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Bunte Auswahl von Yachtrock-Covern der 1970er-Jahre © Montage float
Popmusik

float hört Yachtrock

Windstärke vier, leichter Raumschotkurs, Sonne von Luv – die passende Musik dazu ist Yachtrock, ein spezieller Sound der 1970er Jahre.

von
Jan Joswig
in
2 Minuten

Windstärke vier, leichter Raumschotkurs, Sonne von Luv – für diesen Tanz auf der Gischt des Lebens gibt es nur einen Soundtrack: Yachtrock. In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre feierten die Hippies nicht mehr das einfache Landleben, sondern den luxuriösen Müßiggang zur See. Was für eine Musik war das?

Perkussive Rhythmen, dezente Synkopen, aseptischer Gesang und staubfreier Gesamtklang fügen sich zu einer akustischen Raffaello-Praline, die dem Publikum glatt runterging. „What a fool believes“ der Doobie Brothers stieg auf Platz 1 der US-Charts, ebenso „Escape“ von Rupert Holmes. „Summer Breeze“ von Seals & Crofts kam auf Platz 6.

Doobie Brothers
Die Doobie Brothers 1977 © Warner/Reprise Records / Public domain

Ewige Party unter Segeln

Songwriter-Erbe und jazzig-funkige Arrangements gingen in dem Subgenre zwischen Soft- und Jazzrock eine Allianz ein, die das Leben als ewige Party unter weißen Segeln inszenierte.

Konsistente Yachtrock-Lieferanten gibt es aber kaum. Bands wie Atlanta Rhythm Section („So into you“), die Little River Band („Happy Anniversary“) oder Doobie Brothers („What a fool believes“) fanden als blinde Boogierock-Hühner nur einzelne Yachtrock-Körner.

Der Terminus Yachtrock wurde erst im Nachhinein vergeben, die Feindeslinien waren jedoch von vornherein klar: Ein roteres Tuch für alle aufrechten Punk-Nihilisten und Blues-Melodramatiker war nicht vorstellbar.

Nach 30 Jahren neu entdeckt

Aber gut 30 Jahre später hat die Club-Kultur die saturierte Eleganz der ausgetüftelten Grooves schätzen gelernt – als interessanten Beitrag vor allem weißer Cis-Männer zu den Errungenschaften der queeren und nicht-weißen Disco-Kultur, die deutlich erfolgreicher war.

Loggins and Messina
Kenny Loggins und Jim Messina © Public Domain

Ob die Haltung eher platt affirmativ ist – wie bei Loggins & Messina und Seals & Crofts – oder smart ironisch wie bei Steely Dan und Michael Franks, spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist nur die vertonte Leichtigkeit des Seins.

Zu Ende ging Yachtrock mit Christopher Cross, der mit dem Softrock-Song „Ride like the Wind“ vom unbekannten Coverband-Sänger aus San Antonio zum One-Hit-Wonder aufstieg und 1981 vier Grammy-Awards bekam. Auf der Facebook-Seite Too slow to disco wird die Geschichte aufgearbeitet und weitergeschrieben.

Die schönsten Tracks zum Abslippen

Aber der wahre Rahmen für Yachtrock ist nicht die Tanzfläche, sondern das Teakdeck. float hat zum Saisonende die schönsten Yachtrock-Tracks zusammengestellt. Damit man sich daran erinnert, dass auf jedes Aufslippen auch wieder ein Abslippen folgt. Musik ab!

Jimmy Messina – Waitin’ on you
Rupert Holmes – Drop it
Hall & Oates – Las Vegas Turnaround
Gino Vannelli – There’s no time
Michael Franks – Monkey see monkey do
Severin Browne – Stay
Kieran White – Open up your door
Steely Dan – The Fez
Atlanta Rhythm Section – So into you
Seals & Crofts – Summer Breeze

Yachtrock
Ein Yachtrock-Cover aus den 1970er-Jahren © privat

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