float Magazine

Übungseinsatz der DGzRS © Thomas Stasch
Seenotrettung

Aktion „Name an Bord“ für die Seenotretter

Die Facebook-Gruppe „Seenotrettung – Sea rescue – International“ startet eine Spendenaktion für die Seenotretter der DGzRS.

von
Thomas Stasch
in
5 Minuten

Facebook mit seinen Ablegern Instagram und Whatsapp ist die größte Social-Media-Plattform weltweit. Täglich nutzen rund 1,7 Milliarden Menschen diesen Dienst, rund 300 Milliarden Bilder wurden bisher hochgeladen. Zu jedem Thema findet man Seiten oder Gruppen, in denen sich die User organisieren. Eine dieser Gruppen heißt „Seenotrettung – Sea rescue – International“.

Wie der Name schon sagt, befasst sich die Gruppe mit Such- und Rettungsdiensten auf See und zwar weltweit. Nahezu jedes Land mit See-Zugang hat Rettungsorganisationen für die Rettung auf See. In der Gruppe erfolgt ein Austausch über die verschiedenen Rettungsdienste, ihre Einsätze und ihre Rettungseinheiten. In Deutschland ist das die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

DGzRS
Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffsbrüchiger im Einsatz © DGzRS/Steven Keller

Maik Linnebrüg aus Wilhelmshaven engagiert sich in seiner Freizeit als ehrenamtlicher Mitarbeiter der DGzRS auf der Freiwilligenstation in Wilhelmshaven. Er hat im August 2014 die Facebookgruppe Seenotrettung – Sea rescue – International ins Leben gerufen und ist bis heute ihr Administrator.

Der Name an Bord fährt 30 Jahre lang mit

Anfang November wurde das Gruppenmitglied Nummer 5000 begrüßt. Das war der Grund für den Admin, eine Spendenaktion in der Gruppe zu starten. Denn genau diese Summe braucht es, um an der Aktion „Name an Bord“ teilzunehmen. Für 5.000 Euro fährt dann der Schriftzug der Facebook-Gruppe auf einem der neuen Seenotrettungskreuzer 30 Jahre lang jeden Einsatz mit.

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DGzRS
Die Spendenaktion der Facebook-Gruppe © Seenotrettung - Sea Rescue - International

Umgerechnet heißt das, jedes Gruppenmitglied spendet nur einen Euro. Da der Mindestbetrag bei Facebook-Spenden vier Euro beträgt und wahrscheinlich nicht alle Mitglieder spenden werden, ist das Ziel durchaus realistisch. Wir haben mit Maik Linnebrüg über die Sammelaktion für die DGzRS gesprochen.

Maik Lünneberg im freiwilligen Einsatz bei der DGzRS © M. Lünneberg

float: Maik, Du hast die Gruppe im August 2014 gegründet. Was war deine Intention?

Maik Linnebrüg: Ich bin seit meiner Grundschulzeit großer Seenotretter-Fan. Deshalb habe ich auch auf Facebook immer wieder interessante Inhalte gesucht oder geteilt. Und über maritime Gruppen und andere Seiten habe ich in der Zeit auch einige Gleichgesinnte kennengelernt. Irgendwann kam der Moment, an dem ich nicht nur in allgemeinen Gruppen oder in meiner Chronik diskutieren wollte und suchte intensiv nach reinen Seenotrettungsgruppen. Tatsächlich gab es damals keine – also habe ich eine eigene gegründet.

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Seenotkreuzer ARKONA (Station Warnemünde, 27-Meter-Klasse) © DGzRS

Woher beziehst Du die Informationen über die verschiedenen Rettungsorganisationen in aller Welt?

Viele Infos findet man tatsächlich bei Facebook. Im Laufe der Zeit habe ich interessante Seiten und auch Gruppen entdeckt mit Beiträgen, Bildern und Informationen. Da mich das Thema persönlich sehr interessiert, recherchiere ich auch gerne im World Wide Web, finde Videos auf Youtube, Meldungen auf Twitter oder schöne Bilder auf Instagram. Und natürlich bin ich immer besser mit anderen Seenotretter-Fans vernetzt.

Welche internationalen Organisationen sind denn dabei? Und wer tummelt sich so in der Gruppe?

Als Gruppe berichten wir von allen Seenotrettungsorganisationen weltweit, die in ihren jeweiligen Ländern für diese Aufgabe zuständig sind. Natürlich ist es leichter, Informationen über die Kollegen der RNLI in Großbritannien zu erhalten – aber wir interessieren uns genauso für die Arbeit der ADES in Uruguay oder der NSRI in Südafrika.

