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SBFS App © Kerstin Zillmer
Smartphone-Apps

Lernkarten-App für den Seeschein

Eine Führerschein-App, die aufs Langzeitgedächtnis zielt. Und keine Daten sammelt.

Thomas Stasch
von in
3 Minuten | 2 Kommentare

Es war ein Donnerstagabend, als ich mir ins Gedächtnis gerufen habe, dass schon ewig keine App-Vorstellung mehr für float geschrieben habe. Also habe ich mich flink auf die Suche gemacht und bin über ein Trainingsprogramm für Sportbootscheine gestolpert. Ja, ich weiß: Das klingt auf den ersten Blick nicht spannend, aber wie ist es denn in der Praxis? Man beschließt aus irgendwelchen Gründen – persönliches Interesse am Wasser, verlorene Wette – den Sportbootschein zu machen. Der nächste Weg führt im Zweifel zu einer Sportbootschule. Dort absolviert man einen umfangreichen Theorieteil, erwirbt zuvor das empfohlene Lehrbuch und freut sich, wenn man dann endlich mal an das Ruder eines Bootes darf. Und dann ist da noch diese Prüfung. Kann da nicht eine Bootsführerschein Android App helfen?

Das Kärtchen-Prinzip

Lassen wir mal die Praxis mal unberücksichtigt und schauen nur auf die Theorie: Entweder nimmt man sich die Fragenkataloge immer wieder vor und liest – und liest und liest. Oder man ist komplett old fashioned und schreibt sich die Fragen auf Kärtchen, mit denen man prima wiederholen kann, beispielsweise auf der Fahrt mit dem öffentlichen Personennahverkehr zur Arbeit.

Genau an dieser Stelle setzt der Sportboot-See-Trainer an. Diese Android-App ist eine persönliche Lernhilfe. Die Umsetzung des Lernkärtchen-Prinzips ist einfach und effektiv. Man wird in zufälliger Reihenfolge mit den Prüfungsfragen für den Sportbootschein See konfrontiert. Mit Multiple-Choice muss man sich jeweils für eine Antwort entscheiden, so wie in der echten Prüfung.

Sportboot-See-Trainer

Dies ist nicht nur die Flagge Österreichs © Kerstin Zillmer

Der Unterschied hier ist: Macht man einen Fehler, bekommt man es sofort „gesagt“ und fällt auch nicht durch, wenn es am Anfang noch zu viele Fehler sind. Das Ziel der Android-App ist es, dass der Nutzer jede Frage insgesamt fünf Mal richtig beantwortet. Bei falschen Antworten wird die korrekte Antwort unmittelbar angezeigt. Hierdurch kann man sich selbst mit den Antwortmöglichkeiten und der richtigen Variante auseinandersetzen.

Ins Langzeitgedächtnis bimsen

Die App ist so programmiert, dass die Fragen in einer gewissen „Unordnung“ kommen. So wird sichergestellt, dass eine Antwort nicht nur im Kurzzeitgedächtnis ist, sondern ins Langzeitwissen übergeht und man sicher die korrekte Antwort kennt. Über ein Statistikfenster kann der Nutzer selbst seinen Lernfortschritt überprüfen.

Was mir persönlich sehr positiv an der App aufgefallen ist, ist die Tatsache, der dass der Entwickler keine besonderen Berechtigungen einfordert. Wir hatten hier mal über eine Kompass-App berichtet, die Zugriff auf die Kamera, Kontakte, alle Inhalte des Speichers und vollen Internetzugang haben wollte, nur um Norden anzuzeigen. Das ist hier anders. Die Sportboot-See-Trainer-App ist dazu auch noch kosten- und werbefrei. Darüber hinaus ist der Quelltext auf GitHub veröffentlicht, was Hintertürchen sichtbar machen würde. Aus Sicht des float-Magazins kann man dazu nur sagen: Daumen hoch!

Seekarte

Die Arbeit mit echten Karten bleibt analog © Richard Tilney Bassett

Eine App, die keine Daten sammelt

Der Entwickler Matthias Wimmer bietet neben dieser App noch weitere Lern-Anwendungen für den Sportbootschein Binnen, den Sportküstenschifferschein, das UKW-Sprechfunkzeugnis UBI und das beschränkt gültige Funkbetriebszeugnis SRC und LRC an. Die Apps hat der Programmierer ursprünglich für sich selbst zum Üben entwickelt. Da er sich dachte, dass sie auch für andere nützlich sein können, hat er sie in den App Store geladen.

Geld verdienen stand dabei für den Münchner Entwickler nie im Fokus. Für Nerds: Der Ursprung der Apps ist bereits recht alt: Matthias hatte sie mal als Java-App für Nokia-Handys entwickelt. „Weitere Apps sind im Moment nicht geplant.“ sagt er. float sagt: Danke, Matthias, für diese schöne Lernunterstützung.

Sportboot-See-Trainer für Andoid (ab Version 2.1) im Google Playstore

Bewertung: 4,7/5,0
Version: 1.6.0
Installationen: mehr als 50.000

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2 Kommentare

Detlef /

Dass kein Zugriff auf die Kamera usw. gefordert wird, hätte ich jetzt mal standardmäßig bei seriösen Apps vorausgesetzt. Was mir aber noch bei div. Apps, Büchern, Websites usw. während etlicher eigener maritime Prüfungen aufgefallen ist:

Das meiste Lernmaterial ist von der Vermittlung her einfach Schrott! Das ist ja noch keine Neuheit, mir den Fragenkatalog in der 100. Karteikarten-App vorzublättern. Mir ist auch nicht damit geholfen, dass eine App null Euro kostet statt 5 Euro. Was dagegen immer wieder fehlt, sind hilfreiche Hinweise, WARUM eine bestimmte Antwort richtig ist – dann was ich *verstanden* habe, brauche ich mir gar nicht mehr zu *merken*! Richtig „toll“ sind dann ja die Bücher/Apps, die mir als Erklärung nochmal die richtige Antwort mit umgestelltem Satzbau anbieten, statt einer Merkhilfe. Oder die aus dem legendären Seebärleben des Autoren referieren ….

Hilfreich wären also fokussierte Erklärungen je Frage, wie z.B., dass bestimmte Meldungen im Funkverkehr wieder aufgehoben werden müssen, weil die Berufsschifffahrt diese dokumentieren muss, Zifferblatt-Analogie bei den Taktungen von Kardinaltonnen usw.

Denn was will ich isoliert mit der App: ich will kein toller Segler oder Funker werden (das lernt man zusätzlich anderswo), sondern jetzt diese verd… Prüfung bestehen.

Antwort

Hallo Detlef,
vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Was Du Dir wünscht ist eine App zum Lernen des Stoffes im Sinne von Verstehen und Wissensvermittlung. Diesen Anspruch hat die App nicht.
Zum Lernen und Verstehen des Stoffes sollte man im Zweifelsfall eine Sportbootschule besuchen. Hier kann man dann auch direkte Fragen mit dem Trainier klären.
Die vorgestellte App ist die Unterstützung der Prüfungsvorbereitung. Sie setzt voraus, dass man sich mit dem Stoff bereits beschäftigt hat und nun lediglich prüfungssicher werden möchte. Man kann sich das so vorstellen, wie man sich früher (in meiner Jugend) noch Übungskartei-Karten geschrieben hat, um Themen zu wiederholen.
Schöne Grüße
Thomas

Antwort

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