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Garmin inreach Das Seenot-Handy Garmin inReach ist auch mit der Smartwatch Quatix kompatibel © Charterbar Yachting
Seefunk mit Garmin inReach

Der Satelliten-Simser

Weltweite Kommunikation über Satellit war bisher sehr teuer. Mit inReach bietet Garmin jetzt eine günstige Light-Version – mit dem Wetter von morgen.

von
Roland Wildberg
in
5 Minuten

Auf See wird jeder Einhandsegler früher oder später wortkarg, und das ist kein Wunder: Es ist ja niemand da zum Schnacken. Und wenn schließlich das Kielschwein tief unten im Rumpf etwas erzählt, ist sowieso jede Hilfe zu spät. Garmin hat nun ein Kommunikationsgerät vorgestellt, das verstummten Seeleuten die Sprache zurückgibt: inReach. Und zwar weltweit.

In erster Linie ist Garmin inReach ein mobiler Notruf wie an Land e-Call oder das weltweite Seenot-Funksystem GMDSS. Auch inReach hat einen kleinen roten SOS-Knopf, den man hoffentlich nie drücken muss. Doch das System basiert nicht auf terrestrischen Funkwellen, sondern geht über Satellit. Es funktioniert somit auch weit weg von jeglicher Netzabdeckung. Dass dabei auch die GPS-Daten übermittelt werden, versteht sich von selbst.

Das SOS erreicht Menschen

Der Garmin-Service bietet aber mehr als Hilferufe. Einen Notruf funken ist hier keine Einbahnstraße. Wer auf den roten SOS-Knopf drückt, erhält umgehend die Bestätigung einer Notrufzentrale. Sie fragt auch Details und die Lage ab, koordiniert im Folgenden den Rettungseinsatz, betreut die Crew und alarmiert andere Dienste. Oder sie gibt auch die Leitung weiter. Nicht zu vergessen: Bei einem Fehlalarm erfolgt natürlich auch die Stornierung.

inReach
SOS ist keine Einbahnstraße, weil ... © Garmin
inReach
... das Rescue-Center adhoc antwortet © Garmin

„Als Einhandsegler ist ja die größte Gefahr, dass man allein ist und über Bord geht“, sagt Claus Aktoprak aus Hamburg. Der segelnde Filmemacher, der gerade beim float Originals Podcast über sein neues Projekt Die Nordmänner-Tour berichtete, wird selbst in Kürze mit Garmin inReach unterwegs sein.

Was die Technologie für ihn interessant macht: Bei konventionellen Notruf-Tools wisse man nicht, ob man überhaupt von jemandem bemerkt wird und Hilfe unterwegs sei. Anders ist es bei inReach, so Aktoprak: „Wenn ich in einer Gefahrensituation bin, vielleicht schon in der Rettungsinsel sitze, ist es beruhigend zu wissen, wann Hilfe naht.“

Garmin nutzt den Notrufdienst GEOS

Denn man hat es nicht mit einem sturen Bot, sondern mit lebenden Menschen zu tun: Die US-Firma GEOS Worldwide, erst im Januar 2021 von Garmin akquiriert, koordiniert 24 Stunden täglich an sieben Tagen in der Woche die Rettungseinsätze. Das läuft über das firmeneigene International Emergency Response Coordination Center, kurz IERCC.

Seit dem Start 2007 gingen dort mehr als 83.000 Notfall-Meldungen aus 198 Ländern ein. Darunter waren auch über 5.000 SOS-Notrufe von Garmin-Nutzern. Nach eigenen Angaben hat GEOS inzwischen mehr als 12.000 Menschen das Leben gerettet, auf der GEOS-Website sind zahlreiche Rettungsgeschichten nachzulesen.

InReach nutzt Iridium

Garmin InReach setzt auf Iridium auf, dem US-Kommunikationssystem aus 66 erdnahen Satelliten. Um den Service günstiger zu machen, wurde es erheblich verschlankt. Das Garmin-Produkt ermöglicht keine direkten Duplex-Gespräche, aber bis zu 160 Zeichen lange Textnachrichten. Und zwar von X zu Y – wie die klassische SMS. Je nach Tarif lassen sich beliebig viele Botschaften hin- und hersimsen, egal von wo oder wem sie geschickt wurden.

inReach
Der ehemalige Weltumsegler Jan Schäper mit Garmins inReach © Charterbar Yachting

Der Satelliten-Simser selbst ist so klein, dass er keine echte Tastatur hat – nur eine virtuelle auf dem Display. Zum komfortablen Schreiben lässt sich Garmin inReach mit dem Smartphone oder einer anderen digitalen Schreibmaschine per Micro-USB oder Bluetooth koppeln. Weil eine Notfall-Nachricht nicht schön formuliert werden muss, können maximal zwei vorfabrizierte Botschaften direkt vom inReach-Endgerät auf Knopfdruck versandt werden. Eine davon darf auch der abendliche Heimat-Gruß à la „Mir geht’s gut, mein Schatz“ sein. Oder was einem sonst so einfällt.

