float Magazine

© Susanne Westphal
Ausstellung

Der Pinsel und das Meer

Die Kunstausstellung auf der Hamburg Boat Show zeigt Bilder von Booten und Meer – klassisch, abstrakt, in Öl und auf Treibholz.

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4 Minuten

Bei der Hanseboot Hamburg war die Kunstausstellung „art maritim“ immer fester Bestandteil des Rahmenprogramms. Nachfolgerin der nordischen Bootsausstellung ist seit 2018 die Hamburg Boat Show und die zur Freude der Messebesucher, diese Tradition der maritimen Kunstausstellung übernommen hat. In Halle B6 zeigen auch dieses Jahr Künstler und Kunsthandwerker ihre Malerei, Fotografien und Skulpturen.

Susanne Westphal
Im Atelier von Susanne Westphal © privat

Mit dabei ist Elke Timmermann aus Cuxhaven. Als Seglerin lässt sie sich oft bei Nordseetörns zu neuen Werken inspirieren. Ihre Ölbilder zeigen Dampfer in Öl, Windjammer, moderne Yachten, aber auch Landschaften und Eilande im Revier vor ihrer Haustür – so wie die Buntsandstein-Insel Helgoland, umgeben von rollender See. Neben ihren Ölbildern fertigt Timmermann Taschen aus maritimen Materialien: Segel und Persenningstoff kombiniert sie mit Plane. Jede Tasche ist ein Unikat und wird von Hand gefertigt.

Gemälde, Grafiken und Zeichnungen von Küsten- und Seebildern, von Segelschiffen, Fracht- und Marineschiffen sind das Metier des Marinemalers Olaf Rahardt aus Rudolstadt in Thüringen. Einen Namen hat der Maler sich zunächst als Autor und Illustrator für maritime Magazine gemacht. Zu marinehistorischen und schiffbaulichen Themen hat er vieles veröffentlicht – in Text- und Bildform. Seit 22 Jahren ist er nun hauptberuflich freischaffender Marinemaler der alten Schule.

Olaf Rahardt
© Olaf Rahardt

Klassiker und nordische Kombinierer

Während klassische Marinemaler meist detailgetreu Segelschiffe, Dampfer, Leuchttürme oder Hamburger Hafenszenen wiedergeben, oft mit sturmgepeitschter See und am Himmel jagenden Wolken, kombinieren andere Künstler ihre klassischen Ölbilder zu Collagen – mit Materialien wie Stoff, Stadtplänen oder Seekarten.

Die Hamburgerin Heinke Böhnert nimmt als Grundlage ihrer Bilder Segeltuch, und zwar das von Weltmeistern und Olympiasiegern. Mit ihren oft großformatigen, gut wiedererkennbaren Bildern hat sie sich international einen Namen gemacht. Im Vorgespräch zur Hamburg Boat Show verrät sie uns, dass sie letztes Jahr dem Dongfeng-Siegerteam des Volvo Ocean Race von 2017/2018 ein Segel „abschnacken“ konnte.

Heinke Böhnert
© Heinke Böhnert

Seit diesem Jahr arbeitet sie mit dem Team Malizia zusammen, das ja nun gerade in aller Munde sei, so Böhnert gegenüber float. Skipper Boris Herrmann, der gerade Greta Thunberg emissionsfrei über den Atlantik gebracht hat, ist wie die einstige Kaderseglerin Heinke Böhnert Mitglied im Norddeutschen Regatta-Verein. Boris Herrmann will 2020 an der Einhandregatta Vendee Globe teilnehmen.

Sicher nicht nur Heinke Böhnert begrüßt es sehr, dass der Deutsche Boots- und Schiffbauer-Verband „sich da reingehängt hat“ mit der Neuauflage einer maritimen Messe in Hamburg. Gegenüber float sagt sie: „Bei mir ist immer ein bisschen Lokalpatriotismus dabei. Ich möchte gern, dass Hamburg so etwas hat.“

Realismus und Material-Mix

Susanne Westphal und Heinke Böhnert zeigten ihre moderne Marinemalerei schon einmal gemeinsam. Zu sehen war ihre Sonderausstellung in den Räumen des Robbe & Berking Yachting Heritage Centers in Flensburg, wo die historische 12mR-Segelyacht Jenetta wieder zusammengesetzt und restauriert wurde.

