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Clipper Round the World Race Della Parson Della Parson arbeitet an Land für das Clipper Round the World Race © Matthew Dickens
Clipper round the World Race

Als Rookie um die Welt

Della Parsons berät Einsteiger, die am Clipper Round the World Race teilnehmen wollen. Vor zehn Jahren war sie selbst Anfängerin.

von
Hans-Harald Schack
in
5 Minuten

Das Clipper Race führt alle zwei Jahre in acht Etappen um die Welt. Das Besondere daran: Das Rennen setzt sich aus Amateuren zusammen, die aus rund vierzig Nationen in aller Welt stammen. Nur die Skipper sind Profis. Gerade jetzt sind elf Clipper-Crews in Asien unterwegs – und segeln einen Bogen um China. Über den Tisch von Della Parsons gehen die Bewerbungen aller künftigen Teilnehmer. Als Recruiting Manager für das Clipper Round The World Race heuert sie die Crews an.

Nach dem ersten Kontakt – online bei Regatta-Zwischenstops oder auf Bootsmessen – verabredet sie mit jedem Bewerber ein erstes Interview. Vor zehn Jahren startete Della Parsons selbst beim Rennen und segelte gleich rundum – als Nichtseglerin! Wir trafen die Seglerin zum Gespräch auf der boot Düsseldorf.

float: Della, wie hast du vom Clipper Race erstmals erfahren?

Della Parsons: Ich habe 2007 für die lokale Redaktion der BBC in East Yorkshire gearbeitet, als die Flotte nach Hull segelte und die Stadt als Start- und Zielort für das Rennen 2009/10 bekannt gegeben wurde. Bis mir klar wurde, dass ich selbst, eine Nichtseglerin, mich ernsthaft für dieses Rennen bewerben könnte, hat es noch eine Weile gedauert.

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Della Parsons Clipper Race
Eine Clipper-Race-Yacht braucht viele Hände © The Clipper Race

Und dann hast du dich beworben und 2009/10 teilgenommen?

Ja, und zwar als Round-the-Worlder, also für alle Etappen, auf der Yacht „Hull & Humber“.

Wie war das erste Training an Bord?

Ich kam unter Deck und hatte diesen Geruch von Diesel, Bilge und angeschimmeltem Ölzeug in der Nase – der Horror! Ich dachte, das halte ich keine Woche aus, geschweige denn eine Etappe. Nach einer Stunde habe ich’s nicht mehr gemerkt. Wir waren eine tolle Trainings-Crew, ich habe sehr viel gelernt und mich in das Segeln verliebt. Auf der Heimfahrt nach diesem ersten Training war mir klar, dass ich das ganze Rennen mitmachen will. Ich hatte nämlich zuerst nur für eine Etappe angeheuert, die letzte Etappe über den Atlantik.

Du kennst zwei Generationen von Clippern…

…sogar alle drei. Unser erstes Training fand auf 60-Füßern statt, meiner war die „Blackadder“. Die nächsten Trainings und das Rennen selbst fanden mit dem damals neuen Clipper 68 statt.

Della Parsons Clipper Race
Clipper 60: Rennteilnehmer trainieren auf 60-Fuß-Booten © The Clipper Race

Wie ist der Unterschied zu den aktuellen Booten?

Auf dem 68 – den hast du ja in deinem ersten Training auch kennenglernt – schliefen wir im Vorschiff hinter Duschvorhängen, damit wir beim Austauschen von Segeln oben auf Deck nicht so nass wurden unten in unseren Schlafsäcken. Das ist auf den jetzigen Schiffen mit den Kojen achtern natürlich sehr viel besser. Und die 70er sind schneller.

Hattest du danach Lust, noch ein zweites Mal teilzunehmen?

Es kam viel besser. Clipper hat mich für das Rennen 2011/12 angeheuert, um einen Dokumentarfilm zu drehen. Da habe nicht ich bezahlt, sondern ich wurde bezahlt.

Wie hast du dich auf dein erstes Rennen vorbereitet?

Ich habe mein Haus renoviert, damit ich es für die Dauer der Reise vermieten konnte. Damit war die Hypothek gedeckt. Dann musste ich das Rennen und ein Jahr Urlaub finanzieren…

Das Vermieten hat wohl nicht gereicht…

Nein, aber die Hypothek war damit gedeckt. Ich habe dann mein Renovierungsbudget fürs Haus halbiert, mein Auto und alles verkauft, was ich nicht brauchte, und da ich für drei Charity-Organisationen aktiv war, habe ich auch noch einen Sponsor gefunden, der einen Zuschuss gab.

Und die sonstige Vorbereitung?

Außerdem musste ich mich physisch fit machen. Glücklicherweise war die Renovierung des Hauses mit reichlich körperlicher Arbeit verbunden, das war ganz hilfreich. Außerdem habe ich auf dem Crosstrainer Kraft und Ausdauer trainiert. Ich sage den Leuten immer, je fitter du bist, desto mehr genießt du später das Segeln.

Hast du systematisch gelernt?