Nützliche Extras kommen dazu. Jeder Abonnent erhält täglich einen einfachen Wetterbericht mit 48-Stunden-Vorhersage. Gegen eine zusätzliche Gebühr gibt es einen Seewetterbericht. Der beinhaltet eine Sieben-Tage-Vorhersage inklusive Windgeschwindigkeit und Böen-Warnung, Angaben zur Wellenhöhe und -richtung sowie der aktuellen Sichtverhältnisse.

Akku bleibt ein Jahr aktiv

Überdies lässt sich ein automatisiertes Tracking einschalten. Das Gerät setzt dann alle zehn Minuten – oder wann immer seine Nutzerin oder sein Nutzer es wünscht – Wegepunkte, die es auch versendet. Diese Waypoints können zum Beispiel auf einer eigenen Homepage abgebildet werden und geben damit Freunden und der weltweiten Community, aber auch Rettern Aufschluss über den bisherigen Törnverlauf. Dabei hilft der starke Akku: Wer alle zehn Minuten Positionsdaten versenden möchte, kann das 90 Stunden lang tun. Erst dann ist der Saft alle.

Bleibt inReach ausgeschaltet, behält der Akku sogar ein ganzes Jahr genug Energie, um jederzeit zu arbeiten. Das Gerät passt in die (Rettungs-) Westentasche und wiegt nur 100 Gramm. Damit ist es so handlich, dass man es beim Baden mitnehmen könnte. Allerdings nicht dauerhaft: Einen Sturz ins Nasse verträgt Garmin inReach ebenso wie einen Regenschauer. Doch für permanentes Untertauchen empfiehlt sich ein wasserdichtes Behältnis. Das gibt es als Zubehör.

Garmin
Das 100 Gramm leichte Gerät ist kleiner als ein Handy © Garmin

Das Gerät selbst kostet 349,99 Euro. Doch damit geht es erst los. Für die Aktivierung zahlt man 34,99 Euro (beim Monatsvertrag) oder 39,99 Euro (Jahresvertrag). Anschließend läuft der Zähler: Pro Monat wird eine feste Gebühr berechnet, für zusätzliche Services fallen weitere Kosten an.

Für die absolute Top-Version laufen 720 Euro jährlich an Grundkosten auf. Dagegen ist die Seewetterabfrage mit 1,10 Euro pro 48-Stunden-Prognose als günstig zu bewerten. Doch wer nur ein paar Tage im Jahr die angestammte Bucht verlässt, hat mit inReach eine eher teure Notrakete an Bord.

Das kostet inReach (Beispiele)

TarifnameSafetyExpedition
Monatsgebühr19,99 Euro74,99 Euro
Jahresvertrag14,99 Euro54,99 Euro
SOSunbegrenztunbegrenzt
vordefinierte Nachrichtunbegrenztunbegrenzt
Standortabfrageje 0,10 Eurounbegrenzt
grundlegende Wetterdatenje 1 Nachrichtunbegrenzt
Seewetterje 1,10 Euroje 1,10 Euro
weitere Textnachrichtenje 0,55 Eurokostenlos

Tarifumstellung für 29,99 Euro

Fazit: Natürlich ersetzt inReach keine UKW-Seefunkanlage, deren Vorteil vor allem in der direkten Anruf-Kommunikation zwischen benachbarten Schiffen („Hallo Segelyacht Seekuh, sollen wir euch Bier kaltstellen? Over!“) oder Landzielen wie etwa dem Hafenmeister liegt. Aber durch die kompakten Abmessungen eignet es sich gut für Skipper, die bisher ohne Funk auskamen, nur selten große Törns machen und die teure Investition folglich bisher gescheut haben.

Garmin inReach
Zusatz-Dienste sind Wetterberichte und ... © Garmin
Garmin inReach
... GPS-Daten wie Tempo und Position © Garmin

Auch die Preisliste begünstigt dieses Modell: Für eine längere Reise lässt sich der Tarif von „Safety“ auf „Expedition“ umstellen. Nach der Rückkehr kehrt man wieder in die günstige Zone zurück. Diese Tarifumstellung kostet jeweils 29,99 Euro. Es wird deutlich: Man sollte anhand der Zahl der voraussichtlichen Seetage im Jahr gut kalkulieren, wann sich die Anschaffung lohnt.

Andererseits ist die Anwendung systembedingt nicht auf den Wassersport beschränkt: Auch Landgänge mit Bergtouren oder Dschungel-Wanderungen werden mit Garmins Gadget sicherer und kommunikativer. Wer mit dem Handy nur textet, könnte sogar ganz auf einen Mobilfunk-Vertrag verzichten und ausschließlich mit dem Garmin-Gerät simsen. Aber auf die Dauer wäre diese Art der Nachrichtenübermittlung dann wohl doch ein bisschen zu wortkarg – selbst für sprachlose Seeleute.

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