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Die Farbe des Horizonts © Tobis Film
Kino

Die Farbe des Horizonts

Ein junges Paar erlebt Schiffbruch. Sie muss das Schiff in einen sicheren Hafen bringen.

Anne-K. Jung
von in
5 Minuten

Sie sind jung und verliebt und auf dem Weg in ein romantisches Abenteuer  –  aber für Tami (Shailene Woodley) und Richard (Sam Claflin) endet der Segeltrip von Tahiti nach Kalifornien in einer lebensbedrohenden Katastrophe: Im September 1983 brechen Tami Oldham und ihr Verlobter Richard Sharp von Tahiti aus auf, um im Auftrag von Bekannten eine 44-Fuß-Segelyacht nach San Diego zu überführen. Alles geht gut, bis sich, mitten im Pazifik, tausende Seemeilen vom nächsten Festland entfernt, ein Hurrikan der Kategorie 4 entwickelt, dem auszuweichen ihnen nicht gelingt.

Die Farbe des Horizonts

Unheil droht © Tobis Film

Das Boot kentert in den riesigen Wellen durch, Richard wird von Bord gespült und Tami geht unter Deck k.o.. Als sie wieder zu Bewusstsein kommt, ist Richard verschwunden, das Boot treibt als halbes Wrack im Pazifik. Die junge Frau steht vor der unglaublichen Herausforderung, ihren Überlebenswillen nicht zu verlieren und das Schiff zurück in einen sicheren Hafen zu bringen.

„Die Farbe des Horizonts“ basiert auf einem wahren Ereignis – Namen, Daten und Orte stimmen überein. Die Situation, in der sich die damals erst 23-jährige Tami Oldham Ashcroft nach der Havarie im Hurrikan wieder fand, war brutal: ihr Begleiter über Bord gegangen, das Boot ohne Mast und halb voll Wasser, weder Motor noch Funkgerät funktionsfähig, mit kaum Trinkwasser und nur wenigen Lebensmitteln. Sie selbst durch eine Kopfverletzung geschwächt und der nächste erreichbare Hafen mindestens 1500 Seemeilen entfernt, ihre genaue Position nach dem Sturm unklar.

Die Farbe des Horizonts

Tami darf nicht aufgeben © Tobis Film

Shailene Woodley, bekannt aus „Der Schicksal ist ein mieser Verräter“, gelingt es mit ihrer schauspielerischen Leistung, die mentale Stärke und den nicht zu brechendem Überlebenswillen der Protagonistin überzeugend darzustellen. Zu jedem Zeitpunkt ist Tami eine autonom und entschlossen handelnde Figur. Unterstützung bei der Gestaltung ihrer Rolle bekam Woodley durch die echte Protagonistin Tami Oldham Ashcroft, die die Filmproduktion beratend begleitet hat. Das Drehbuch zum Film basiert auf ihrem Jahre zuvor erschienen Buch „Red Sky in Mourning“.

  • Die Farbe des HorizontsMaking of: Kameramann Robert Richardson, © Tobis Film
  • Die Farbe des HorizontsDreharbeiten auf dem Wasser, © Tobis Film
  • Die Farbe des HorizontsDreharbeiten auf dem Wasser, © Tobis Film
  • Die Farbe des HorizontsDreharbeiten auf dem Wasser, © Tobis Film
  • Die Farbe des HorizontsMaking of: Regisseur Baltasar Kormákur, © Tobis Film

Der Film, eine Mischung aus Survival- und Liebesfilm, ist eine sehr real anmutende Wiedergabe der Ereignisse und verzichtet weitgehend auf Kitsch. Die Begegnung der beiden Protagonisten und ihre Liebesgeschichte nutzt der Film dabei als Einstieg ins Geschehen und zur Entwicklung des Plots. Mit Rückblenden und Zeitschnitten hält er die Spannung in der ausweglos erscheinenden Situation auf dem Pazifik aufrecht. Regie führte Baltasar Kormákur, dem bereits mit dem Bergsteiger-Drama „Everest“ eine überzeugende Survival-Geschichten gelang. Die intensiven Bilder auf und unter Wasser des Oscar nominierte Kameramanns Robert Richardson machen den Film auch visuell zu einem intensiven Kinoerlebnis. Endlich mal ein Segelfilm, in dem der Protagonist eine Frau ist – und es real gemeistert hat, die Katastophe zu bewältigen.

Unser Urteil: sehenswert, insbesondere in der englischen Originalfassung

Wir haben mit Tami Oldham-Ashcroft persönlich über den Film gesprochen

Die Farbe des Horizonts

Tami Oldham-Ashcroft © privat

float: Tami, hast du am Drehbuch mitgearbeitet?

