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Das neue V60-B von B&G kombiniert Funksprechgerät mit AIS-Transceiver © B&G Das neue V60-B von B&G kombiniert Funksprechgerät mit AIS-Transceiver © B&G
Bordelektronik

Funken mit Aussicht

B&G hat seinem Bordfunkgerät ein Modul spendiert, das auch AIS-Signale sendet. Das macht auch kleine Boote sichtbar.

von
Roland Wildberg
in
4 Minuten

Einfach lossegeln und schauen, was kommt – das klingt romantisch. Schlechte Sicht, dichter Verkehr und Kollisionskurs setzen dieser Weltanschauung allerdings gewisse Grenzen. Daher dreht sich Seefahrt immer – und immer mehr – auch um Sicherheits-Technik.

Wer sein Schiff so ausstatten will, dass es für alle Tages- und Nachtzeiten ebenso wie für alle Eventualitäten gerüstet ist, braucht Hardware: Zu Funkgerät, Kartenplotter mit dazugehörigem Kartensatz (z.B. von Navico oder NV Charts), Radar und Kamera kommen auch AIS-Transponder und -Receiver, die auf UKW-Frequenz permanent Daten wie Geschwindigkeit und Fahrtrichtung senden und empfangen.

Gewundene Flussläufe beschränken die Fernsicht – hier nützt ein AIS-Empfänger
Gewundene Flussläufe beschränken die Fernsicht – hier nützt ein AIS-Empfänger © Nieselfrosch / CC BY 3.0

AIS nützt auch auf Binnenrevieren

Der AIS-Empfänger ist nützlich. wenn in verkehrsreichen Seegebieten zahlreiche andere Schiffe unterwegs sind. Für die eigene Navigation ist es extrem nützlich, wenn Tempo, Kurs und Abmessungen der anderen Verkehrsteilnehmer bekannt sind. Sogar auf Binnenrevieren, etwa viel befahrenen Flüssen, kann AIS buchstäblich rettende Erkenntnisse bringen: Wenn man zum Beispiel sieht, dass hinter der nächsten Kurve gerade ein Lastkahn den anderen überholt und damit die eigene Fahrspur blockiert.

Einen hilfreichen Beitrag, um die Technik an Bord zu bündeln, leistet nun Navico: Der Hersteller von Marine-Elektronik bietet für mittelgroße Yachten (ungefähr 30 bis 55 Fuß) ein neues Kombigerät zum Nachrüsten an, das neben UKW-Funk auch eine AIS-Funktion enthält.

B&G Funkgerät mit AIS-Sender und -Empfänger
Das neue B&G V60-B mit AIS-Sender und -Empfänger © Hersteller

Während viele Funkgeräte mit AIS-Empfängern versehen sind, ist das neue Produkt auch gleich mit dem Sender ausgestattet. Das erhöht die Sicherheit beträchtlich, weil das eigene Boot nun auch für kleine und große Pötte „sichtbar“ wird.

Zwei Funktionen in einem Gerät

Das neue Produkt heißt V60-B, wird vom Label B & G angeboten und kostet ab 1.158,84 Euro. Neben dem AIS erhalten Käufer standardmäßig sämtliche Funktionen des Funkgeräts V60. Der Nutzen der Kombination liegt im ersten Schritt in einem handfesten Preisvorteil: Wer zwei separate Geräte gleicher Qualität für Funk und AIS-Nutzung von demselben Herstellers erwirbt, zahlt fast ein Viertel mehr.

Das V60-B wird von B&G in die mittlere Kategorie eingeordnet und richtet sich ausdrücklich an Kunden, die ihre Yacht nachträglich aufrüsten wollen. Dafür hat der Hersteller es in möglichst flacher Einbautiefe konstruiert. „Es ist für Cruising-Segler und den ambitionierten Regattasegler gebaut“, sagt Thorben Will, Key-Account-Manager und bei Navico für Serienwerften zuständig.

Das neue V60-B von B&G kombiniert Funksprechgerät mit AIS-Transceiver © B&G
So werden die AIS-Daten auf dem Display des Funkgeräts V60-B ausgespielt © B&G

Keine Rufe ins Nichts mehr

Was nützen die AIS-Angaben auf dem Schwarz-Weiß-Display eines Funkgeräts unter Deck? Denkbar ist die Situation, ein benachbartes Schiff per UKW zielgenau anzusprechen. Da AIS auch die Rufzeichen überträgt, lässt sich aus der Positionierung augenblicklich auf die Identität schließen – vorbei die unfreiwillig komischen Rufe ins Nichts à la „Hallo, hier Yacht xyz, sind Sie das da drüben mit dem grauen Rumpf auf Gegenkurs???“…

Doch wirklich sinnvoll wird AIS natürlich erst, wenn auch der Rudergänger von seiner Position einen schnellen Blick auf die Daten werfen kann. Und daher ist die Vernetzung mit anderen Bordgeräten bereits vorbereitet. „Das B&G V60-B kann problemlos in das B&G Bordsystem über NMEA 0183 und NMEA 2000 integriert werden“, sagt Will. So werden die AIS Informationen zum Beispiel zum Kartenplotter übertragen.

Beim automatischen Identifizierungs-System AIS werden Schiffsdaten gesendet und empfangen
Ein ganz normaler Tag im westlichen Kanal: Das AIS zeigt dichten Schiffsverkehr © privat

„Track Buddy“ für fünf Freunde

Besonders komfortabel: Die Funktion „Track Buddy“ – bis zu fünf Yachten von Freunden oder Regatta-Gegnern – lassen sich als fest installierte MMSI-Nummern über das AIS weltweit „verfolgen“. Diese Funktion eignet sich auch, wenn man beim Flotillensegeln oder im Verband unterwegs ist.

Im Standard ist ein Faustmikrofon dabei, das sowohl an der Vorderseite wie auch an der Hinterseite des Gerätes angeschlossen werden kann.

Dazu erworben können zwei kabellose Headsets für schnellen Zugang von überall an Bord. Sie sind auch für den bequemen Bordfunk untereinander geeignet – also Nachrichten-Übermittlung von der Plicht zum Bug, ohne schreien zu müssen. Gerade bei Hafenmanövern mit viel Publikum kann das sehr angenehm sein.

Außerdem gibt es einen Handmikro-Anschluss jeweils vorn und hinten am Gerät. Im „Navigation Mode“ zeigt V60-B per Knopfdruck Echtzeit-Daten der eigenen Yacht wie Geschwindigkeit und Kurs im Display an.

Wer Ruhe braucht, schaltet ab

Im übrigen lässt sich der Sender auch deaktivieren: Wer zum Beispiel angeln geht und dabei nicht getrackt werden möchte, wählt den „Silent Mode“ – und kann im wahrsten Sinne des Wortes abschalten.

Ernst wird es hingegen mit der MOB-Funktion: Fällt jemand über Bord, speichert das Gerät in diesem Modus automatisch die Position. V60-B gibt sogar die Ruderkommandos, wenn man die Position anschließend wieder erreichen will, um die Person aufzufischen.

Weiterer Schritt zur Geräte-Integration

Ist das ein weiterer Schritt zur eierlegenden Wollmilchsau, dem Alleskönner-Gerät für alles und jedes an Bord? Will: „Grundsätzlich wird die Integration ein immer wichtigerer Bestandteil unserer Arbeit und unserer Produkte. Dabei wird versucht, möglichst vielen Geräte, Funktionen und Bedienungen in einem Gerät zu bündeln.“ Das Stichwort lautet hier: Multi-Functional-Display. Doch ein Gerät für alle ist vorläufig ein ferner Zukunftstraum.

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