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James Bond segelt eine Spirit 46 So ist das Leben eines Super-Agenten: Gerade noch beim Segeln, schon wieder im Einsatz © Ed Miller/2020
James Bond

007 hat den richtigen Spirit

James Bond geht wieder aufs Wasser: Im neuen Kinofilm segelt 007 eine Spirit-Segelyacht und präsentiert britische Bootsbaukunst.

von
Roland Wildberg
in
4 Minuten

Endlich Zeit zum Segeln: Selbst ein Super-Agent sehnt sich nach Freizeit und Kontemplation. Und so beginnt der neue James-Bond-Film „No time to die“ ausnahmsweise mal höchst glaubwürdig: mit einer farbenfrohen Schilderung des Lebensabends von 007, gespielt von Daniel Craig, auf Jamaika.

Der besteht für den frühpensionierten Mitarbeiter des MI6 darin, zu angeln (ausnahmsweise mal nach kleinen Fischen), viel trockenen Wodka Martini (von den Wogen geschüttelt, nicht gerührt) zu trinken und eben zu segeln. Natürlich kann die legendäre Schöpfung des Trivialautors Ian Fleming, weltberühmt durch die Filmdarstellungen Roger Moores und Sean Connerys, auch diese Strippen ziehen!

Und ebenso natürlich lässt das Böse der Welt (und das Drehbuch) den pensionierten Actionhelden nicht lange die Früchte seiner mörderischen Arbeit genießen. Doch bevor er sich wieder in den Dienst zurück begibt, feuersprühend Requisiten und Gegenspieler beschädigt sowie leichtbekleidete Trophäen sammelt, sehen wir ihn in den kurzen Momenten der Entspannung. An Bord einer Spirit 46.

Die kleidet James Bond ähnlich perfekt wie sein Smoking: mahagonischwer, mit pfeilscharfem Steven und schwindelerregend weit überhängendem Heck, an dem die „Red Ensign“ – die zivile Schiffsflagge des Königreichs – flattert. Der Mann liebt halt den soliden, klassischen Auftritt, kein Zweifel. Da stört auch der kleine Anachronismus nicht, dass Spirit eine relativ junge Marke ist: Sie wurde erst 1993 gegründet.

Nur äußerlich ist sie ein Oldtimer

In einer alten Scheune in Suffolk entstand damals „nach endlosen Diskussionen und vielen Tassen Kaffee, denn es war ein kalter Winter“, wie Werftgründer Sean McMillan Besuchern seiner Website erklärt, die erste Spirit. Äußerlich ein Oldtimer, unter der Wasserlinie hoch modern: Was sich auf den ersten Blick als klassischer Langkieler ausgibt, sieht für Fische nach zeitgemäßer Rennyacht aus. Und der 16,7 Meter lange Rumpf verdrängt lediglich acht Tonnen. Zum Vergleich: Die etwa gleich große Hanse 548 liegt bei knapp 20 Tonnen.

James Bond segelt eine Spirit 46
Da erfreut sich Bond noch an seinem Ruhestand auf Jamaika © © Ed Miller/2020 DANJAQ

Zu dem Namen habe ihn übrigens weniger der Teamgeist oder die Seelensuche inspiriert als vielmehr die vielen Whisky-Lagen, die sich das Team während des Baus genehmigte. Das symbolisiert folgerichtig auch das Logo: ein stilisierter Destillierkolben. So sind sie, die Briten. Als die Yacht fertig war, kam sie ins Wasser – und „ging wie eine Rakete“, so McMillan. Genau das richtige für 007, der zwar äußerlich klassisches Design, aber hinter den Kulissen stets das Modernste und Schnellste bevorzugt.

James Bond segelt Spirit 46
Eindeutig Freizeitvergnügen: Im Dienst gibt sich 007 nicht mit so kleinen Fischen ab © Ed Miller/2020 DANJAQ

Ähnlich verhält es sich mit seinem Lieblings-Dienstwagen. Seit „Goldfinger“ ein Aston-Martin DB5 mit Sechszylinder-Reihenmotor, vor allem aber mit diversen Waffen und technischen Sonderfunktionen („Gadgets“) ausgestattet, der vor 55 Jahren noch State of the Art war, doch zunehmend als klassisches Requisit dient. Was den Oldtimer nicht daran hindert, in den neueren Filmen regelmäßig auch eine tragende – und schießende – Rolle zu spielen.

