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© Teikei
Teikei Kaffee vom Frachtsegler

Coffee to sail

Teikei heißt der Kaffee, den der Frachtsegler Avontuur von Mexiko nach Hamburg bringt: Ökologisch angebaut und fair gehandelt direkt zum Verbraucher.

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5 Minuten

„Hammer!“ ist das erste Wort von Marlon Rommel, als ich ihm sage, dass wir über sein Projekt Teikei Coffee auf float schreiben wollen. Der knapp zwei Meter große junge Mann mit strahlend weißen Zähnen und einem Dutt auf dem Kopf wirkt eher wie ein freundlicher Hipster als ein Früher-war-alles-besser-Öko. Die Idee, in die der Student der Umweltwissenschaften all seine Zeit steckt, geht zurück zum Ursprünglichen. Eben weil vielleicht früher doch einiges gut war.

Teikei Kaffee
Marlon Rommel ist einer der Aktivisten bei Teikei © Teikei

Teikei Coffee überträgt das Konzept der gemeinschaftlich getragenen Landwirtschaft auf den globalen Handel. Jetzt noch mal in sexy: Bester Kaffee, bald bio-zertifiziert, von korrekt bezahlten Kaffeebauern in Mexiko wird nachhaltig per Frachtsegler nach Deutschland verschifft. Die Idee dabei ist, eine solidarische Gemeinschaft aufzubauen, die direkt und ohne Zwischenhändler den Kaffeeanbau finanziert. Das zusammen mit dem Gedanken, den Ablauf so umweltschonend wie möglich zu gestalten.

Gesegelter Kaffee im Jahresabo

Teikei ist japanisch und bedeutet Zusammenarbeit. Deshalb wählte 2016 der Gründer Hermann Pohlmann (65) diesen Namen und startete zwei Jahre später mit seinem Team eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne. Seitdem arbeiten viele engagierte Menschen, verteilt in der gesamten Bundesrepublik und der Schweiz, zusammen daran, andere davon zu überzeugen, Teil ihrer Gemeinschaft zu werden und Teikei-Kaffee im Jahres-Abo zu beziehen.

Teikei Kaffee
Ein fairer und nachhaltiger Wirtschaftskreislauf © Teikei

Die Organisation hat mittlerweile 400 Mitglieder. Man kennt sich, und das ist der entscheidende Punkt. Die Konsumenten kennen die Initiatoren, die den Kaffee verkaufen. Sie kennen die Bauern, die den Kaffee ernten. Kennen die Crew an Bord des Frachtsegelschiffs, die den Kaffee nach Deutschland segelt. Sie kennen den Röster, der den Kaffee verarbeitet und so weiter.

Damit ist diese Handelskette kleiner und vertrauter als die übliche anonyme Wertschöpfungskette, die ein Produkt im Supermarkt hervorbringt. Und von dem die Käufer nur schwer erkennen können, wer hier wie produziert und wer daran tatsächlich verdient.

  • Teikei KaffeeHermann Pohlmann (2.v.l.) mit Kaffeebauern in Mexiko © Teikei
  • Teikei KaffeeKaffeebeeren vor ... © Teikei
  • Teikei Kaffee... und nach der Ernte © Luca Windolph/Teikei
  • Teikei KaffeeKaffeebohnen werden handverlesen ... © Teikei
  • Teikei Kaffee... und getrocknet © Teikei
  • Teikei KaffeeDer Kaffee wird verkostet © Luca Windolph/Teikei

Elf Tonnen Kaffee auf der ersten Reise

Genau wie das Frachtsegeln sind auch die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) und diese Art des Handels im Prinzip keine neue Idee. Aber in einer Welt, die immer größer und anonymer wird, sehnen sich viele nach Nähe. „Zurückblicken, um nach vorne schauen zu können“ ist wohl die Strategie, die hier aufgeht.

Es ist deshalb kaum verwunderlich, dass sich die SoLaWi-Gruppe um Hermann Pohlmann schnell mit der Reederei Timbercoast und ihrem fast hundert Jahre alten Frachtsegelschiff Avontuur traf, um die Kaffeesäcke klimafreundlich per Windkraft zu transportieren. Auf der ersten Reise gingen 11 Tonnen Kaffeebohnen von Mexiko an Bord. In diesem Jahr werden 20 Tonnen nach Hamburg transportiert, und nächstes Jahr sollen es noch mehr werden.

Teikei Kaffee
Auf der Avontuur: Kaffee wird in Jutesäcken gestaut © Marco Bernhard/Timbercoast

Die Nachfrage ist da, und deshalb spinnen Marlon Rommel und sein Team weiter: „Beim Kaffee soll es nicht bleiben. In der Zukunft wollen wir auch Kakao, Tee oder Gewürze in das Teikei-Sortiment mit aufnehmen.“ Diese Art von fairer und nachhaltiger Produktion und Logistik hat natürlich auch ihren Preis. So kostet ein Kilogramm Teikei-Kaffee 30 Euro für den Verbraucher. „Kaffee ist ein Luxusprodukt. Das müssen wir einfach akzeptieren und diesen als solches auch wieder so behandeln“, sagt Marlon Rommel. „Für den Preis werden alle angemessen bezahlt, und wir schützen das Klima.“

Mit Lastenfahrrädern ins Hamburger Lager

Wenn der Kaffee mit der Avontuur im Hamburger Hafen ankommt, wird er mit Lastenfahrrädern ins Lager gebracht, bevor er bei Docklands Coffee in Hamburg geröstet wird. Der Hamburger Hafen erlebt damit auch wieder eine Renaissance, und zwar die des gesegelten Kaffees. Letztes Jahr im Mai wurden mit der Ankunft des Teikei-Kaffees das erste Mal wieder nach 20 Jahren Jutesäcke von einem Frachtsegelschiff per Hand gelöscht.


