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© Sailing Energy/World Sailing
Regatta

An den Stellschrauben drehen

Neustart der deutschen Olympia-Segler nach Aarhus. DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner im float-Gespräch.

Friederike Hiller
von in
3 Minuten

„Wo stehen wir, was lief gut, und wo gibt es etwas zu verbessern?“ − das diskutieren zurzeit Trainer und Athleten im japanischen Enoshima. Seit den Sailing World Championships in Aarhus haben die Trainer die Rennen analysiert und nutzen nun die World Cup Series in Enoshima, Japan, um detailliert mit den Seglern und Seglerinnen einen Plan auszuarbeiten, wie es bis zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020 weitergeht. Die olympische Testregatta markiert gleichzeitig den Auftakt zur Weltcup-Serie 2018/2019, und für das German Sailing Team den Aufbruch in die zweite wichtige Halbzeit der Olympiade, an deren Ende ein starker Auftritt in Enoshima stehen soll.

Hinter ihren Erwartungen geblieben

Bei der WM in Aarhus blieben viele der deutschen Teilnehmer und Teilnehmerinnen hinter ihren Erwartungen zurück. „Alle waren gut vorbereitet und fühlten sich auch so“, erklärt Nadine Stegenwalner, Sportdirektorin des Deutschen Segler-Verbands, rückblickend zu Aarhus. Beispielsweise lief bei den 49erFX-Teams im Vorfeld alles sehr gut. „Und dann hat es leider in Aarhus nicht so gut funktioniert.“ Das hieße aber nicht, dass nun alles über den Haufen geworden werden müsse. Die Analysen seien vielmehr wichtig, um zu wissen, was genau es zu verbessern gebe. „Man muss ein bisschen an Stellschrauben drehen.“

Deutsche Olympiasegler

Philipp Buhl holt in Aarhus die Bronzemedaille auf dem Laser ©Sailing Energy/World Sailing

Drei Nationenplätze konnten gesichert werden, und zwei Medaillen gab es für das 60-köpfige deutsche Team. „Das ist schon sehr gut.“ Grundsätzlich sei Aarhus kein einfaches Revier. Zudem seien die Bedingungen auch untypisch gewesen. „Aber die schwierigen Umstände hatten alle.“

Weshalb es bei einigen besser lief als bei anderen, wird nun ausgearbeitet. „Der eine oder andere Sportler hätte mehr verdient gehabt“, so Nadine Stegenwalner. Noch ein Grund, warum eine gute Analyse so wichtig sei. Auch wenn sie manchmal hart und schonungslos ausfalle. „Sie wollen alle ganz nach vorne. Das macht einen Leistungssportler aus, dass er nicht sofort alles hinschmeißt.“ So helfe die Analyse zu motivieren. Und dann mit einem Arbeitsplan das Instrument in den Hände zu halten, etwas zu verändern und wieder voll anzugreifen. „Wir blicken sehr zuversichtlich in die nächsten Jahre“, so die DSV-Sportdirektorin.

Deutsche Olympiasegler

Nacra 17: Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer © Sailing Energy/World Sailing

Erste Erfahrungen im olympischen Revier

Momentan sind die Seglerinnen und Segler in Japan. Sie haben Quartier bezogen, ihre Boote und Material aus den Containern ausgeladen und schon die ersten Wassererfahrung im oplympischen Revier vor der Kulisse des japanischen Bergs Fuji gesammelt. Auch wenn klar sei, dass dann beim Event alles wieder anders sein könne. Es sei entscheidend, viel Wissen über das Revier, Strömungen, Charakteristika der Winde und weitere Bedingungen auf dem Wasser und zu Land zu sammeln.

Es sei zwar auch schön, gute Ergebnisse beim World Cup zu ersegeln, aber im Fokus stünden die Erfahrungen. „Wir sind mit sieben Disziplinen und sieben Trainern da.“ Beste Voraussetzungen, um sich untereinander über die relevanten Informationen auszutauschen. Im Gegensatz zu Rio sei die Wasserqualität nicht das Problem. „Diese wird dauerhaft geprüft – soll aber sehr gut sein“, berichtet Nadine Stegenwalner. Allerdings könnten Naturphänomene zur Herausforderung werden. Taifune sind dort keine Seltenheit, und: „Wir hoffen, dass es keine Tsunamis geben wird.“

Enoshima

49er FX: Victoria Jurczok/Anika Lorenz ©Sailing Energy/World Sailing

Neben den neuen Natureindrücken erwartet die Segler auch eine andere Mentalität. „Das ist eine andere, hoch interessante Kultur. Daher ist es sehr wichtig, vor Ort zu sein“, erklärt die Sportdirektorin. „Wir wollen herausfinden, wo wir uns anpassen müssen. Und was angepasst werden kann, damit die Athleten es schaffen, sich während des Wettkampfs auf Hochleistung zu bringen.“

Enoshima

49erFX: Tina Lutz/Susann Beucke ©Sailing Energy/World Sailing

Der Stand der Nationenqualifikationen für Tokio 2020 nach der WM:

• Laser durch WM-Platz 3 für Philipp Buhl, Segelclub Alpsee Immenstadt
• 49er durch WM-Platz 3 für Tim Fischer/Fabian Graf, Norddeutscher Regatta Verein und Verein Seglerhaus am Wannsee
• Laser Radial durch WM-Platz 26 für Svenja Weger, Potsdamer Yacht-Club

In diesen Disziplinen steht die Nationenqualifikation für das German Sailing Team noch aus und soll bei der Weltmeisterschaft 2019 gelingen:

• 49er FX
• 470er Frauen
• 470er Männer
• Finn Dinhi
• Nacra 17

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