James Bond segelt eine Spirit 46
Augenscheinlich wurde Bond-Darsteller Daniel Craig am Steuer der Spirit nicht gedoubelt © Ed Miller/2020 DANJAQ

Stress kriegt Bond erst an Land

Es ist aber auch nicht das erste Mal, dass Bonds Leidenschaft für britische Holzyachten auf der Kinoleinwand ausgebreitet wird: Bereits im Agenten-Thriller „Casino Royale“ von 2006 ist eine britische Spirit zu bewundern. Es handelt sich um eine Spirit 54: Sie trägt den Helden mitsamt Bond-Girl durch die venezianische Lagune und dank Sondergenehmigung sogar bis in die Altstadt.
„Das erste Mal seit 300 Jahren, dass ein Segelboot den Canal Grande befährt“, freute sich Spirit-Gründer McMillan seinerzeit. Auch hier ist das Grundthema an Bord Harmonie – Stress kriegt 007 erst nach dem Anlegen, aber nicht mit dem Ordnungsamt…

James Bond segelt eine Spirit 54
Der Beginn einer Passion: Bond segelt in Casino Royale eine Spirit 54 durch Venedig © 2006 Danjaq

Wird Spirit also Bonds Aston Martin zur See? Dafür weht der Wind wohl zu lau: Anders als die berühmte Glastron, mit der Bond alias Roger Moore in „Leben und sterben lassen“ quer durch Louisianas Sümpfe heizte – und dabei den ein oder anderen Hechtsprung vollführte – , hat die Spirit bisher keinen aktiven Part in einer typischen Thriller-Handlung gespielt.

Will sagen: Auf ihr wird nicht gekämpft, sie hat keine Bond-Gadgets und fliegt auch nicht in die Luft. Im Gegenteil: Die Spirit symbolisiert das kurze Glück, das bald schon dem ewigen Daseinskampf weicht, der in seiner Handgreiflichkeit vor allem MI6-Angehörigen mit der „Lizenz zum Töten“ vorbehalten ist.

007 wurde der Spirit bereits untreu

Dass der Superagent der heimatlichen Werft zwischenzeitlich sogar untreu wurde, ist dagegen nicht allzu hoch zu gewichten. Denn wem kann Bond schon lange treu bleiben… Und so segelte er den eleganten Zweimaster „Regina“ von der spanischen Werft Med Yachts auch nur einmal, nämlich in „Skyfall“. Auch hier blieb es bei einer Nebenrolle.

Was Product Placement bewirkt, wurde oft untersucht, aber bisher nicht endgültig festgestellt. Dass diese etwas elegantere Form der Schleichwerbung seit gut 20 Jahren einen milliardenschweren Marktanteil erreicht hat, liegt vor allem am Verfall des klassischen Werbemarkts durch das Internet.

James Bond segelt eine Spirit 54
Product Placement in Serie: Auch Bonds Laptop wird hübsch in Szene gesetzt © 2006 Danjaq

Und die Verwerfungen, die ein effektvoller Auftritt einer Spirit-Yacht in einem Bond-Film erzeugt, sind wohl weit weniger dramatisch als der Auftritt des einschlägigen Laptop-Labels, das der Agent in eben dieser Szene an Bord nutzt.

Charter mit Sieben-Personen-Crew

Wir dürfen annehmen, dass Spirit Yachts seine Verkaufszahlen nach dem Filmauftritt nicht verdoppelt hat. Aber dass diese Art der Publizität Relevanz besitzt, zeigt eine Werbeanzeige, die 2017 im Internet auftauchte. Das war fünf Jahre nach dem Kinostart. Da stand die 56 Meter lange Regina nämlich zum Verkauf – als „Segelyacht aus James Bond-Film Skyfall“.

„Diese Yacht ist der Inbegriff von Glamour“, verlautbarte der Händler ganz folgerichtig. Der Glamour sollte seinerzeit rund 9,5 Millionen Euro kosten. Er ging nicht sofort vom Hof, erst zwei Jahr später meldete man Vollzug. Und der neue Eigner handelte sogar noch eine halbe Million herunter.

James Bond segelt eine Spirit 46
Bei den Aufnahmen vor Jamaika kam ein Katamaran zum Einsatz © Ed Miller/2020 DANJAQ

Anschließend ließ er das Schiff umtaufen. Regina heißt nun „Aria I“ und segelt unter türkischer Flagge als schwimmende Luxusherberge. Jeder kann die Agentenyacht jetzt chartern! Allerdings muss man dafür das Spesenkonto des MI6 haben: Inklusive sieben Crew-Mitgliedern pro Woche kostet ein Törn zwischen 75.000 und 100.000 Euro.

Natürlich wird sie als „James Bond Sailing Star“ vermarktet. Ob das dem Superagenten recht sein kann? Von „geheim“ dürfte jedenfalls nicht mehr die Rede sein.

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