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Green Boats © Kerstin Zillmer
Nachhaltiger Bootsbau

Der Mann fürs Grüne

Friedrich Deimann setzt mit Flachsfaserverbundstoff auf Nachhaltigkeit im Bootsbau. Jetzt stellt er den ersten eigenen Daysailer vor.

Michael Kunst
von in
6 Minuten

In anderen Bereichen, die deutlich leichter sein sollen, verwenden wir den PET-Kern. Wenn jemand zum Beispiel mit Schmackes gegen den Steg fährt, ist für die jeweils betroffenen Stellen Kork die eindeutig bessere Wahl, weil der sich zu 95 Prozent wieder aufrichtet. GFK-Schaum oder eben ein PET-Kern würde sich eindrücken und geht kaputt.

Und was ist mit den immer wieder kritisierten Harzsystemen?

Auch hier hat in den letzten Jahren eine gute Entwicklung stattgefunden. Das Neueste sind recycelbare Epoxidharze, aus denen man die Fasern herauslösen kann und die sich dann in Thermoplast umwandeln. Da sind abgefahrene Entwicklungen im Gange. Das geht derzeit erst richtig los!

Wie kommen denn Kooperationen und Projekte mit Kunden zustande?

Der Kunde kommt zu uns. Auch außerhalb der Bootsbranche gibt es im Caravaning und der Freizeitindustrie Verwendungsbereiche, die wir abdecken können. Meistens treten Firmen an uns heran, die neue Produkte entwickelt haben und diese aus unseren grünen Materialien gefertigt bekommen wollen. Judel & Vrolijk macht dann die Konstruktionen, Green Boats baut die Prototypen und Kleinserien. Dann haben wir noch weitere Fertigungspartner, die wir hinzunehmen, wenn wir damit in Großserie gehen.

Green Bente

Das grüne Skiff für Speedwave © Green Boats

Außerhalb der Bootsszene habt ihr das Sleepero aus Faserverbundstoffen entwickelt. Und danach kam gleich der Innenausbau der Bente 39, oder?

Wir haben außerdem ein 4,50 m langes Skiff aus unseren Materialien gebaut, in Kooperation mit Speedwave, die uns die Negativformen zur Verfügung gestellt haben. Das Boot wurde nochmal 25 kg leichter als die Standard-Serienversion.

Und dann kam schon der Innenausbau der Bente 39. Für die 39BEN wir hauptsächlich einen PET-Sandwichkern benutzt. Für Projekte wie den Innenausbau einer Segelyacht finde ich den Einsatz von PET naheliegend. Alle Welt redet derzeit vom Plastik in den Meeren – so wird es im positiven Sinne auf den Meeren und Seen eingesetzt.

Green Boats

Grüner Innenausbau der Bente 39 © Michael Krieg

Du denkst ja nicht nur bei den Materialien nachhaltig, sondern auch beim Bootsbau. Du bildest  selber Bootsbauer aus. Wie viele haben denn schon abgeschlossen?

Letzen Sommer hat mein erster Azubi mit Auszeichnung abgeschlossen und arbeitet jetzt bei mir weiter. Zur Zeit habe ich drei weitere Auszubildende, darunter auch einen Flüchtling aus Afghanistan. Zudem habe ich noch zwei Gesellen und einen Material-Analytiker.

Wenn ich diese grüne Qualität produzieren will, muss ich die Mitarbeiter selber ausbilden. Denn es gibt keine Bootsbauer, die darauf spezialisiert sind. Wir wollen an unserem Daysailer, den wir als Kleinserie konzipiert haben, auch Bootsbauer ausbilden, damit sie lernen, ein komplettes Boot zu bauen. Das gibt es ja kaum noch in anderen Betrieben.

Green Boats

Bootsbauer lernen, ein ganzes Boot zu bauen © Green Boats

Was wünscht du Dir für 2019?

Ich freue mich sehr, wenn wir zwei, drei Aufträge für den Daysailer reinbekommen. Dann hätten wir eine Kleinserie ins Leben gerufen, und ich könnte mich vermehrt um andere, spannende Custom-Projekte kümmern.

Vielen Dank für das Gespräch, Friedrich. Wir wünschen Dir gutes Gelingen und freuen uns schon auf den Testtörn.

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