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Anlege-Schutz per Kamera mit Dock Sense © Raymarine Anlege-Schutz per Kamera mit Dock Sense © Raymarine
Praxistest

Einparkhilfe für 46 Fuß

DockSense von Raymarine ist die erste funktionierende Lösung, um eine Yacht ohne Anstoßen assistiert anzulegen.

von
Stefan Gerhard
in
3 Minuten

Langsam gleitet unsere 46 Fuß lange Motoryacht mit dem Heck auf den Schwimmsteg zu. Dort wartet die helfende Hand fürs Anlegemanöver. Links von uns liegt, mit weniger als einer halben Schiffslänge Abstand, die gemauerte Wand der Mole. Dann ziehe ich den Joystick der Jeanneau Prestige 460 mit Schwung nach hinten – volle Fahrt rückwärts. Das schwere Boot nimmt Fahrt auf, der Steg kommt näher. Noch näher. Und dann…

Kurz bevor ich unwillkürlich Joystick oder den Doppel-Gashebel nach vorne gezogen hätte, um die offensichtlich kaum vermeidbare Kollision beim Anlegemanöver zu verhindern, verlangsamt unsere Prestige 46 ihre Fahrt. Rund einen Meter vor dem Schwimmsteg kommt die Motoryacht zum Liegen. DockSense sei Dank! Auch seitlich bricht das Boot nicht aus, egal wie sehr ich den Joystick des Antriebssystems zwiebele.

Raymarine
Stereokamera fürs Einparksystem DockSense © Raymarine

Mit GPS, Kameras und Algorithmen

Die Prestige 460 im alten Hafen von Cannes liegt still. Der „Virtual Bumper“, der durch GPS, Kameras und viel Rechenleistung gesteuerte Abstandhalter namens Raymarine DockSense funktioniert. Bernd Gröneveld von Raymarine Deutschland, der mit an Bord ist, erklärt das Prinzip: Konkret bremst DockSense das per Joystick gesteuerte Boot ab, sobald es sich dem Steg oder anderen Hindernissen nähert. Wie hinter einer unsichtbaren Gummilippe bleibt das Schiff liegen. Dafür sorgt die Objekt- und Bewegungserkennung per Kamera – und jede Menge Software, die von Raymarine im Süden Englands entwickelt wird.

Das im Januar erstmals in Miami gezeigte System ist die erste Lösung für die Freizeitschifffahrt, um mit einem Boot assistiert anzulegen. Fest montierte Baken in den Boxen der Marinas, wie es 2018 von Volvo Penta beim autonomen Anlegen einer 68-Fuß-Motoryacht gezeigt wurde, sind für DockSense nicht notwendig.

Raymarine
DockSense kann ins Display geholt werden © Raymarine

Thermokameras machen Wasser durchsichtig

Chris Jones, der im Süden Englands an der Entwicklung von DockSense beteiligt ist, erklärt den technischen Hintergrund. „Wir haben Algorithmen entwickelt, so dass man mit Thermokameras heute buchstäblich übers Wasser sehen kann. Sogar die Struktur der Wasseroberfläche können wir erkennen. Durch spezielle Algorithmen machen wir das Wasser gewissermaßen transparent.“ Alles, was im Wasser schwimmt – Jones nennt es unübersetzbar „non-water objects“ – macht die Technologie sichtbar und bringt es aufs Multifunktionsdisplay. Und löst auf Wunsch einen Alarm an den Bootsführer aus.

Die Kameratechnologie kommt vom Schwesterunternehmen Flir. Die US-Firma, die unter anderem durch Thermokameras bekannt wurde, hatte Raymarine vor einigen Jahren übernommen. Das war durchaus ein Gewinn für beide Seiten – ein Ergebnis davon ist das neue Anlegesystem. Wer sich beim Anlegemanöver nicht komplett darauf verlassen will, aber uneinsehbare Stellen an Bord hat: Mit Marine-Tageslicht-Videokameras lässt sich das Multifunktionsdisplay in ein leistungsfähiges Video-Beobachtungssystem verwandeln.

Raymarine
Visuelle Kontrolle im Display © Raymarine

Noch ist DockSense nicht lieferbar. Vom Prototyp, den wir in Südfrankreich selbst ausprobieren, bis zum fertigen Produkt wird sich noch einiges verändern. Die stereoskopischen Kameras, die ein wenig wie fest montierte Sonnenbrillen aussehen, sollen noch spezielle Schutzklappen erhalten.

Das reduziert Irritationen des Systems durch Wassertropfen wie Regen oder Spritzwasser auf ein Minimum. Die teure optische Technik wird nur dann dem Seeklima ausgesetzt, wenn der Anlegevorgang beginnt. Ansonsten ist die Klappe zu.

Raymarine DockSense
Die Stereokameras werden rundum platziert © Raymarine

Doppelt Kollisionen vermeiden

Warum kann das System seinen Platz im Markt größerer Motoryachten erobern? Weil es nicht nur Schiffsversicherer erfreut, die Prestige Yachts bereits angefragt haben sollen. Sondern weil DockSense auch für Kollisionsvermeidung – ganz anderer Art – bei den Eignerpaaren sorgt. Denn meistens ist es so, dass bei Paaren, die ein Boot besitzen, nur einer von beiden gute Kenntnisse im Umgang mit Booten hat.

Chris Jones spricht es aus: „Wenn man als Paar eine schlechte Erfahrung beim Anlegen gemacht hat, vergeht die Lust am Bootfahren schnell bei dem Partner, der die Leinen nicht schnell genug ausbringt.“ Automatisches Anlegen nimmt Stress aus der Sache. Hafenkino könnte damit ausfallen. Im Herbst soll das System und seine Komponenten hierzulande zu haben sein.

Mehr über das Testschiff auf der Werft-Website von Jeanneau

Raymarine DockSense
Unser Testschiff ist eine Prestige 460 © Raymarine
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