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Schnipp-schnapp, und los geht's: Eröffnung mit Christoph Steinkuhl (m.) und Filialleiter Dirk Bogumil (2. v. l.) © Kerstin Zillmer
Wirtschaft

„Alle schreien nach Booten“

Drei Tage feiern im Südosten: Die neue Filiale von A. W. Niemeyer eröffnet in Berlin, eine Woche nach der AWN-Messesause in Hamburg.

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Vor exakt einer Woche begann die Hamburg Boat Show am Hauptsitz des Maritim-Filialisten und übertraf an drei Tagen alles, was awn an Events bisher organisiert hatte. Etwas Ähnliches startete heute in Berlin: In Adlershof wird die Eröffnung der neuen Filiale im Südosten der Hauptstadt gefeiert – wieder drei Tage lang, von Donnerstag bis Samstag.

float war vor Ort, als heute um 10 Uhr die Türen der neuen Filiale von Filialleiter Dirk Bogumil am Adlergestell 350 geöffnet wurden. Schließlich ist Berlin die einzige Stadt, wo das 1745 gegründete Handelsunternehmen mit zwei Standorten präsent ist. Wir trafen awn-Geschäftsführer Christoph Steinkuhl und sprachen mit ihm über Hamburg, Berlin und darüber, wohin A. W. Niemeyer steuert.

float: Wie ist das Resümee für die Hamburg Boat Show vor weniger als einer Woche?

Christoph Steinkuhl: Hamburg war noch einmal deutlich größer als bei der Premiere vor zwei Jahren, mit 43% mehr Ausstellern, 45% mehr Booten auf über 5.000 Quadratmetern. Die Messeparty am Samstag ging bis morgens um 4 Uhr. Seit Dienstag sind wir mit voller Mannschaft in Berlin – für die Eröffnung der Filiale an den nächsten drei Tagen.

Was ist besonders an diesem Standort?

Diese Filiale ist die erste von insgesamt zehn Filialen in Deutschland mit Wasseranschluss. Das bietet die Chance, hier auf dem Gelände in Adlershof ein Wassersportzentrum zu entwickeln. Wir sind im Dreieck von Köpenick und Treptow mit dem Müggelsee und der Dahme nach Osten. Und, über den Teltowkanal, der direkt hinter dem Geschäft fließt, nach Westen.

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Zu gewinnen gibt es ein Schlauchboot, einen Sportbootführerschein und Segelbekleidung © Kerstin Zillmer

Hier wollten wir hin. Wir wollten eine große Außenfläche und viele Boote. 600 Boote liegen hier im Winterlager, das sind ideale Voraussetzungen. Die Filiale hat 1.200 Quadratmeter offene Fläche – und damit auch Platz für unsere Ocean-Bay-Boote und Ocean-Craft-Motoren.

Hat A. W. Niemeyer regional unterschiedliche Sortimente?

Hier in Adlershof gibt es dasselbe Sortiment wie in Reinickendorf, denn wir bedienen mit unseren beiden Berliner Filialen die gleiche Kundschaft. Berlin ist eine starke Region für Motorboote, anders als in Hamburg, wo wir den ganzen Norden und die Segler bedienen.

Insgesamt haben wir 28.000 gelistete Artikel lagermäßig vorrätig. Und auch hier haben wir die neuen Produkte, die wir in Hamburg gezeigt haben.

Was sind hier die Highlights?

Wir zeigen in Adlershof die gesamte Palette der Ocean-Craft-Außenbordmotoren von 2,5 bis 60 PS – und wir sind komplett lieferfähig. Wir zeigen hier alle vier Aktionsboote erstmalig, und zum ersten Mal zusammen in einer Filiale.

Im März 2021 haben wir eine Limited Edition unserer Motorboote über Social Media vermarktet, die war in 96 Stunden ausverkauft. Wiederholt haben wir das im Juni, da waren es 72 Stunden. Das wollen wir in diesem Jahr wiederholen und toppen. Alles schreit nach Booten.

Wie und wo lasst ihr eure Motorboot-Range bauen?

Die Rümpfe kommen aus Polen und gehen zu unserem Werft-Partner RaJo-Boote in Wassenberg. Dort zwischen Köln und Düsseldorf werden die Boote endkonfiguriert. Mehr als 60% der Wertschöpfungskette findet in Deutschland statt, wir produzieren die Boote also „made in Germany“. 

Was ist die Zukunftsvision für awn?

Wir sind 277 Jahre alt, das prägt Kultur und Anspruch der Kunden. Wir bedienen heute die zweite und dritte Generation: Opa, Sohn und Enkel sind gleichzeitig Kunden. Das spiegelt sich auch im Datenstamm von 256.000 lebenden Adressen wider. Und die Kunden erwarten uns in der Nähe ihres Umfelds.

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Die ersten Gäste kommen mit Blumen © Kerstin Zillmer

Ich selbst bin seit 37 Jahren im Handel, ich stehe für Omnichannel, also die Kombination aus Filiale, online, Callcenter und Katalog. Studien sagen: Für den Freizeitbereich wird der Onlinemarkt stagnieren – hin zu mehr Filiale, egal in welchem Freizeitsegment. Am Wochenende will der Mensch sich mit seinem Hobby vor Ort belohnen: riechen, gucken, anfassen, beraten werden.

Menschen bleiben im Land, und sie kaufen ihr Equipment im Land. Je mehr Menschen Urlaub im eigenen Land machen, desto mehr konsumieren sie im Laden. In den Sommerferien kommt ein Drittel der Kundschaft von außerhalb: Tagesausflügler, Touristen, Urlauber.

Auch wir werden digitaler: awn ist kurz davor, einen neuen Online-Shop in einem weiteren Land zu eröffnen. Ich setze auf online, aber nur im Vierklang.

Wie geht es nach diesen Filialneustart in Berlin weiter?

awn braucht noch zwei Filialen innerhalb der nächsten 24 Monate. In der Mitte von Deutschland – im Gebiet Rhein-Main-Neckar – und in der Bodenseeregion. Ich verhandle dort schon mit Standorten.

Was macht euch besser als andere Anbieter?

Wir bauen auf 277 Jahre Erfahrung. Hier ist so viel Know-how, das über Generationen kommt. Wir haben viel auch aus unseren Fehlern gelernt. Durch unsere langjährigen Mitarbeiter, die 10 bis 20 Jahre dabei sind, kennen wir fast jeden unserer Kunden und können so sehr individuell beraten.

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Die awn-Belegschaft in der neuen Filiale © Kerstin Zillmer

Online kauft man Dinge, die nicht erklärungsbedürftig sind, aber Kleidung oder hoch erklärungsbedürftige technische Produkte funktionieren nicht im Internet. Unsere Berater sind sehr gut geschult und wissen viel über die Produkte, die sie verkaufen.

Wir alt ist die Käuferschaft?

Die klassische Kundschaft ist 40plus. In den letzten Jahren ist sie jünger geworden, weil sich mehr Menschen mit Wassersport beschäftigen. Die Zahl der Bootsführerschein-Aspiranten hat sich in den letzten zwei Jahren fast verdoppelt.

Wie bildet awn Mitarbeiter aus?

Im Verkauf gehen die Azubis in alle Filialen, sie lernen so unterschiedliche Standorte und Zielgruppen kennen, wie Motorboot und Segelboot. So entsteht auch „Community“ unter den Mitarbeitern.

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