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Die Seenotrettungsorganisation Redningsselskapet in Norwegen © Jürgen Hohmann

Und genauso wie das Gruppenthema sind die Mitglieder international. Der Großteil kommt aus Deutschland und die zweitstärkste Nation sind interessanterweise die Schweizer. Denn auch in der Schweiz hat die DGzRS viele Freunde und Förderer. Sogar aus Uruguay haben wir zwei Rettungsleute. Die kamen zu uns als die dortige Marine zwei ehemalige DGzRS-Kreuzer übernahm und sie weiter in der Seenotrettung in Uruguay einsetzte.

Gibt es Seenotrettungsorganisationen, die bei den Gruppenmitgliedern besonders beliebt sind?

Eindeutig ja, das größte Interesse liegt natürlich bei der DGzRS weil wir in Deutschland besonders stark sind. Aber auch die britische RNLI mit ihrer langen Geschichte als älteste existierende Seenotrettungsorganisation der Welt oder auch die niederländische KNRM und die französische SNSM stoßen auf großes Interesse. Alle vier haben gemeinsam, dass sie besonders anspruchsvolle Einsatzgebiete haben. Und alle vier sind spendenfinanziert.

Seenotretter Niederlande
Die niederländische KNRM © Mail Linnebrüg

Facebook, als soziales Medium, ist häufig bei Kommentaren und Posts herausfordernd. Wie nimmst Du als Admin die Gruppenmitglieder wahr?

Interessanterweise gab es in unserer Gruppe von Anfang an ein sehr harmonisches Klima. Sehr selten kommt es zu Diskussionen, bei denen ich als Admin eingreifen muss. Das liegt sicher daran, dass wir nicht nur viele Seenotretter-Fans in der Gruppe haben, sondern eben auch etliche Seenotretter und Mitglieder anderer Blaulichtorganisationen. So können viele Fragen sehr sachlich beantwortet werden.

Wie verifizierst Du die Inhalte, die Du im Netz findest? Recherchierst Du, um sicher zu sein, dass Du keine Fake News lieferst?

Da muss man unterscheiden: Meldungen der Organisationen übernehmen wir direkt und ergänzen eventuell weitere Informationen. Bei Presseartikeln mache ich gerne eine kleine Gegenkontrolle, ob und wie andere Quellen berichten. Gerade bei größeren Schiffsunglücken können die Meldungen teilweise sehr unterschiedlich sein, häufig auch abhängig von ihrer jeweiligen Aktualität.

Du hast die Spendenaktion ins Leben gerufen. Dürfen auch gruppenfremde Menschen diese Aktion unterstützen?

Selbstverständlich sehr gerne, und es gab auch schon einige Spenden von Nichtmitgliedern! Wir freuen uns über jede Unterstützung für die Seenotretter. Jeder Cent zählt!

Was ist dein persönliches Statement zur Arbeit der Seenotretter?

Ich habe sehr großen Respekt vor den Seenotrettern, die bei Wind und Wetter rausfahren, um Menschen zu retten. Und ich bin wirklich dankbar, dass es so viele Menschen gibt, die es ermöglichen, dass die Seenotrettungsorganisationen in vielen Ländern rein, aus Spenden finanziert werden können. Gerade deshalb möchten wir gerne mit der Spendenaktion dazu beitragen.

  • DGzRSÜbung mit dem Tochterboot CASPAR des Seenotrettungskreuzers ARKONA © DGzRS/Thomas Steuer
  • DGzRSDie Schiffe trotzen jedem Wetter © DGzRS/Helmut Hofer
  • DGzRSDie Seenotretter fahren immer dann raus, wenn andere reinkommen © Maik Linnebrüg

Wieviel Geld ist denn bis heute zusammengekommen und bis wann soll das Ziel erreicht sein?

Nach drei Tagen hatten wir bereits rund 1.200 Euro gesammelt, Inzwischen sind 1.500 Euro zusammen gekommen. Ich bin sehr optimistisch, dass wir bis Ende des Jahres die 5.000 Euro erreichen. Selbst wenn nicht, haben wir mit dieser Aktion gute Werbung für die Seenotretter gemacht, auch über unsere Gruppe hinaus. Und mit dem gesammelten Geld unterstützen wir in jedem Fall die Arbeit der Seenotretter.

Den Urgewalten trotzen

Die Seenotretter fahren dann raus, wenn andere in den Hafen reinkommen. Die Finanzierung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ist rein freiwillig und spendenfinanziert. Seit der Gründung im Jahr 1865 hat die Gesellschaft mehr als 85.000 Menschen gerettet.

Auch wenn hier modernste Technik zum Einsatz kommt, darf man nicht vergessen, dass man es mit den Urgewalten der Natur zu tun hat. float berichtet immer wieder über die engagierten Einsätze der DGzRS.

Die Spendenaktion läuft noch bis zum 31. Dezember 2020, jede Spende geht direkt an die DGzRS.

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