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Norforeignland Viele virtuelle Freunde im Mittelmeer © Norforeignland
Social Network für Segler

Langzeittörn durchs Datenmeer

Foren für Bootsfahrer gibt es viele. Noforeignland geht als Social Network für Langzeitsegler einen Schritt weiter.

von
Sarah Pfeffer
in
5 Minuten

Das Facebook der Segler wollen viele sein. Und wirklich klingt die Idee eines virtuellen Treffpunkts für die Wassersportszene, vor allem der Blauwassersegler und Seebären, auf den ersten Blick reizvoll: ein globaler Online-Hafen, in dem sich Gleichgesinnte für Törns finden, wo alte Bekannte fürs kommende Frühjahr in einem fernen Erdteil ihren Wiedersehens-Ankerplatz bestimmen oder Deckskräfte nach Überfahrt-Möglichkeiten suchen, anstatt an irgendeinem gottverlassenen Steg per Pappschild auf sich aufmerksam zu machen.

In der Winterpause programmiert

Dass es nicht so einfach ist, zeigt die Realität: Viele ambitionierte Foren sind seit Jahrzehnten aus dem Stadium monochromer Text-Gebirge kaum hinausgekommen. Einen neuen Versuch hat 2017 der britische Langzeitsegler Steve Neal unternommen: Während der Winterliegezeit in der Marina di Ragusa auf Sizilien entwickelte er die Website noforeignland – anfangs nur als „Intranet“ für die Nachbarn.

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Steve und seine Partnerin Helen © noforeignland

Die Seite wurde häufig genutzt, und so öffnete Steve, der gemeinsam mit seiner Partnerin Helen seit Jahren auf der Yacht Amalia unterwegs ist, 2018 das Forum für alle. Steves Idee: Segler wollen nautische und persönliche Informationen, zum Beispiel über beliebte Ankerplätze, mit anderen Seglern teilen.

Icon zeigen Hurrikan-Holes

Das war Steves persönlicher Anspruch: Sie wollen ihre Freunde online auf dem Laufenden halten. Sie wollen Bekannten und befreundeten Seglern nicht nur mit ihrer Informationsplattform den Bordalltag erleichtern, sondern ihnen auch auf ihrer Reise online über Tracking folgen können. All das und noch viel mehr beinhaltet die Plattform. Macht das ein Facebook für Segler aus?

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Kombination aus der nautischen Karte von Navionics und Google Maps © noforeignland

Die Oberfläche ist eine Kombination aus der nautischen Karte der Garmin-Submarke Navionics und Google Maps. Darauf setzt Steve Neal kleine Icons für beliebte Yachthäfen, Hurrikan-Holes, Einkaufsstätten oder Ankerplätze. Doch der eigentliche Clou sind die beweglichen Icons: die Boote der Mitglieder. Wer will, lässt sich von der Website tracken. Dann zieht das Boot je nach Kurs sein Kielwasser auf der Karte.

Tipps vom User sind willkommen

Für die Anmeldung ist kein langer Registrierungsprozess vonnöten. Nutzer müssen lediglich einen Account anlegen, dann kann die Reise auch schon losgehen! Auch sein Boot kann man hier registrieren. Hat man die MMSI des eigenen Schiffs zur Hand, funktioniert der Rest sehr schnell und nahezu von ganz allein. Man kann auch einzelne Personen als Crew zum Boot hinzufügen.

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Auch das eigene Boot lässt sich registrieren © Noforeignland

Für solche, die auch schon mal gerne durch die sozialen Netzwerke segeln, kann man in seinem Profil den Link zur Facebook- oder YouTube-Seite einbinden. Den Link zur Spendenplattform Patreon, die momentan hauptsächlich von segelbegeisterten Amerikanern benutzt wird oder den Link zum bootseigenen Blog kann man ebenfalls einbinden, um sich mit all seinen Facetten auf dem Profil präsentieren zu können. Jeder registrierte Nutzer kann Tipps beitragen, die Steve nach nicht näher erläuterter Prüfung veröffentlicht.

Über 400 Treffer im Mittelmeer

Wie viele Yachties das Forum bisher nutzen, ist nicht ohne weiteres ersichtlich. Während derzeit rund um die Kanaren nur 14 Noforeignland-Mitglieder unterwegs sind, zeigt die Karte im Mittelmeer immerhin rund 400.

