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Brunswick-CEO David Foulkes präsentiert die neue Strategie © Brunswick
Electric Boating

Wird Amerika jetzt elektrisch?

Branchenriese Brunswick steigt ins Electric Boating ein. Vier elektrisch angetriebene Modelle sollen allein bis 2023 kommen.

von
Stefan Gerhard
in
3 Minuten

Wer hätte das gedacht? US-Konzern Brunswick, bekannt für starke V8-Motoren und schnelle Boote, die viel PS vertragen, setzt – auch – auf elektrisches Bootsfahren. Beim virtuell veranstalteten Investor Day diese Woche ließen die Amerikaner die Katze aus dem Sack. Zur „Next Wave“ der kommenden Projekte, mit dem man „die Mitbewerber im Kielwasser lassen“ will, gehört Electric Boating fest dazu.

Das weltgrößte Unternehmen in der Marineindustrie wird nach eigenen Angaben fünf elektrische Antriebssysteme einführen, das erste im Jahr 2022. Elektroboote in vier Segmenten sollen bis 2023 folgen. Das erste Fahrassistenzsystem der Ingenieure aus Fond Du Lac – schlicht ADAS für „Advanced Driver Assistance System“ genannt – soll schon dieses Jahr kommen.

CEO verspricht Demokratisierung des Bootssports

Brunswicks Reaktion auf den aktuellen Trend zur Elektrifizierung bot ungewohnte Töne. Zwei der vier Hauptthemen der 90 Minuten dauernden, an Investoren gerichteten Präsentation drehten sich um „Elektrifizierung und Nachhaltigkeit“ sowie um „Demokratisierung des Bootssports“, wobei mit Letzterem vor allem der Ausbau der 2019 zugekauften Franchisefirma Freedom Boat Club gemeint ist. Auch Europa hat Brunswick auf dem Schirm: Hier soll der Bootclub mächtig wachsen.

Brunswick Electric Boating
CEO David Foulkes © Brunswick

Vor der Videowand wirbt CEO David Foulkes, dass kein anderes Unternehmen besser positioniert sei, um „einen transformativen Einfluss auf die Elektrifizierung der Schifffahrt zu haben“ als Brunswick. Starke Worte, vielleicht auch angesichts der Tatsache, dass große Motorenhersteller wie Volvo eine umfangreiche Elektrifizierungsstrategie bereits angekündigt haben.

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Doch Brunswick hat ein As im Ärmel: Mit erfolgreichen Bootsmarken wie Quicksilver, Sea Ray und Boston Whaler, reichlich Peripherieprodukten fürs Bootsfahren – vom Prop bis zum drahtlosen Sicherheitssystem 1st Mate – und dem neuen Chartergeschäft ist das Motoren-Business gut umhegt. Brunswick hat die berühmte Wertschöpfungskette also an vielen Punkten selbst geschmiedet.

Charter bekommt Electric Boating zuerst

Man wolle Zeichen setzen, so Foulkes, nicht nur mit den fünf angekündigten elektrischen „Antriebsprodukten“. 15.000 hochentwickelte Batteriesysteme sollen in den kommenden zwei Jahren anstelle von Generatoren mit Benzin- und Dieseltreibstoff ausgeliefert werden. Der geplante Ausbau des Freedom Boat Clubs solle als „Betriebsmodell für die Elektrifizierung“ dienen. Denn hier werden viele Boote gleichzeitig verwaltet.

Brunswick
Die Nachhaltigkeitsstrategie © Brunswick

Chris Drees, Chef der Motorensparte Mercury Marine, legt die Latte für den elektrischen Erfolg hoch. „Wir beabsichtigen, dass Mercury sowohl bei konventionellen als auch bei elektrischen Schiffsantrieben Marktführer ist“, sagte er. Der augenblickliche Marktanteil von Mercury Marine in den USA beträgt nach eigenen Angaben 45%. Die erfolgeich neu eingeführte Serie von V8-Motoren wurde vor kurzem durch einen 600 PS starken Außenborder.

Gleichzeitig haben Mitbewerber bei den Bootsmotoren wie Evinrude – 113 Jahre nach der Gründung – und Seven Marine – relativ kurz nach der Übernahme durch Volvo Penta – die Produktion eingestellt.

Elektrische Steuerung löst analoge Systeme ab

Zudem arbeite man an der „zunehmenden Einführung von Lithium-Ionen-Batterietechnologie“ für den Antrieb und die Bordsysteme. Die Verlagerung im Bootsbau von analoger Steuerung an Bord hin zu digital gesteuerten „On- und Off-Board-Erlebnissen“ sei klar zu beobachten, sagte Brett Dibkey in der Präsentation. Er ist bei Brunswick für den Bereich Teile und Zubehör verantwortlich.

Zum Erfolg gehört, dass Brunswick auch aktiv bei Stromversorgungsprodukten für die Wohnmobil- und Spezialfahrzeugindustrie ist. Das mache bereits 25 % des Umsatzes der Abteilung ausmachen. Diese Verbindung passt: Der Bootshersteller Chris Craft beispielsweise gehört seit einigen Jahren zur Firmengruppe Winnebago, die ihr Hauptgeschäft mit Mobile Homes macht.

Brunswick
Aine Denari leitet die Brunswick Boat Goup © Brunswick

Man habe, so Dikey, „große Wachstumspläne“ gemeinsam mit dem Generatorenhersteller Mastervolt. Auch die Weiterentwicklung von Niederspannungsanwendungen (also unter 40 Volt) stehen auf dem Aufgabenzettel. Sie sollen für die Stromspeicherung, bei „Hotel Loads“ und Antrieben mit geringer Leistung zum Einsatz kommen.

Aine Denari, President der Boat Group von Brunswick, sagte bei der hier öffentlichen Video-Konferenz, dass in den nächsten zwei Jahren 122 neue Produkte auf den Markt kommen werden – genug Raum also, um Electric Boating auch bei Brunswick einzuführen.

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