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Epoxidharz Entropy

Mehr Bio im Epoxy

Das nachhaltig konzipierte Epoxidharz Entropy macht den Bootsbau umweltfreundlicher. Seit kurzem ist es in Europa erhältlich.

von
Tommy Loewe
in
4 Minuten

Der Andrang war groß, als die Deutsche Meeres-Stiftung und die Prince Albert II Foundation auf der boot Düsseldorf ihre Initiative „Love your Ocean“ präsentierten. Hier gab es viel über den Schutz unserer Meere durch so bekannte Meeres-Aktivisten wie Emily Penn und Pierre-Yves Cousteau zu erfahren – und einiges über nachhaltige Ansätze im Bootsbau zu entdecken. Im Ausstellungsbereich „Green Innovation“ wurden nachhaltige Produktentwicklungen und umweltfreundliche Bootsbaumaterialien vorgestellt – wie die nachhaltig konzipierte Epoxidharz-Reihe Entropy.

Epoxidharze sind schon seit den 1980er-Jahren aus dem Bootsbau nicht mehr wegzudenken. Sie werden benutzt als Kleber, zum Laminieren und zum Verstärken von Flächen mit Glasfasergewebe, aber auch als Material zum Verspachteln und Verfüllen. In vielen Anwendungsbereichen hat Epoxidharz die preiswerteren Polyesterharze als Außenhaut abgelöst. Denn der Werkstoff bringt bessere Eigenschaften für die Verwendung im Bootsbau mit.

Epoxidharz kann sich mit vielen verschiedenen Materialien vollständig verbinden. Und es härtet absolut glatt und schlagfest aus, ohne zu schrumpfen. Dadurch hat es wesentlich bessere Haft- und Klebeeigenschaften. Epoxidharz schützt Metallteile vor Rost und Holz vor Verrottung. Dabei hat es eine höhere Wasserlösebeständigkeit als Polyesterharz und ist so in der Verarbeitung mit GFK weitaus resistenter gegenüber Osmose. Anders als Polyesterharz kommt Epoxy beim Abbinden auch ohne das schädliche Lösungsmittel Styrol und die damit verbundene Geruchsbeeinträchtigung aus.

Entropy Epoxidharz
Entropy im Einsatz mit Flachsfasergelege © von der Linden

Bei den heute hergestellten Epoxidharz-Produkten ist das speziell für den Bootsbau entwickelte West System Harz der Firma Wessex sehr bekannt und beliebt. Jürgen Kaiser beispielsweise verwendet es für seine Boote. Seit letztem Jahr gehört nun auch die nachhaltig konzipierte Epoxidharz-Produktreihe Entropy zum Portfolio des West-System-Importeurs M.u.H. von der Linden aus Wesel.

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Zwei Surfer als Innovatoren

Entwickelt wurde Entropy von einem surfenden Brüderpaar in Kalifornien. Desi und Ray Banatao brachten 2010 unter dem Namen Entropy One ein Laminierharz auf den Markt. Dabei wurden bis zu 25 % der sonst aus Mineralölen gewonnenen Bestandteile durch bio-basierte Materialien ersetzt, ohne irgendwelche Einbußen bei den technischen Eigenschaften hinnehmen zu müssen.

Die Banatao-Brüder, ihres Zeichens Materialwissenschaftler mit Abschlüssen der Universitäten Berkeley und Los Angeles, konnten so die Klimabilanz für die Produktion des Harzes entscheidend verbessern. Gegenüber den herkömmlichen Kunstharzprodukten auf Mineralölbasis fällt der so genannte „Carbon Footprint“, also der Gesamtbetrag von Kohlenstoffdioxid-Emissionen, um ein Drittel geringer aus. Dadurch, dass nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz kommen, wird weniger Kohlenstoff freigesetzt, der in der Erde gebunden ist, wie beispielsweise in Erdöl.

Entropy Epoxidharz
Entropy: breite Produktpalette © von der Linden

Zudem werden für die Herstellung von Entropy-Produkten keine pflanzlichen Materialien verwendet, die landwirschaftliche Anbauflächen beanspruchen. Stattdessen kommen biochemisch aufbereitete Neben- und Abfallprodukte zum Einsatz, die pflanzlichen Ursprungs sind. Solche Substanzen fallen zum Beispiel bei der Produktion von Biodiesel an.

