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Die Antenne von Cyclone verkraftet bis zu 100 Knoten Windgeschwindigkeit © Raymarine Die Antenne von Cyclone verkraftet bis zu 100 Knoten Windgeschwindigkeit © Raymarine
Navigationstechnik

Kabeljau auf Kollisionskurs

Das neue Raymarine-Radar Cyclone will in vielem besser sein. Besonders gut eignet es sich, um Meerestieren nachzuspüren.

von
Roland Wildberg
in
3 Minuten

Wer mehr Sicherheit und Komfort auf dem Wasser wünscht, sollte dieses Radar auf dem Schirm haben. „Cyclone“ kann sogar zur Vogelbeobachtung und zum Aufspüren von Fischen dienen. Das neue High-End-Gerät von Raymarine hat dafür einen „Vogel-Modus“. Mit dieser Funktion lässt sich die Messung so einstellen, dass Vogelschwärme über dem Wasser erkannt werden.

Natürlich richtet sich das jüngste Produkt des Spezialisten für Navigationstechnik, Tochter des US-Konzerns Flir, nicht explizit an Ornithologen. Während der Online-Präsentation erklärte James McGowan von Raymarine: „Seevögel, hungrig wie sie nun mal sind, sammeln sich über Regionen, wo sie Beute finden.“ Ein Schwarm von Möwen oder Seeschwalben über dem Wasser deutet folglich auf einen Schwarm Fische darunter hin.

Wer also unterwegs den Vogel-Modus einschaltet, gelangt somit schneller zu fischreichen Meeresregionen, um dort die Angel auszuwerfen. Sogar kleinere Vogelschwärme kann das Radar identifizieren. Möglich macht es eine Kombination aus Radarverstärkung und Wellenreflexion.

Dieses raffinierte Hilfsmittel für die private – oder auch gewerbliche – Fischerei stellt jedoch nur die Kirsche auf der Sahne dar – das Gerät kann noch viel mehr. Laut Raymarine ist Cyclone in wesentlichen Eigenschaften seinen Mitbewerbern überlegen.

Zugleich Nah- und Fernziele anpeilen

Dazu gehört insbesondere die Auflösung: Eine Technologie, die Raymarine „Strahlschärfung“ nennt, führt zu sehr präzisen und detaillierten Radarbildern. Wo andere Geräte nur verwischte Wolken zu bieten haben, bilden bei Cyclone die Echos präzise Strukturen, zeigt das Radar sogar einzelne Schiffsrümpfe und Gebäude an Land an. Hinzu kommt die „Rangefusion“-Technologie. Damit kann das Cyclone-Radar zugleich Fernziele in bis zu 96 Seemeilen und Nahziele in unmittelbarer Nachbarschaft abtasten und registrieren.

Neues Radar Cyclone von Raymarine
Im Vogel-Modus werden die Echos von Seevögeln grün unterlegt (hier südlich vom Boot) © Raymarine

Mehr Sicherheit verspricht auch die „Doppler-Objekt-Verfolgung“ (Doppler Target Tracking). Sie nutzt den Doppler-Effekt, bekannt aus der Astronomie: Dieses physikalische Phänomen bezeichnet die Veränderung von Wellen abhängig davon, ob sich ein Objekt, von dem sie ausgehen oder reflektiert werden, auf ein anderes zu- oder davon wegbewegt. So war es erstmals möglich, nachzuweisen, dass das Universum sich permanent ausdehnt. Der Doppler-Effekt tritt bei jeder Form von Wellen auf, also auch bei den Funkwellen eines Radars.

Mit Doppler-Objekt-Verfolgung lässt sich also feststellen, ob ein Boot fest verankert ist, ob es sich von mir weg (ungefährlich) oder aber in meine Richtung bewegt (gefährlich). Cyclone färbt die ungefährlichen Objekte grün, die gefährlichen rot. Was unbewegt ist, bleibt weiß. Ist diese Funktion aktiviert, lassen sich bis zu 50 Radarechos bestimmen – also kann man nötigenfalls eine ganze Flotte observieren.

Hält bis zu 100 Knoten Wind aus

Auch die Robustheit von Cyclone ist bemerkenswert: Raymarine garantiert, dass sein Produkt Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Knoten aushält. „Man mag sich fragen, wer bei so einem Wetter noch hinausfährt“, sagt James McGovan von Raymarine.

Neues Radar Cyclone von Raymarine
Die Doppler-Objekt-Verfolgung zeigt auf dem Radarschirm, ob sich Boote nähern oder entfernen © Raymarine

Doch da sich das Produkt insbesondere an Powerboat-Eigner richtet, kann heftiger Wind auch zum Teil bereits durch die schnelle Fahrt selbst entstehen. Trifft ein derart beschleunigtes Boot auf eine entgegenkommende Böe, gelangt Cyclone leicht in den Grenzbereich. Dazu passt auch das Design: Die Cyclone-Antenne orientiert sich an einer Flugzeugtragfläche. Zugeständnisse an die Aerodynamik dienen indes nicht nur dem guten Aussehen, denn sie rotiert mit einer Geschwindigkeit von 60 Umdrehungen pro Minute.

„Wir wollten über die Grenzen dessen hinausgehen, was bisher für eine so wichtige Systemkomponente möglich war“, zitiert die Pressemitteilung Gregoire Outters, Geschäftsführer von Raymarine. Das System wiegt lediglich 23 Kilogramm. Es ist mit jedem Raymarine-Multifunktionsdisplay der Modellreihen Axiom, Axiom+, Axiom Pro und Axiom XL kombinierbar.

Neues Radar Cyclone von Raymarine
Die Auflösung ist so präzise, dass sogar einzelne Yachten in ihren Boxen (links) zu erkennen sind © Raymarine

Cyclone liegt im oberen Preisbereich und richtet sich an „stilbewusste Skipper“, speziell im Angel- und Powerboot-Sektor. Es gibt das auch online präsentierte Hochleistungsgerät in einfacher Ausführung mit 55 Watt Leistung. Dann hat es eine Reichweite von bis zu 72 Seemeilen und kostet ab 6.495 Euro. Die Ausführung „Pro“ mit der doppelten Leistung tastet bis zu 96 Seemeilen im Umkreis ab und kostet ab 7.995 Euro.

Erstmals dem Publikum vorgestellt wird Cyclone derzeit auf der Fort Lauderdale International Boat Show in 
Florida.

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