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Kommt im Juni 2022: der 100-kW-Innenborder ePropulsion H-100 © ePropulsion
Elektromobilität

Erster Innenborder von ePropulsion

Überraschend leicht ist der erste starke Innenbord-Elektromotor von ePropulsion. Auf welchem Bootstyp geht der Motor ab Juni ins Rennen?

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3 Minuten

Das Angebot an Elektromotoren für benzin- und dieselbetriebene Bootsmotoren wächst – als Ersatz oder als zeitgemäßes Update, je nach Blickwinkel. Buchstäblich im Monatstakt werden neue Antriebssysteme angekündigt. Jetzt hat ePropulsion, bekannt als ein chinesischer Herausforderer des E-Pioniers Torqeedo, seinen ersten Motor zum Einbau unter Deck vorgestellt. Wen kann der Hersteller damit glücklich machen?

Für eine Kraftquelle dieser Leistungs-Kategorie besteht weltweit hoher Bedarf, sowohl im Yachtsport als auch im kommerziellen Bereich. Der ePropulsion H-100 Electric Inboard bringt, wie die Bezeichnung es nahelegt, bis zu 100 kW auf die Welle. Einen Motor mit diesen Leistungswerten hat der deutsche Hersteller Torqeedo seit 2019 im Programm.

Universell anschließbar

Das zur Premiere im Juni angekündigte Aggregat soll fast universell anschließbar sein. Angeboten werden soll es als klassischer Heckantrieb über Wellen- oder Z-Antrieb, über einen Saildrive oder auch als Strahlruder.

Bei 136 PS Maximalleistung können – so berechnet es der Hersteller – Verdränger bis zu 200 Tonnen und einer Rumpflänge zwischen 18 und 30 Metern bewegt werden. Damit eignet sich der Motor, der Erstausrüstern und Bootsbauern in Bälde zur Verfügung stehen soll, für diverse Einsatz-Szenarien.

Das Antriebssystem eignet sich nach Eigenaussage des Herstellers für große Segelyachten, Katamarane, kleine Passagierfähren und Ausflugsboote. Die Pressemitteilung lässt nahezu keinen Bootstyp aus, auch kommerzielle Arbeitsboote, große Binnen-Passagierschiffe sowie Frachtschiffe werden als Anwendungsszenario für das Kraftpaket erwähnt. Ein Blick in die Glaskugel: Bisher macht ePropulsion den Großteil seines Umsatzes mit der Freizeitschifffahrt.

Permanentmagnete statt Wicklung

Die Konstruktionsweise des neuen E-Motors klingt attraktiv. Es ist eine Gleichstrom-Maschine mit Permanentmagneten. Das verspricht lange Haltbarkeit und niedriges Gewicht im Vergleich zu temporär elektrisch erregten Wicklungen. Das Drehmoment liegt laut Herstellerangabe bei 2.000 Nm.

Mit einem Gewicht von 190 kg liegt der ePropulsion H-100 in etwa bei den 195 kg des Torqeedo-Produkts DeepBlue 100i. Allerdings gibt die Deutz-Tochter das Gewicht ihres stärksten elektrischen Marinemotors inklusive der Leistungselektronik an. Der in etwa vergleichbare Langsamläufer von Torqeedo mit 1060 Newtonmetern Drehmoment ist allerdings 465 kg schwer.

Leichter ist nur das Niedervolt-Antriebskonzept von Molabo. Das bayerische Startup stellte im Sommer 2020 seinen Statorkäfig-Motor ISCAD V50 mit 50 kW vor. Der wiegt inklusive Leistungselektronik lediglich 45 kg. Es ist ein Niedervoltsystem mit 48 Volt. An den Wirkungsgrad des Molabo-Motors mit 98 Prozent kommt das neue Produkt aus China sehr nahe heran. Es liegt bei ebenfalls beachtlichen 96 Prozent, was auf eine hohe Wirtschaftlichkeit schließen lässt.

Das Design ist gut durchdacht: ePropulsion hat es modular angelegt, so dass Anwender die Reichweite und Leistung durch Hinzufügen von Motoren, Reglern und Batterien leicht erweitern können. Der Motor lässt sich, so wird es angekündigt, auch fernsteuern.

Hybrid und Docking-Modus sollen folgen

Interessant ist zum Beispiel der geplante Docking-Modus. In dieser Einstellung wird die Leistungsabgabe stark gedrosselt, so dass der Fahrhebel im Cockpit bis zum vollen Anschlag genutzt werden kann. Das erlaubt es, beim Manövrieren am Anleger, in der Box oder Schleusenkammer den Schub sehr fein zu dosieren, die Schiffsführung hat damit eine bessere Kontrolle bei niedrigen Geschwindigkeiten.

Auch gibt es einen Syn-Modus, der bei zwei angeschlossenen Motoren die Synchronisierung übernimmt. Für zusätzlichen Komfort können Benutzer, die den H-100 mit dem HC-160-54-Controller von ePropulsion kombinieren, direkt Gleichstrom verwenden. So ist kein zusätzlicher Konverter erforderlich.

Welches Boot kommt als Erstes?

Auch für einen Hybrid-Antrieb ist die Neuheit geeignet, hebt der Hersteller hervor. Durch Hinzufügen nachhaltiger Ressourcen wie Solar- und Windenergie soll das möglich werden. Auch Dieselgeneratoren und Brennstoffzellen sollen irgendwann als Stromquelle zur Verfügung stehen.

ePropulsion Danny Tao
Gründer Danny Tao © ePropulsion

Das vom chinesischen Elektro-Ingenieur Danny Tao 2016 mit Sitz in Hongkong gegründete Unternehmen ist vor allem bekannt für den elektrischen Außenborder ePropulsion Spirit. Im Februar 2022 gab das Unternehmen bekannt, dass die USA und Europa die wesentlichen Märkte sind – und bei letzterem Großbritannien und Deutschland die führenden Länder. In Deutschland ist Ditoma der Importeur für ePropulsion.

Auf unsere Nachfrage nach den genauen Spezifikationen des neuen Kraftpakets gibt sich die PR-Agentur noch schmallippig. Spannend zu wissen wäre vor allem, welche Akkus zum Einsatz kommen. Man liefere „maßgeschneiderte Batterien“ entsprechend den Kundenbedürfnissen und arbeite mit mehreren globalen Top-Ten-Batterieanbietern zusammen, erfährt float auf Nachfrage.

Auch wann das neue Produkt auf dem europäischen Märkten eingeführt werde, sagt der Hersteller noch nicht. Das ist verständlich. Als System für OEM-Projekte, also zur Lieferung an Werften und Bootsbauer, fertigt ePropulsion es auf Bestellung.

Welches Boot als Erstes den 100-kW-Motor bekommt, verrät der Hersteller noch nicht. „Wir haben ein paar Projekte in Arbeit“, erklärt die englische PR-Agentur gegenüber float. „Leider können wir sie im Moment noch nicht bekannt geben. Aber bitte bleiben Sie dran.“

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