float Magazine

Heiligenhafen im abendlichen Sonnenlicht © Andrea Kuschetzki
Kalender für Seenotretter

Andrea liebt die Weite des Meeres

Svenja Neumann schreibt im Februar über Andrea Kuschetzki im Foto-Kalender 2020 zu Gunsten der Seenotretter.

Svenja Neumann
von in
3 Minuten

„Kein Land zu sehen, ist das Schönste. Die Naturgewalten spüren!“ Andrea liebt es, das vielstimmige Gurgeln des vorbeizischenden Wassers zu hören. Wenn sich im Auf und Ab der See ihr Langkieler, eine HR 31 Monsun namens „Tunø“, auf die Seite legt und durch die Wellen gleitet, ist sie in ihrem Element. Dann umweht ein Hauch von Langfahrt das Boot mit dem goldenen Mast und den sonnengelben Salonpolstern. „So fühlt sich die „Tunø“ nach Weltenbummlerboot an!“

Schon als Kind lernte sie auf dem Steinhuder Meer nahe Hannover segeln. Dank Ihrer Eltern und dank „Helena“, dem elterlichen Boot. Helena war wandlungsfähig. Aus einer Neptun 22 wurde im Laufe der Jahre Fuß für Fuß eine Hallberg Rassy 352. Mit jeder „Helena“, größeren Etmalen und neuen Ostseerevieren wuchs auch die Liebe zu Wind, Wasser und Weite.

Andrea Kuschetzki
Segeln ist Glück für Andrea ©

Die Treue zum Kindheitsrevier

„Nach der Geburt meines Sohnes Finn habe ich dann lange pausiert, bevor ich 2010 an Bord eines Überführungstörns von Großenbrode nach Heiligenhafen geriet.“ Da war es wieder, das Gurgeln jenseits der Bordwand. Ein eigenes Boot musste her. „Zwei Wochen später war die TUNØ gekauft“. Seitdem „fliegen die Seemeilen nur so dahin.“

Der Meeressehnsucht zum Trotz ist Andrea dem Kindheitsrevier auch mit 59 noch treu. Wer denkt, sie empfände es als enges Exil fern ihrer „Tunø“, irrt gewaltig. Die „Tunø“ hat Gesellschaft bekommen. Daheim auf dem Steinhuder Meer von einer Congerjolle, an der Ostseeküste von einer HR 352, deren Miteignerin Andrea ebenfalls ist. Der Name „Helena“ wundert kaum.

Andrea Kuschetzki
Die Hallberg Rassy 352 Helena © Andrea Kuschetzki

Glück ist für sie, segeln zu können, und dabei liebt sie nicht nur den Blick auf den Horizont, sondern auch den über den Tellerrand ihrer eigenen Segelwelt.

„Ich lebe Segeln!“ Ihre Stimme ist bestimmt und zugleich sonnengelb wie die Bootspolster. „Ich möchte segeln, die Schönheit der Natur und spannende Menschen in allen Facetten kennenlernen!“
10 oder 50 Fuß? Binnensee? Kopenhagen oder Bornholm? Einhand? Mit eingespielter Familiencrew? Mit lauter neuen Leuten auf Ausbildungstörns? „Alles ist spannend. Egal, wie groß. Alleine ein Boot zu beherrschen ebenso, wie sich als Crew zu finden!“

Sie gründet einen Seglertreff

„Und ich will meine Freude weitergeben, meine Leidenschaft teilen.“ Aus den Nachtreffen Ihrer Törns gründete sie 2014 den „Seglertreff Region Hannover“. Hier finden sich Segelbegeisterte von Jolle bis Dickschiff, von Steinhuder Meer bis Atlantik zu Vorträgen, Exkursionen und als Crews zusammen. „Ein bunter, beliebter vereinsunabhängiger Seglertreff, der stetig wächst und Nachahmer findet.“ Viele sind Enthusiasten wie Andrea. Und Träumer.

Ihr Traum? „Rund Ostsee. Dann wie Erdmann auf Langfahrt. Wilfried Erdmann fand ich als Kind schon gut. 2018 war er übrigens zum Vortrag bei uns.“ Der Kreis ihres Segellebens wird vielleicht zum Großkreis.

Ob sie die Meilen zählt? „Nein! Aber es können nie genug sein!“ sagt sie mit ihrem sonnengelben Lachen in der Stimme.

Svenja Neumann
Svenja Neumann mit ihrem Buch Ærødynamisch © Kerstin Zillmer

Svenja Neumann

Als es Svenja 2013 an Bord eines Segelschoners verschlägt, packt sie die Lust auf Meer und wenig später hat sie den SBF See. Sie nötigt den Mann zum Kauf eines Segelbootes und überzeugt den Arbeitgeber von einer Auszeit, die sie ohne Vorerfahrung in einen Einhand Segelsommer ummünzt. Witzig erzählt ihr Buch „Ærødynamisch“ von dieser Reise ins Unbekannte.

Es folgen ausgedehnte Familientörns, der Sportseeschifferschein und mit den vielen Seemeilen auch ein beruflicher Neuanfang. Seit 2018 arbeitet Svenja im Büro einer Yachtwerft und als Skipperin einer Yachtschule, deren Schiffe passend zu Ihrem Vorwärtsdrang den Namen „Express“ tragen.

Andrea Kuschetzki
Segelkalender 2020 DGzRS © Knuth Hornbogen

Wie der Segelkalender in die Welt kam

Im November 2018 nahm sich die facbook-Gruppe fb-segeln-liebt DGzRS vor, den Seenotrettern mit einer Spendenaktion zu danken. Aus den schönsten Sonnenauf- und -untergängen, aufgenommen von Hobbyfotografen mit Liebe zum Meer und auf Facebook geteilt, wurde gemeinschaftlich ein Kalender gestaltet und zugunsten der Seenotretter verkauft. Alle Akteure steuerten ehrenamtlich das bei, was sie konnten: Bilder, Texte und Lektorat, Gestaltung und Versand.

Sieben float-Autoren haben sich mit Beiträgen an dem tollen Projekt beteiligt. Wir spielen ihre Beiträge auf float über das Jahr aus. Die Kalender wurden zum Preis von 12,50 Euro verkauft, davon wurden 10 Euro gespendet. Die Spende wurde auf der boot Düsseldorf an die Seenotretter der DGzRS  übergeben. Der 2. Vormann der „Hermann Rudolf Meyer“, Andreas Brensing, nahm die respektable Spendensumme von über 4.330 Euro entgegen.

Wie der Segelkalender der Gruppe entstand, lest ihr in unserem Beitrag 12 Sonnen, morgens und abends.

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