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Der Zweimaster Astral der NGO Open Arms rettet Migranten im Mittelmeer © Open Arms Der Zweimaster Astral der NGO Open Arms rettet Migranten im Mittelmeer © Open Arms
Seenotretter Open Arms

Neues Radar für private Seenotretter

Die Seenotretter von Open Arms aus Spanien bekamen erst ein Schiff, jetzt wurde ihn die Radarausrüstung geschenkt.

von
Roland Wildberg
in
3 Minuten

Sie kämpfen bei Open Arms aus Spanien täglich um Menschenleben – so wie die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Doch anders als die DGzRS, die in Nord- und Ostsee unterwegs sind, werden die Freiwilligen, die im Mittelmeer Migranten auffischen, nicht durch große Spendenkampagnen oder das kleine Spendenschiffchen der Seenotretter unterstützt.

Die spanische Rettungsorganisation Open Arms bekam jetzt eine Spende von unerwarteter Stelle. Die Crew der Segelyacht „Astral“, die im östlichen Mittelmeer im Einsatz ist, navigiert ab sofort mit einem modernen Pulskompressionsradar des Typs Halo 24 des Marine-Elektronikherstellers Simrad.

Außerdem rüstete die Tochter des norwegischen Navico-Konzerns den Zweimaster mit neuem Kartenplotter, einem Funkgerät und AIS-Transponder aus. Doch das war nicht das einzige Geschenk in der Geschichte von Open Arms.

Der Zweimaster Astral der NGO Open Arms rettet Migranten im Mittelmeer
Am Steuerstand der Astral kommen die Radardaten aufs Display © Open Arms

International anerkannte Retter

Open Arms wurde vor fünf Jahren in Barcelona von Oscar Camps gegründet. Der Katalane hatte zuvor mehr als zehn Jahre lang eine private Organisation zur Wasserrettung an spanischen Stränden geleitet. Als 2015 die Bilder von ertrunkenen Flüchtlingskindern an griechischen Stränden um die Welt gingen, beschloss er, vor Ort Leben zu retten. Freunde und Mitarbeiter folgten ihm.

Anfangs halfen Camps und seine Helfer den Ankömmlingen aus der Türkei, von den Booten vor dem Strand sicher an Land zu gelangen. Im darauffolgenden Jahr konnten sie ihre Aktivitäten ausdehnen: Der Granadiner Unternehmer Livio Lo Monaco, in Spanien reich geworden mit Latexmatratzen und Deko-Artikeln, schenkte ihnen sein 30-Meter-Segelschiff „Astral“.

Der Zweimaster Astral der NGO Open Arms rettet Migranten im Mittelmeer
Die Astral hat die NGO ebenfalls als Geschenk bekommen © Open Arms

Inzwischen hat Open Arms eine kleine Flotte von drei Rettungsschiffen, die ständig im östlichen Mittelmeer kreuzen. Von der Weltorganisation der Lebensretter (der auch die deutsche DGzRS angehört) wurde das Team 2016 mit ihrem neuem H.E.R.O.-Preis für eine besonders gelungene Lebensrettungs-Aktion ausgezeichnet. Anlass war die Bergung von 350 Flüchtlingen im Herbst des Vorjahres vor Lesbos, als deren überfülltes Holzschiff im Sturm teilweise zerbrach und anschließend kenterte.

Ins Wasser gesprungen

Seitdem ist Open Arms unablässig im Einsatz. Zuletzt berichteten die Medien vor wenigen Tagen über den ehemaligen Schlepper „Open Arms“, das zweitgrößte Schiff der spanischen Lebensretter. Mit mehr als 280 Migranten an Bord saß es tagelang im Hafen von Palermo fest. Zuvor hatte die Crew bereits versucht, auf Malta anzulanden – doch die Inselrepublik wollte nur einen Teil der Flüchtenden aufnehmen.

Die Lebensmittel wurden knapp, die Stimmung auf dem überfüllten Schiff war laut dem Kapitän „äußerst angespannt“. Das gelobte Land direkt vor der Nase, versuchten einige der Passagiere schließlich sogar, den sizilianischen Hafen schwimmend zu erreichen und mussten ein zweites Mal gerettet werden.

Inzwischen hat sich die Situation offenbar entspannt: Ein italienisches Gericht ordnete an, dass die Flüchtlinge an Land dürfen. Für die Besatzung der Open Arms ist die Sache aber noch nicht ausgestanden: Sie müssen noch die zweiwöchige Quarantäne im Hafen ausharren, bevor sie wieder auf Rettungs-Expedition gehen können.

15.000 Schiffbrüchige

Die 50 Jahre alte Astral hat in den vergangenen vier Jahren im Einsatz für Open Arms bereits rund 15.000 Leben gerettet. Und das elektronische Update ist mehr als Greenwashing: „Dank Simrad konnten wir die Elektronikgeräte der Astral und einiger der Festrumpfschlauchboote verbessern“, sagt Gerard Canals, der Einsatzleiter der Rettungsorganisation. Mit dem Halo24-Radar ist ein Schiffsführer in der Lage, sein Umfeld gleichzeitig im Nah- und Fernbereich zu beobachten.

Der Zweimaster Astral der NGO Open Arms rettet Migranten im Mittelmeer
Auch die Schlauchis von Open Arms fahren mit Radar © Open Arms

Das Gerät kann Objekte in bis zu anderthalb Seemeilen Entfernung rund um das Boot auf den Schirm bringen. Da die Antenne sich dabei 60-mal pro Minute dreht, sind Informationen nahezu in Echtzeit verfügbar. Das erleichtert Manöver – zum Beispiel bei Kollisionskursen – und erhöht damit die Sicherheit erheblich. Halo24 hat eine Reichweite von bis zu 48 Seemeilen: Im Dual-Range-Modus lassen sich parallel zum Nahbereich auch Objekte in weiter Ferne, etwa Schlechtwetterfronten, beobachten. An der weltpolitischen Wetterlage kann das nur langfristig etwas ändern.

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