas anderes aus. Die Unterteilung in Damen und Herren ist antiquiert. Es muss einfach gefallen, man muss sich verlieben in ein Parfum, einen Geruch.

Woran arbeitest Du gerade?

Ich arbeite an einem Duft auf der Basis von Ingweröl und Pfeffer mit viel Zitrus und Limette. Hinten hast du Tabak, Ambra, den animalischen Fond. Das trage ich gerne, wenn ich mal was trage.

Welches sind deine Lieblingsparfumeure?

Es gibt einige nennenswerte Parfumeure. Zwei, die ich toll finde sind sicherlich Mark Buxton und Bertrand Duchaufour, mit denen ich „Renegades“ gemacht habe. Mark habe ich kennengelernt, da war er selber gerade in der Ausbildung zum Parfumeur, und ich war noch in der Schule.

Bertrand ist für mich der Meister der Kontraste. Außerdem mag ich die Damennote von „Eternity“, auch „Cool Water“ oder „Fahrenheit“. „Comme des Garçons 2“, das ist auch von Mark, ist eine der besten zehn Damennoten, die jemals gemacht wurden, finde ich.

Was macht Parfum aus?

Geruch ist immer mit Gefühlen verbunden. Während es beim Sehen eher ein Reiz ist, ist Geruch ist vor allem Emotion. Originalität mit Suchtfaktor ist wichtig.

Und was kostet es, wenn man bei Dir ein Parfum in Auftrag geben möchte?

Das hängt davon ab, wie aufwändig die Entwicklung wird. Ich habe ein festgelegtes Honorar, das sich danach berechnet, wie viel ich gerochen und ausprobiert habe, wie viele Duftproben ich vorstellen musste, und wie viele Tage ich insgesamt daran arbeite. Daraus ergibt sich der Preis, der bei ein paar Tausend Euro anfängt und nach oben offen ist, je nachdem, was gewünscht wird.

Zurück in der Redaktion

Nach dem Gespräch mit Geza Schön kehre ich in die Redaktion zurück. Auf meinem Schreibtisch liegt das ein Pröbchen von „Eau du Levant“. Ich reiße es auf, rieche und gebe mir in paar Tropfen auf die Haut: Die Kopfnote aus Bergamotte, Mandarine, Zitrone und Basilikum erfrischt sofort meine Sinne. Ich mache Blütendüfte aus: Iris, Jasmin und Osmanthusblüte.

Später bleibt als Basisnote Ambra, dieser betörende Meeresgeruch, flankiert von Labdanum und Vetiver. Und für den Meeresduft hat Geza noch ein bißchen Algen-Absolut hinzugegeben, und natürlich Iso E Super, sonst wäre er nicht von Geza Schön.

Eau du Levant

© mare

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