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Meeresroman, Petri Tamminen © mare
LESETIPP

Glückliches Kentern

Fünf Schiffe versenken und trotzdem das Gute sehen.

von in
2 Minuten

„Glück ist Glückssache.“ So sieht das auch der Finne Vilhelm Huurna, der Protagonist im „Meeresroman“ von Petri Tamminen. In diesem kleinen, charmanten und sehr schön aufgemachten Buch dürfen wir ihn begleiten auf seinem Weg, den nicht weniger als fünf Schiffsunglücke säumen, die er als Kapitän zu verantworten hat.

Ein Weg, der fremdbestimmt und zufällig ist, will der Protagonist doch wenig vom Leben – oder er weiß zumindest nicht, was er wollen könnte. So geht er, dem Rat der Mutter folgend, zur Seefahrtsschule. Er wird eins ums andere Mal ein Handelsschiff kommandieren, das eins ums andere Mal dem sprichwörtlichen Untergang geweiht ist. Stürme, Kollisionen, Seenot, Schiffbruch, Rettung, Heimfahrt – immer wieder, fünfmal in Summe. Vilhelm hat „lediglich gelernt, wie man von den großen Häfen mit dem Zug nach Hause fährt“. Aber doch viel mehr. Die kleinsten Begebenheiten erscheinen ihm bemerkenswert schön, die größten Unglücke könnten ja noch größer sein, weshalb sie dann doch nicht so schlimm sind.

Das Bemerkenswerte an diesem treffend betitelten „Meeresroman“ sind weniger die Erzählungen der Unglücke, sondern das Porträt eines Menschen, den Wehmut und Schmerz nie lange gefangen halten und der eine wunderbare, fast naive Einstellung zu Glück und vor allem Unglück hat. Der sich fragt, womit er sowohl Böses als auch Gutes eigentlich verdient. Der sich schämt, dann wieder doch nicht, und der von allem, was ihm passiert, überrascht ist. Am Ende seines Lebens sogar von diesem selbst.

Eine leise Erzählung, von der wir lernen können, dass leere Jutesäcke nicht nur als Fender zu gebrauchen sind.

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Petri Tamminen© Ville Juurikkala, Verlag

Meeresroman von Petri Tamminen, aus dem Finnischen übersetzt von Stefan Moster, 96 Seiten, 18 Euro
www.mare.de

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