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Autor Timo Peters an Deck der Segelyacht Libertalia © privat / KiWi
Lesetipp

Couchsailing über den Atlantik

Timo Peters nimmt uns mit auf seine Reise als Couchsurfer von Europa nach Südamerika – als Gast auf Segelyachten.

von
Maike Wohlfahrt
in
4 Minuten

Couchsurfing – so heißt das simple Konzept, das es Reisenden ermöglicht, unentgeltlich für einige Nächte das Quartier auf der Couch eines völlig Fremden zu beziehen. Oder umgekehrt jemandem eine Unterkunft anzubieten. Die gleichnamige Internetplattform gibt es bereits seit 2004. Auf dem Wasser, auf einem Boot, ist das Phänomen – dann Couchsailing genannt – für die meisten noch immer Neuland.

Portrait Timo PetersAutor Timo Peters © privat / KiWi

Timo Peters kennt Couchsurfing als überzeugter Tramper und Low-Budget-Fan schon lange. Als der vielbereiste Autor eines Tages auf die Anzeige eines Gastgebers stößt, in der es heißt „My Couch is on a boat“, ist auch Timo überrascht. Denn vom Couchsurfen auf dem Wasser hatte er bis dato noch nie gehört.

Und so beginnt die abenteuerliche Geschichte von Timo, der durch das Couchsurfing-Portal zufällig auf einem Segelboot landet. Dort hört er zum ersten Mal die Geschichten von Reisenden, die per Anhalter ganze Ozeane überqueren. float hat darüber berichtet: Per Anhalter in die Karibik. Es dauert nicht lange, bis die Idee ihn komplett vereinnahmt. Und er sich dazu entscheidet, dass seine nächste Reise nach Südamerika gehen soll – mit dem Boot und umsonst.

Er schreibt: „Ich will herausfinden, wie groß sich so ein Ozean anfühlt. Wie es ist, irgendwann an der anderen Seite Land zu sehen und an einem Ort anzukommen, an den man normalerweise nur per Flugzeug kommt. Ich möchte am eigenen Leib erfahren, wie groß der Planet ist, auf dem wir leben.“

Freude an den kleinen Dingen

Während seiner knapp drei Monate und knapp 3.300 Seemeilen langen Reise begegnet Timo dabei allen Höhen und Tiefen des Seglerlebens. Voller Begeisterung erzählt er von Delfinen, die das Segelboot stundenlang begleiten. Von der Freude an den kleinen Dingen wie einer warmen Mahlzeit, von spektakulären Sonnenaufgängen auf See und von dem ganz großen Freiheitsgefühl, das sich einstellt, sobald alles Land außer Sichtweite ist.

Sonnenuntergang auf dem Meer
Die Segelyacht Mystique segelt in Richtung Sonnenuntergang © KiWi

Wir begleiten ihn in die legendären Hafenkneipen von Las Palmas und Mindelo und lauschen den Geschichten, die Segler*innen aus aller Welt dort austauschen. Wir lachen herzlich, als zu Silvester Kapitäne anderer Schiffe Lieder in die Funke gröhlen. Und wir begegnen – mit Timo als Erzähler – immer wieder Menschen, die mit ihrer Hilfsbereitschaft, ihren Ratschlägen und guter Seemannschaft die Segler-Community bereichern.

Doch immer wieder gibt es auch Rückschläge und Gefahren, die Timo deutlich machen, dass eine Ozeanüberquerung eben kein Spaziergang ist.

Schäden am Boot, unberechenbares Wetter, unzuverlässige Skipper, fehlende Privatsphäre und Seekrankheit, die manche sogar zur Heimreise zwingt, sind nur einige der Risiken, mit denen Timo sich konfrontiert sieht.

Mit völlig zerrupftem Rigg

„Vor unseren Augen läuft eine Yacht mit völlig zerrupftem Rigg in die Muelle Deportivo ein“, berichtet er. „Einen Mast kann man an Bord nicht mehr ausmachen, die Backbordreling hängt nur notdürftig gesichert über die Bordwand.“ Auch das sind Bilder, die ihn beeindrucken.

Timo Peters sitzt auf dem Deck
Kommunikation per Satellitentelefon © privat / KiWi

Zeitweise plagen ihn Albträume von Monsterwellen. Und immer wieder kehrt der Gedanke zurück, dass man – im Gegensatz zum Trampen auf der Autobahn – ein Boot nun einmal nicht jederzeit einfach verlassen kann.

Am Ende siegt bei ihm immer die Abenteuerlust und die Neugier aufs Unbekannte. So ist es auch am Tag der Abreise von den Kapverden. „Es geht los, die letzte große Etappe. Die nächsten Wochen verbringe ich in dem riesigen Gebiet, dem man auf Karten meist kaum Beachtung schenkt“ – und dann wird es fast poetisch – „dem Hellblau, das man auf Google Maps in der Regel schnell zur Seite scrollt.“

  • Auf deckTimo Peters beim Segelmanöver © privat / KiWi
  • alternativetextKlassische Mitsegler-Arbeit © privat / KiWi
  • alternativetextHochseegrillen © privat / KiWi

Von seinen Erfahrungen und Begegnungen erzählt Timo Peters so lebhaft und ehrlich, dass man sich problemlos dazu träumen kann. Immer wieder geht er wie nebenbei auf die Details des Segelalltags ein. So können ihm auch Segelneulinge ohne Weiteres folgen – so wie er schließlich auch selbst einer war zu Beginn seiner Reise.

„Couchsailing“ liefert uns eine leichtfüßige wie spannende Geschichte, in der wir – wieder einmal – lernen, dass in dieser Welt mehr möglich ist als gedacht. Nebenbei macht Timo Peters deutlich: Selbst auf die erfahrensten Weltenbummler wartet immer noch ein neues Abenteuer.

Über den Autor

Timo Peters, 1984 in Ostfriesland geboren, ist erfahrener Tramper und Abenteurer. Bereits mit 13 Jahren ging er das erste Mal alleine auf Reisen – damals mit dem Fahrrad bis nach Holland. Inzwischen arbeitet er von Norwegen aus als freiberuflicher Journalist und betreibt nebenbei einen Abenteuerblog sowie ein Onlinemagazin.

Timo Peters
Couchsailing
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln
313 Seiten
Paperback
Karten von Markus Weber
ISBN-Nummer: 978-3-462-05382-1
Kosten: 12,00 € (D)

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