Tami: Ich war vom ersten Tag an in die Entstehung des Drehbuchs involviert. Die Autoren Aaron und Jordan Kandell sind schon vor sechs Jahren mit mir in Kontakt getreten. Es hätte viele verschiedene Ansätze gegeben, die Geschichte zu erzählen. Mir gefällt nun, dass das Drehbuch die Liebesgeschichte und das Abenteuer, das Richard und ich erlebt haben, mit der dramatischen und rauhen Überlebensgeschichte verwebt, als wäre es ein Bildteppich.

Wie war es, als du den Film zum ersten Mal gesehen hast?

Ich habe den Film inzwischen mehrmals gesehen und jedes Mal gehe ich mit einer Erinnerung aus dem Kinosaal, die ich eigentlich tief in meinem Unterbewusstsein vergraben wollte. Als ich den Trailer zum ersten Mal ansah, wurde ich derart von Gefühlen überwältigt, dass ich einfach nur noch weinen konnte. Der Film selbst hat mich enorm damit überrascht, wie sehr mich die Bilder zurück in die damalige Situation an Bord versetzen. Und auch damit, wie gut Shailene und Sam spielen, so dass ich mich völlig im Film verliere.

Kannst du dich mit deiner Figur im Film identifizieren?

Ich habe immer gedacht, dass meine Geschichte einen tollen Film abgegeben würde. Trotzdem hat es sich irgendwie surreal angefühlt, mir selbst beim Überleben zuzusehen. Und es brachte ungefiltert alle Gefühle zurück: meine große Liebe zu Richard, den Schock des Unfalls und der daraus folgenden Notlage. Die Stärke, das Boot wieder in Bewegung gesetzt zu kriegen, der allerhöchste Genuß von Erdnußbutter, als ich fast am Verhungern war. Die Erlösung vom Überlebenskampf, als das Boot endlich, endlich vor dem Hafen von Hilo entdeckt wurde. All diese Gefühle durchlebte ich erneut, als ich den Film sah.

Du hast das Segeln nach dem Erlebten nie aufgegeben. Wie konntest du nach all dem Horror wieder an Bord eines Bootes gehen?

Ich habe das Buch „Adrift“ (vorheriger Titel: „Red Sky in the Mourning“) gewiss nicht geschrieben und am Film mitgewirkt, um Menschen davon abzuhalten, aufs Meer hinaus zu segeln. Ich selbst liebe es einfach, auf dem Wasser zu sein, mit der Natur eins zu werden. Das machtvolle Gefühl, sich den Wind nutzbar machen zu können. Das Geräusch, wenn das Wasser am Bootsrumpf rauscht.

Wie segelst du heute?

Nach den damaligen Ereignissen bin ich direkt zum Segeln zurückgekehrt und habe es viele Jahre ausgeübt. Ich habe mich weiter qualifiziert und das Kapitänspatent für 100-Tonner gemacht. Ich wurde Profi und habe tatsächlich mit dem Segeln Geld verdient, meist auf Forschungsschiffen. Heute segele ich zum Vergnügen. Mir gehört auch ein Motorboot, das mir großen Spaß macht und mit dem meine Familie und ich zwischen den wunderschönen Inseln vor unserer Haustür unterwegs sind. Meine ganze Familie liebt das Wasser und ist gesegelt und Boot gefahren, quasi seit unsere Töchter auf der Welt sind.

Was rätst du Leuten, die Blauwasser-Törns unternehmen wollen?

Indem ich meine Geschichte erzähle, möchte ich Segler und insbesondere Frauen motivieren, so viel über das Segeln zu lernen wie möglich. Viel zu oft gibt es an Bord eine traditionelle Rollenverteilung. Es ist enorm wichtig, dass wir als Frauen die Rollenklischees überwinden und möglichst viel über Schiffsführung und Navigation lernen. Und ich möchte der Welt zeigen, welche Stärke in Frauen steckt. Heutzutage müssen auf der ganzen Welt so viele Frauen unter widrigen Bedingungen aller Art überleben. Wir sind stark und belastbar – unterschätzt unsere Fähigkeiten nicht!
Ich rate allen, die mit dem Segeln anfangen wollen, unbedingt Segelunterricht zu nehmen und viele Kurse zu besuchen. Es gibt überall Möglichkeiten, segeln zu lernen und aufs Wasser zu kommen. Verbringt dort so viel Zeit wie möglich!

Möchtest du unseren Leserinnen und Lesern noch etwas besonderes sagen?

Da draußen gibt es eine wunderbare, große, weite Welt zu entdecken – ob zu Land, Luft oder Wasser. Macht Euch einfach auf den Weg!

Liebe Tami, wir danken Dir für das Gespräch.

Und hier der englischsprachige Trailer zum Film, weil er uns besser gefällt:

Adrift | Final Trailer | Now In Theaters

DIE FARBE DES HORIZONTS (OT: ADRIFT)
97 Minuten  I  Drama  I  USA  2018
Kinostart: 12. Juli 2018
Im Verleih von TOBIS FILM

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