Susanne Westphal
© Susanne Westphal

Das Besondere an den Bildern von Susanne Westphal sind die detailgetreuen Darstellungen verschiedener Segelklassen und bekannter Leuchttürme. Dieser Realismus steht im Gegensatz zu den verfremdeten, durch Linien aufgebrochenen Hintergründen. Mit dieser besonderen Technik inszeniert die in Rellingen lebende Künstlerin auch Landschaften eindrucksvoll.

Elemente von alten Segeln, historischen Beschlägen und Tauwerk kombiniert die Hamburgerin Margrit Möhlen mit ihrer klassischen Malerei zu einzigartigen Kunstobjekten. So verwendet sie beispielsweise Motive mit Leuchttürmen oder Seezeichen mit Segmenten originaler Segel von alten Yachten, historischen Schiffen und Windjammern wie der Gorch Fock. Sie macht auch Armbänder und Schmuck aus Tauwerk – und Taschen aus altem Segeltuch.

Margrit Möhlen
© Margrit Möhlen

Gold, Silber und Edelstahl als Leinwand

Das Schmuckschmieden ist das Metier von Sabine Seifert. Das Leben im Norden hat es der Schmuckdesignerin sehr angetan, und dabei speziell Norwegen. Hier hatte die Goldschmiedemeisterin bis 2012 eine eigene Werkstatt. Seitdem arbeitet sie in einer Ladenwerkstatt in Hamburg.

Inspiriert von der wilden Natur Norwegens entwirft sie nicht nur silberne Halsketten, Armbänder und Ringe. Sie gestaltet und schmiedet auch Schmuckserien, in denen Fische, Delphine, Segel und Anker eine Rolle spielen – nordisch, maritim und hanseatisch. Wenn gewünscht, auch in Gold – und verziert mit funkelnden Brillanten.

Marion Schmidtke
© Marion Schmidtke

Auf dem gleichen Stand der Hamburg Boat Show ist auch Marion Schmidtke mit ihren teils großflächigen Acrylbildern vertreten, die von der auf Fehmarn lebenden Künstlerin seit fast 25 Jahren international gezeigt werden, unter anderem bei der „Biennale of the Nations“ in Venedig.

Im Erzgebirge, also weit ab vom Wasser, ist die Heimat von Thomas Fröhlich. Der studierte Werkzeugmaschinenbauer war bis 2008 in der Automobilbranche tätig. Dieses Jahr bezeichnet der gelernte Metallschleifer als seinen persönlichen Wendepunkt: Er beginnt Skulpturen zu erschaffen, sowohl zum Hinhängen oder zum Aufstellen. Seine „Leinwände“, wie er es selbst nennt, bestehen aus Edelstahl. Das Metall kombiniert er mit naturbelassenem Massivholz zu „Kontrastwerken“, und das auch mit maritimen Motiven.

Nicht dabei, Live-Malerei

Nicht dabei sind in diesem Jahr drei Künstler, die float schon vor zwei Jahren vorgestellt hat. Der Schwede Leif Sköld fertigt unter dem Motto „Glas hat eine Seele, die muss man fangen“ feine Skulpturen aus Glas und Hölzern, beispielsweise von Wrackteilen einer alten Kogge.
Der vom Rhein stammende Marinemaler Henry Albrecht hat während der Hamburg Boat Show eine eigene Einzelausstellung, in Neuwied am Rhein.

Sina Vodjani
Eine bunte Version der Elphie © Sina Vodjani

Auch der gebürtige Iraner Sina Vodjani – der Fotograf, Maler und Musiker ist nach eigener Aussage auch Schamane – wird in diesem Jahr mit seinen farbenfrohen Fotosymphonien nicht in Hamburg vertreten sein. Er verbindet Fotografie und Malerei im übertragenem Sinne zu Musik.

Wer es nicht in die Ausstellung auf der Hamburg Boat Show schaffen sollte, kann einen der bekanntesten klassischen Marinemaler, Uwe Lütgen in der Hansestadt anderenorts sogar bei der Arbeit erleben. Im Internationalen Maritimen Museum in der Speicherstadt lässt sich der Künstler auf Deck 8, jeden Samstag von 11 bis 13 Uhr, über die Schulter schauen.

Uwe Lütgen
Uwe Lütgen © Uwe Lütgen

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