Bei unzähligen Surfboards getestet

Zunächst wurde das neue Harz beim Bau unzähliger Surfboards, Snowboards und Kiteboards getestet, bevor es zuletzt den Weg in den konventionellen Yachtbau fand. Unter anderen hat auch der Schleswiger Segelmacher, Strand- und Eissegler Sven Kraja von Frogsails die Entropy-Serie für den Bau eines Surfboards verwendet und für gut befunden.

Entropy Epoxidharz
CCR kommt bei den Rivertables zum Einsatz © von der Linden


Doch nicht nur im Wassersport hat das Entropy-One-Epoxy seinen Platz. Mit dem Produkt Clear Casting Resin (CCR) aus der Entropy-Produktreihe lassen sich glasklare Eingüsse herstellen. Im Möbelbau kommt der Werkstoff zum Beispiel bei den so genannten „River Tables“ zur Anwendung. Das sind, meist wunderschöne, Einzelstücke aus Holz, Harz und Metall. Die Surfer benutzen das optisch bläulich aufgehellte BRT (Britghtened). Für den Überzug alter Holzrümpfe taugt das CLR (Clear) Harz am besten.

Alle Nutzer der Entropy-Epoxidharze können sich über ein ausgesprochen langlebiges Material freuen. Es lässt sich zunächst risikolos verarbeiten, dann ohne Gefahr für die Umwelt nutzen und am Ende vergleichsweise schadstofffrei entsorgen. Gute Epoxidharze geben keine Schadstoffe ins Wasser oder in die Luft ab, wenn sie richtig gemischt wurden und vollständig ausgehärtet sind.

Bei der Verarbeitung in der flüssigen Phase werden zwar geringe Mengen flüchtig und verdunsten. Das ist jedoch im Fall von Entropy sehr wenig, so dass man kleinere Mengen ohne besondere Vorsichtsmaßnahmen verarbeiten kann. Bei einem professionellem Einsatz mit größeren Bauteilen sollte vorsichtshalber in einer gut belüfteten Werkstatt und gegebenenfalls mit persönlichem Atemschutz gearbeitet werden.

Entropy Epoxidharz
Verarbeitbar ohne besondere Vorkehrungen © von der Linden

Einfache Entsorgung

Am Ende seiner Nutzbarkeit lässt sich Epoxidharz in Müllverbrennungsanlagen entsorgen. Wie bei allen Verbrennungsprozessen wird dabei ein Anteil an CO2 freigesetzt, aber andere giftige Rückstände fallen nicht an. Um auch hier den Carbon Footprint weiter zu verbessern, wird derzeit an einer Methode gearbeitet, um Harz und Härter nach Jahren des Gebrauchs wieder von den verarbeiteten Glas- oder Kohlefasern zu trennen. Damit wäre das Material recyclingfähig: Beispielsweise ließe sich neues thermoplastisches Material aus den alten Entropy-Komponenten herstellen.

In unserer Zeit, in der Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit und Recycling dringend mehr Bedeutung beigemessen werden muss, spielt jedes einzelne Produkt eine Rolle, das in dieser Richtung Verbesserungen erzielt. Sandwichkerne aus recycelten Plastikflaschen, Flachsfaserverbundstoffe oder Kork als Decksmaterial und die Verwendung schnell nachwachsender Hölzer – die Wege, die nachhaltig denkende Bootsbauer gehen, führen über Recycling zur Verwendung nachhaltiger Werkstoffe.

Was beim Thema Nachhaltigkeit im Wassersport nicht unterschätzt werden sollte, ist die Langlebigkeit alter Yachten. Je länger die Lebensdauer einer Yacht, sei sie aus GFK oder aus Holz gefertigt, desto besser ist auch ihr CO2-Fußabdruck. Wer die Lebensdauer seines Bootes umweltfreundlich verlängern möchte, findet die Entropy-Produkte in kleinen Gebinden zu normalen Epoxy-Preisen im Fachhandel. Die Familie von der Linden und die Banatao-Brüder sind auf dem richtigen Weg.

Der Produktname Entropy enthält übrigens ein Wortspiel: Entropie ist ein Begriff aus dem griechischen und bedeutet Transformation. In der Physik bezeichnet er einen thermodynamischen Zustand.

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