float Magazine

Green Boats © Kerstin Zillmer
Nachhaltiger Bootsbau

Der Mann fürs Grüne

Friedrich Deimann setzt mit Flachsfaserverbundstoff auf Nachhaltigkeit im Bootsbau. Jetzt stellt er den ersten eigenen Daysailer vor.

Michael Kunst
von in
6 Minuten

Der 33-jährige Bootsbaumeister Friedrich Deimann hat sich in den letzten Jahren in der deutschen Bootsbauer-Szene großes Renommee erworben. Er wird in den Medien als grünes Gewissen der Branche bezeichnet. Es heißt, er reite auf der grünen Welle oder sei ein Segler auf der Bio-Welle. Scherzhaft wird er auch „der Nachhaltige“ genannt. Und seine Boote wie die grüne Bente 24 setzt man sprichwörtlich mit Hoffnung gleich – weil sie eben grün sind. Denn er setzt mit Flachsfaserverbundstoff auf Nachhaltigkeit im Bootsbau.

Der Grund für die Begeisterung rund um Friedrich Deimann und das Team von Green Boats ist sein konsequenter Einsatz für nachhaltigen Bootsbau. Seit Jahren experimentiert und entwickelt der Bremer eine Material-Alternative zum GFK: Flachsfaserverbundstoff. Dabei verwendet er Verbundwerkstoff auf der Basis von Flachsfasern und Leinöl-Epoxidharz. 60 % des Harzes sind natürlichen Ursprungs und bieten einen vollwertigen Ersatz für mineralölbasierte Epoxidharze.

Green Boats

Verschiedene Stoffe für einen nachhaltigen Rumpf © Kerstin Zillmer

float begleitet Friedrich Deimann und seine Projekte schon lange. Wir testeten die Grüne Bente 24, haben Friedrich zum Materialtest im Bionik-Innovationszentrum (BIC) der Hochschule Bremen begleitet. Und wir berichteten von der Verleihung des Ocean Tribute Awards 2017 für seine Verdienste um Nachhaltigkeit im Bootsbau.

Nachdem bei Green Boats bereits SUPs, Kajaks, Skiffs und die Bente 24 gebaut wurden, zeichnet das grüne Team auch für den Innenausbau der nagelneuen Bente 39 verantwortlich. Derzeit baut das Team an einem formschönen, grünen Daysailer im Retro-Stil, den Friedrich Deimann auf der boot Düsseldorf 2019 vorgestellt hat.

float hat mit Friedrich Deimann über seine Projekte gesprochen

Friedrich, Du baust gerade dein erstes selbstentwickeltes Boot, einen Daysailer. Was ist das für ein Boot?

Unser Daysailer mit klassischem Riss und modernen Segeleigenschaften ist eine tolle Alternative für überzeugte Segler mit Sinn für schöne Formen. Er ist 8,20 m lang, hat einen hydraulischen Hubkiel, der sich von 1,45 m auf 0,50 m Tiefgang reduzieren lässt und eine innenliegende, aufholbare Ruderanlage.

  • Green Boats © Kerstin Zillmer
  • Green Boats © Kerstin Zillmer
  • Green Boats © Kerstin Zillmer
  • Green BoatsSaubere Verarbeitung der Stoffe © Kerstin Zillmer

Besonders ist natürlich auch hier, dass das Boot aus Flachsfaserverbundstoff gebaut ist, also aus Flachsfasern statt Glasfasern und Green Epoxy, einem pflanzenölbasierten Epoxy. Für den Sandwichkern verwenden wir recycelte PET-Flaschen. Das Deck besteht aus hochwertigem, extrem dichten Kork aus Portugal. Derzeit sind wir noch auf der Suche nach einem Mastbauer, der Masten aus recyceltem Aluminium herstellt.

Ein laminierter Mast aus naturfaserverstärkem Kunststoff (NFK) oder Kohlefaser (CFK) ist zu empfindlich und nicht recyclebar. Daher ist ein Alumast auf Grund der Langlebigkeit und Recycling-Fähigkeit aus unserer Sicht die nachhaltigste Lösung, auch wenn die Herstellung energieaufwendig und umweltverschmutzender ist.

Green Boats

Infusionsverfahren © Green Boats

Green Boats

Flachs-Gelege © Green Boats

Wie kommt der Kasko denn auf der boot Düsseldorf an?

Es ist ein absoluter Publikumsmagnet. Die Mischung aus den klassischen Linien und den hochwertigen High-Tech-Materialien harmoniert mit der natürlichen Optik. Das gibt es auf der Messe nur hier zu sehen. Wir haben schon öfter gehört, dass es das einzige Boot auf der boot Düsseldorf 2019 ist, das wirklich innovativ ist. Die Leute finden es superspannend. Viele andere Hersteller kommen und informieren sich über die Materialien. Sie überlegen, wie sie sie selber in ihre Boote einbauen können.

Hast Du nicht Sorge, dass man dich kopieren und eventuell sogar überholen könnte?

Zum einen haben wir die Materialien geschützt, und zum anderen haben wir soviel Entwicklungsvorsprung, dass wir uns da keine Sorgen machen. Wir schlafen ja nicht. Wir haben die Weserverbundwerkstoff GmbH gegründet. Das ist ein Netzwerk, bestehend aus Green Boats, Judel & Vrolijk, die als Konstrukteure das Material berechnen, der Bionik-Abteilung der Hochschule Bremen und dem Fraunhofer-Institut. Hier forschen wir und entwickeln die Materialien weiter, damit wir Produkte in Serie bringen können.

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