Ja klar, Knoten geübt, die Manöver in den Trainingsunterlagen studiert und soviel Zeit wie möglich auf dem Wasser verbracht.

Della Parsons Clipper Race
Erstes Training auf dem Clipper 68 © H.Schack

Was ist deiner Ansicht nach das Wichtigste?

Der erste Schritt, die Entscheidung. Man muss sich fragen: Will ich das? Und dann selber aktiv werden. Entweder fragst du Leute wie mich oder andere, die das Rennen kennen, oder du bewirbst dich einfach und siehst, was passiert. Ich habe mich damals Monate lang gefragt, ob das Rennen wirklich was für Leute wie mich ist, und ob man mich ohne alle Segelerfahrung nehmen würde.

Heute wirbt das Clipper Race mit „No experience required“, keine Erfahrung nötig. Warum?

Wir wollen damit die Hemmschwelle für Anfänger senken. Man darf jederzeit zu dem Schluss kommen: Nein, das ist doch nichts für mich. Auch dafür ist das Training da, nicht nur zum Segeln Lernen.

Du selbst warst mit 42 Jahren ein Rookie, eine absolute Anfängerin. Wie ging es weiter?

Ich habe es von der Pike auf gelernt. Das Training ist sehr strukturiert, die Skipper und ihre Mates – ebenfalls vollwertige Skipper – sind erfahrene Ausbilder und sehr geduldig. Erst lernt man auf dem offenen Meer zu segeln, dann Regattasegeln. Das Wichtigste ist, alle Handgriffe sicher zu tun. Das wird hundertfach geübt, damit es in Fleisch und Blut übergeht.

Della Parsons Clipper Race
Crew auf einer neuen Clipper 70: Jeder Handgriff muss sitzen © The Clipper Race

Wie entwickelte sich eure Crew nach dem Start?

Wir waren am Anfang etwas nervös, weil dies jetzt ein echtes Rennen war, aber das hat sich gegeben. Wir wuchsen einfach zusammen. Man lernt Tag für Tag weiter und entwickelt seine Fähigkeiten weiter.

Hast du heute einen Segelschein?

Ich habe später den Yachtmaster Offshore gemacht, mit dem Zusatz für gewerbliche Yachten, danach den theoretischen Yachtmaster Ocean und die Lizenz als Cruising Ausbilderin.

Wann kam dir die Idee, so weiterzumachen?

Ich glaube, schon während des Rennens. Piers Dudin, unser Skipper, hat uns alle gelegentlich als Wachführer eingesetzt, sodass ich nach ein paar Wochen eine Art Wachführer-Praktikum hatte. Ich habe mich da noch nicht so wohl dabei gefühlt, weil ich noch nicht genug Selbstvertrauen hatte und es an Bord andere mit viel mehr Segelerfahrung gab.

Della Parsons Clipper Race
Della Parsons führt Bewerber-Interviews auf der Düsseldorfer Bootsmesse © H. Schack

Nicht gerade das, was man sich als Führungskraft wünscht.

Ich habe auf diese Weise aber gemerkt, was ich kann und was nicht. Ein paar Etappen später fühlte ich mich fit genug, es noch einmal zu versuchen, und ich war erstaunt, was ich inzwischen alles gelernt hatte. Wir hatten als Wachführer eine Menge zu tun: Bei Flaute das Boot am Laufen halten, bei Sturm blitzschnell zu reffen, zu navigieren und auf die Sicherheit und das Wohlbefinden der Crew zu achten. Ich war am Ende stolz darauf, was ich seit dem Beginn des Trainings alles gelernt hatte.

Das Rennen 2019/20 erreicht demnächst Subic Bay auf den Philippinen, wie läuft es mit den Bewerbungen für das nächste Rennen?

Ziemlich gut, das Rennen ist – wenn man von insgesamt 700 Teilnehmern ausgeht – schon zu einem Drittel ausgebucht, darunter ein knappes Drittel Frauen. Ich würde mich freuen, wenn sich noch mehr Frauen bewerben. Wir hatten in Düsseldorf vierzehn Bewerber-Interviews und sehr viele gute Gespräche.

Dieses noch gar nicht mitgerechnet. Della, wir bedanken uns für dieses Gespräch!

Wer die Hürde der Bewerbung genommen hat

Wer die Hürde der Bewerbung genommen hat, meldet sich für das Training und eine oder mehrere Etappen an. Das Training ist Pflicht für jeden Teilnehmer, egal ob er Anfänger ist oder schon 50 Jahre segelt.

Die Trainings finden im Englischen Kanal statt. Das Training umfasst vier Einheiten und dauert insgesamt 25 Tage, gesegelt wird auf Clipper 68 und 70.  Es empfiehlt sich nicht, Training 1 und 2 ohne Pause hintereinander zu absolvieren, da es sehr anstrengend ist.

Im Trainingspreis von 6.000 Britischen Pfund ist die Bordverpflegung, ein Survival-Training mit Zertifikat und ein Crew Kit mit einem Satz Hightech-Ölzeug und weiteren Kleidungsstücken enthalten. Wer Interesse an einem Training hat, findet hier alle Infos.

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