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Abhilash Tomy verletzt und in Seenot © PPL/GGR
Golden Globe Race

Abhilash Tomy verletzt und in Seenot

Beim Golden Globe Race kentern zwei Segler im Südindischen Ozean und verlieren den Mast. Abhilash Tomy wartet verletzt unter Deck auf Hilfe.

Kerstin Zillmer
von in
4 Minuten

Am Freitag, den 21. September, kam die Nachricht von der Regattaleitung des Golden Globe Race 2018: Im südindischen Ozean ist die schon dezimierte Flotte der Weltumseglung in einen schweren Sturm geraten, mit 70 Knoten Wind und 14 Meter hohen Wellen. Die Solo-Segler Abhilash Tomy und Gregor McGuckin kenterten und verloren ihren Mast. Mark Slats erlebte zwei große Knock-Downs. Sowohl McGuchin als auch Slats meldeten bereits, dass sie OK sind. Aber der 39-jährige Abhilash Tomy, Kommandant bei der Indischen Marine, der bereits seine zweite Solo-Weltumsegelung macht, erlitt eine schwere Rückenverletzung und befindet sich in Seenot.

Per Not-SMS wendete er sich am Freitag an die Rennleitung: „Gekentert. Schwere Rückenverletzung. Komme nicht hoch. Position: 39′ 26.323 S 077′ 29.848 E am 21 Sep 22:44 UTC“

Globen Globe Race 2018

Der Sturm am 21. September © Tracker Globen Globe Race

Die Position von Tomys Yacht „Thuriya“ befindet sich etwa 1.900 Meilen südwestlich von Perth in West-Australien, an der Grenze der unmittelbaren Rettungsreichweite. Die australischen Seenotretter des Australian Maritime Rescue Coordination Center (MRCC) organisieren jetzt die Rettungsaktion für Abhilash Tomy zusammen mit den australischen Streitkräften. Sie arbeiten bei der Rettungsaktion eng mit dem französischen MRCC auf der Insel Reunion im südlichen Indischen Ozean zusammen.

Globen Globe Race 2018

Thuriya, eine Replik der Suhaili von Robin Knox-Johnston © Christophe Favreau/PPL/GGR

Zweites Lebenszeichen bei Tagesanbruch

Heute morgen kam das Update von der Leitung des Golden Globe Race 2018: „Ende letzter Nacht waren wir froh, die folgenden Nachrichten von Tomy zu erhalten. Bis dahin hatten wir nichts als die erste Nachricht gehört und wir waren alle sehr besorgt.“ Bei Tagesanbruch hatte Tomy an die GGR-Leitung eine zweite Nachricht geschickt: „Aktiviertes EPIRB. Extrem schwierig zu gehen, könnte Trage benötigen, bin sicher unter Deck. Bin nicht in der Lage, das zweite YB3 oder etwas anderes zu erreichen. Habe das Telefon ausgeschaltet.“

Tomy ist demnach unter Deck an seine Koje gefesselt und kann nicht aufstehen. Er verwendet für die Kommunikation per SMS eine tragbare Yellow-Brick-Einheit (kurz „YP3“ genannt). Die Batterien dieses Geräts können für Tage halten. Seine externe YB3i-Tracking-Einheit liefert immer noch Positionsdaten an den Online-Tracker des Golden Globe Race, aber die Stromverbindung zu den Schiffsbatterien ist beschädigt. Das mobile YB3 verfügt über einen Backup-Tracker.

Tomys Haupt-Satellitentelefon ist beschädigt. Es gibt ein zweites Satellitentelefon und eine zweite YB3-SMS-Einheit in seinem Emergency-Grab-Bag, aber Tomy kann diese Hilfsmittel nicht erreichen. Er hat auch ein Aviation-Handheld-UKW-Funkgerät in dieser Tasche. Die Rennleitung hat Tomy gebeten zu versuchen, das Grab Bag zu erreichen, da vielleicht ein Flugzeug in der Nähe ist, das von Australien – und später ein weiteres Flugzeug der indischen Luftwaffe – für eine visuelle Überflugkontrolle herunterfliegt. Wenn diese Flüge durchgeführt wurden, ist eine wechselseitige Kommunikation wichtig. Tomy und sein Boot sind 2.000 Meilen von Australien entfernt, so dass die Zeit, die einem Flugzeug vor Ort bleibt, sehr kurz sein wird.

Ein französisches Fischereischiff kann zum Ort der Havarie fahren, kommt aber möglicherweise erst in ein paar Tagen an. Ein Schiff der australischen Marine kommt ebenfalls als Rettungsfahrzeug in Betracht, aber bis zu Erreichen der Position kann es fünf Tage oder länger brauchen. Alle Schiffe in der Region wurden gebeten zu prüfen, ob sie in der Notsituation helfen können.

„Habe noch nie solche Bedingungen erlebt“

Mitsegler Uku Randmaa befindet sich zur Zeit 400 Meilen westlich des Unglücksorts und ist auf dem Weg zu Gregor McGuckin, der ebenfalls seinen Mast im Sturm eingebüßt hat. Er wird rund drei Tage brauchen, um ihn zu erreichen. Auf dem Satellitentelefon bestätigte Gregor heute, dass er sein Boot soweit repariert hat und hofft, unter Strom in Richtung Tomy vorankommen zu können. Seine Windfahne wurde beschädigt, als der Mast herunterfiel. Er muss jetzt von Hand steuern. Das Ruder macht seltsame Geräusche, aber es scheint in Ordnung zu sein. McGuckin befindet sich 100 Meilen südwestlich von Tomy. Es wird daher mindestens einen Tag dauern, um ihn zu erreichen, wenn das Wetter es erlaubt.

Mark Slats teilte der Leitung des Golden Globe Race mit, dass er sich noch immer in 15 Meter hohen Wellen bei 40 Knoten Wind befinde. Verglichen mit dem, was er durchgemacht habe, fühle sich die Situation jetzt sicher an. Er wurde im Sturm über Bord gespült, und das Boot wurde überflutet, als eine Welle in seine Niedergangstür schlug. Er sei mehrmals umgehauen worden und habe noch nie zuvor solche Bedingungen erlebt.

Sein Kurzwellen-Funkgerät ist beschädigt, ebenso andere elektrische Geräte an Bord. Er sei verletzt und OK, aber frustriert – jetzt, da seine Position und die vorhergesagten Winde es ihm nicht ermöglichen werden, in die Richtung von Tomy 230 Meilen westlich von ihm selbst zu gelangen. Die Rennleitung riet Slats, eine Rettung nicht zu versuchen, da für ihn bei starkem Gegenwind der Weg zu riskant sei.

Die Leitung des Golden Globe Race arbeitet eng mit dem Australian Joint Rescue Coordination Center zusammen. Man sei für die Bemühungen aller Beteiligten sehr dankbar, schreibt die Rennleitung auf ihrer Website.

Das Golden Globe Race 2018 wurde zum 50-jährigen Jubiläum der bis heute legendären Weltumseglung gleichen Namens ins Leben gerufen, die 1968/69 stattfand. Damals starteten neun mehr oder weniger erfahrene Hochseesegler zu einer Nonstop-Einhand-Weltumseglung. Doch nur einer kam ins Ziel: Robin Knox-Johnston! Entsprechend umstritten ist das Rennen, das am 1. Juli im französischen Les Sables d’Olonnes startete.

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