Von einem Schwarm zu sprechen, ist vielleicht noch zu früh. Andererseits deutet vieles darauf hin, dass man hier auf einen Schlag viele erfahrene und weit gereiste Segler antreffen kann, die zum Beispiel Törn-Tipps geben oder Wrack-Warnungen verbreiten.

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Rund 400 registrierte Boote sind im Mittelmeer unterwegs © noforeignland

Hinter der Kartenoberfläche mit den schlicht gehaltenen Icons befinden sich zahlreiche Foren, vom FKK-Spot „Naked Sailors & Naturists“ bis zu „Sailing4Families“. Hier endet die Teilhabe allerdings recht abrupt: In den Unterforen spielt sich nahezu nichts ab.

Bezahlmodell in zwei Stufen

Möglicherweise ändert sich das bald. Aus eigener Erfahrung als Langfahrtseglerin kann ich bestätigen, dass die Betreiber sehr viel Wert auf Richtigkeit legen und die eingetragenen Tipps überprüfen, damit eine verlässliche Datenbank entsteht. Man kann Informationen und Orte nach Typ filtern, Einträge bewerten oder Favoriten zu seinem Profil hinzufügen.

Alle Informationen und Funktionen, die diese Seite populär gemacht haben, will Steve weiterhin frei und für alle zugänglich anbieten. Aber natürlich kosten Server und die Bearbeitung der Website Geld – auch wenn zweifelsohne viel Herzblut in dem steckt, was die beiden Neals mit ihrer Community dort aufgebaut haben. Und woran sie auch immer noch Tag für Tag arbeiten.

Daher gibt es auch auf noforeignland ein zweistufiges Bezahlmodell über den Micro-Payment-Anbieter „Patreon“: Wer monatlich zwei US-Dollar überweist, kann in den Foren Beiträge posten. Wer den Service der Neals sogar fünf US-Dollar im Monat wert findet, bekommt weitere Ehren-Angebote wie zusätzliche Foto-Upload-Möglichkeiten und einen Hinweis auf seiner Boat-Page, der ihn als „Förderer“ auszeichnet.

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Bei einer Transat tracken lassen © noforeignland

Auch Atlantik-Tracking möglich

Außerdem wird dann Offshore-Tracking möglich gemacht für alle, die Iridium GO!, Iridium Satellite Phone Messaging, Garmin inReach und SSB/Pactor-Modems nutzen. Man kann sich auf diese Weise auch bei einer Atlantiküberquerung oder langen Passagen tracken lassen.

Alle nicht zahlenden Mitglieder können in ihrem Profil lediglich ein Bannerbild und vier Bilder hochladen. Weitere Funktionen sind noch in der Planung.

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Sind Geheimplätze bald Gemeinplätze? © Noforeignland

Privatsphäre am Ankerplatz?

Man kann ganz einfach mit seinem Boot über einen Check-in-Button an einem hinterlegten Platz auf der Karte einchecken oder man verbindet sein AIS mit der Seite, um seine Position auf der Karte zu tracken. So wird man im Datenmeer gefunden. Alle Daten, die man einspeist, sind öffentlich.

Ob ein Social Network für Segler ein Fluch oder ein Segen ist – das muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Betreiber der Seite finden, dass es ein weiterer Nutzen ist, anderen Booten virtuell folgen zu können. Im Vergleich zu Marine-Traffic, wo man kostenlos nur einer begrenzten Zahl an Booten folgen kann, kann man bei Noforeignland die Bewegungen sämtlicher Mitglieder überwachen – so sie auf dem Portal registriert sind.

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Offenes Buch für Diebe © Noforeignland

Auch Diebe könnten gucken

Manche finden es klasse, wenn man sieht, wer gerade um einen herum ankert. Oder Freunde und Verwandte zu Hause sehen können, wo man sich gerade befindet. Aber man sollte sich Gedanken darüber machen, wie viel man preisgeben will, ob man sein Boot an einem Punkt eincheckt, sein AIS verbindet oder sein Profil mit Blog, Social-Media-Kanälen und Bildern bestückt, denn mit vielen hinterlegten Informationen kann man schnell zum gläsernen Segler im Datenmeer werden. Oder zum Diebstahls-Opfer, denn  auch Menschen mit weniger guten Absichten könnten sehen, dass man gerade nicht an Bord befindet.

Wie alles, hat also auch eine Community-Website vor und Nachteile. Viele Liveaboards benutzen es, um befreundeten Seglern zu folgen. Oder sie verabreden sich mit jemandem in der Nähe auf ein Bierchen zum Sonnenuntergang oder einen gemeinsamen Törn.

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