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Seit dem 19. Jahrhundert importierten Frachtensegler Waren aus Übersee, darunter hauptsächlich Kaffee, in die Hansestadt und machten den Hamburger Hafen zum größten Kaffee-Importeur Europas. Heute werden hier jedes Jahr etwa 700.000 Tonnen Kaffee umgeschlagen, rund 400.000 Tonnen davon werden weiter transportiert.

Das passiert mittlerweile natürlich alles per Containerschiffstransport. Dessen Einführung führte zu einem Wandel des Seefrachtverkehrs und macht mittlerweile rund 90 % des gesamten Welthandels aus. Aber die Containerriesen werden fast immer mit Schweröl betrieben und belasten die Umwelt stark.

  • Teikei KaffeeFrachtsegler Avontuur © Paul Bentzen/Timbercoast
  • Teikei KaffeeSegel setzen an Bord der Avontuur © Marco Bernhard/Timbercoast
  • Teikei KaffeeWie vor 100 Jahren: Arbeiten an Deck © Paul Bentzen/Timbercoast
  • Teikei KaffeeStehendes und laufendes Gut Christoph Bogner/Teikei
  • Teikei KaffeeUnter Segeln © Christoph Bogner/Teikei
  • Teikei KaffeeLadung wird gelöscht © Marco Bernhard/Timbercoast

Um auf saubere Verschiffung per Windkraft aufmerksam zu machen, betreibt die Reederei Timbercoast ihr Frachtsegelschiff Avontuur – ein Zweimast-Gaffelschooner von 1920. Zwar ist sie damit in Deutschland einzigartig, aber mit der Idee längst nicht allein auf der Welt. Auch andere kleine Unternehmen nutzen mittlerweile regelmäßig traditionelle Segelschiffe, um ihre öko-fairen Waren umweltschonend zu verschiffen.

Die klimafreundliche Alternative ist teuer

Doch die alten Frachtsegelschiffe, zwar romantische Symbole für eine klimafreundliche Alternative, sind im Unterhalt sehr teuer und begrenzt in ihrer Transportkapazität. Die Avontuur hat mit ihrer Länge von 44 Metern eine Ladekapazität von 114 Tonnen, während das weltgrößte Containerschiff 400 Meter lang ist und bis zu 20.600 Container transportiert. Dabei gehen viele in der Branche davon aus, dass man auch im Seefrachtverkehr bald umdenken muss und unter anderem den Wind als Alternative und vor allem saubere Ressource dauerhaft nutzen wird.

Teikei Kaffee
Seefracht unter Segeln – fast gänzlich emissionsfrei

Große Unternehmen wie Volkswagen haben fertige Skizzen für moderne Frachtsegelschiffe in der Schublade, aber fertiggestellt wurde bis jetzt noch keins. Vielleicht liegt es daran, dass Schweröl immer noch ein günstiger Treibstoff ist. Diskussionen über Dieselfahrverbote werden zwar für den Straßenverkehr geführt, aber noch nicht für den Seetransport.

Einen Schritt zurück nach vorn

Und so sind es kleine Unternehmen und Organisationen, die versuchen alternative Wege zu gehen und diese anderen aufzuzeigen. Viele davon nutzen den Schritt zurück, um ihre Erfahrungen dann innovativ auszubauen und zu verbessern. „Unser nächster Schritt ist die Gründung eines Vereins, mit dem weitere gemeinschaftlich getragene Projekte umgesetzt werden sollen.“

Außerdem soll die Verbrauchergemeinschaft wachsen. „Dazu brauchen wir ein einfacheres Verfahren, um Teil von Teikei Coffee zu werden und für die Konsumenten die Hürden im Vergleich zum konventionellen Kaffeekauf zu senken“, sagt Marlon Rommel.

Teikei Kaffee
Der Nachhaltigkeit verschrieben: das Team Teikei © Teikei

Es gibt also viel zu tun, bis der solidarisch gehandelte Kaffee im Sommer dieses Jahres wieder mit dem Frachtsegelschiff in Hamburg ankommt und gelöscht werden kann. Marlon Rommel wird dann selbst wieder Kaffeesäcke von Bord schleppen und auf Lastenfahrräder hieven. Vorher wird er noch seine Bachelor-Arbeit schreiben. Sein Thema, wie sollte es anders sein, ist „Nachhaltiges Wirtschaften in Ernährungssystemen durch gemeinschaftsgetragene Wirtschaftsprozesse“. Auf japanisch heißt das teikei.

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