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Die Bavaria-Modelle von 2018 sind weiterhin aktuell © Messe Düsseldorf Die Bavaria-Modelle von 2018 sind weiterhin aktuell © Messe Düsseldorf
Bavaria Yachts

Die neuen Pläne von Bavaria

100 Tage nach dem Neustart verrät der neue Investor im float-Gespräch, wie es bei Bavaria weitergeht: neue Strategie, neue Boote, neuer Stil.

von
float Redaktion
in
6 Minuten | 1 Kommentar

Nachdem Bavaria Yachts im Oktober 2018 durch den Finanzinvestor CMP übernommen wurde, hat sich die Situation der deutschen Serienwerft in den letzten 100 Tagen stabilisiert. Die Bänder laufen wieder mit voller Auslastung. Auf der boot Düsseldorf wird Bavaria seine aktuellen Modelle präsentieren.

Nach der überraschenden Insolvenz im April 2018 und einem länger dauernden Bieterkrimi kaufte CMP den Serien-Bootshersteller für einen zweistelligen Millionenbetrag. Das neue Management kündigte im Oktober an, man wolle zurückkehren zum einstigen Erfolgskonzept als Hersteller preiswerter Familienboote. Dazu soll ein weiterer zweistelliger Millionenbetrag in den kommenden Jahren investiert werden

float hat mit Bavaria-Geschäftsführer Dr. Ralph Kudla, Gesellschafter des Investors CMP und erfahrener Unternehmens-Sanierer, über den aktuellen Stand bei der Giebelstädter Werft, die bevorstehende boot Düsseldorf und die Pläne für die Zukunft des Unternehmens gesprochen.

Bavaria Yachts
Bavaria-Geschäftsführer Dr. Ralph Kudla vom Investor CMP © Kerstin Zillmer

Wie hat sich die Situation der Werft in Giebelstadt seit der Übernahme durch CMP entwickelt?

Dr. Ralph Kudla: Die Situation hat sich erwartungsgemäß und sehr gut entwickelt. Das ist nicht selbstverständlich. Wir sind weiter sehr zufrieden. Die Auftragsbücher sind soweit gefüllt, dass wir zusätzlich flexibles Personal benötigen. Wir haben mehr als 50 Zeitarbeitnehmer wieder an Bord, und wir wollen und werden uns auch in anderen Bereichen weiter verstärken.

Bavaria hat also zusätzlich zur Kernmannschaft wieder Zeitarbeitskräfte dazu genommen, die ja zuvor komplett abgeschmolzen worden waren?

Wir haben 550 Mitarbeiter übernommen, jetzt sind wir über 600. Für die Fertigung hat man in der produktiven Hochsaison immer auch Zeitarbeitnehmer, die man nicht das ganze Jahr über beschäftigen kann. Bei den Zeitarbeitnehmern schauen wir immer auch, wen wir übernehmen können. Wir haben mit mehr als 50 Zeitarbeitern einen sehr gesunden Mix im Vergleich zur Restbelegschaft.

Wie steht es im Augenblick mit der Auslastung?

Plakativ gesprochen sind wir im September bei Null gestartet. Per heute sind in der Werft mehr als 100 Boote in der Fertigung, angefangen von der Laminierung bis zur Auslieferung. In der Decks-Vormontage ist jeder Platz besetzt. Die Bänder 1, 2 und 3 sind voll belegt. Geht man heute durch die Produktion, sieht man wohl kaum einen Unterschied zu Bildern von vor anderthalb Jahren.

Bavaria Yachts
Volle Produktionsbänder 2017 © Kerstin Zillmer

Als Restrukturierungs-Experte kennen Sie verschiedenste Branchen und Unternehmen. Wie sehen Sie das Unternehmen Bavaria vor dem Hintergrund des Sanierungsbedarfs?

Bei einer Sanierung ist es immer wichtig, dass es einen gesunden Kern gibt, und dieser Kern ist bei Bavaria ganz klar gegeben – mit einer sehr starken Marke, die vielleicht ein paar Schrammen abgekriegt hat, aber weiterhin sehr, sehr stark ist. Dies ist auch der Kern unserer wohl überlegten Investitionsentscheidung gewesen. Ganz wichtig ist auch, dass es einen stabilen, leicht wachsenden Markt im Freizeitbootsbau gibt. Eine Disruption wie in anderen Branchen gibt es aktuell in diesem Markt nicht und ist auch nicht zu erwarten.

Themen wie die Produktion können wir selbst in die Hand nehmen. Dort wurden in den letzten Jahren Dinge vernachlässigt. Über den Markt ist eine zu starke Komplexität in das Unternehmen gekommen. Diese Komplexität versuchen wir jetzt zu reduzieren mit einer Besinnung auf die Stärken der Werft. Dazu gehören die Bootsgrößen der angebotenen Modelle, die optimalerweise hier nach Giebelstadt passen, und nicht darüber hinausgehen. Damit sind wir in einem Spektrum von 30 bis nicht ganz an die 60 Fuß.

Was ist spezifisch für eine Werftsanierung, und wie gehen Sie dabei vor?

Jedes Unternehmen ist individuell, und jede Branche ist speziell. Doch die Themen sind immer ähnlich: Es geht um die strategische Neuausrichtung. Es geht um die Produktpalette, die den Marktbedürfnissen entsprechen muss. Und es geht um Effizienzsteigerungen in der Fertigung. Die Instrumente dafür unterscheiden sich aber bei einer Sanierung und einer „normalen“ Unternehmensentwicklung nicht.

Die Produktpalette ist aktuell etwas zu weit gefasst, was in der Produktion Probleme macht. Deshalb gilt es, sukzessive Entscheidungen zu treffen, um ältere Bootsmodelle tendenziell auslaufen zu lassen und neue Produkte vorzustellen. Daran arbeiten wir.

Mitarbeiter von Bavaria Yachts
Motivierte Mitarbeiter direkt nach der Übernahme © Kerstin Zillmer

Viel wichtiger in einer Krisensituation ist, dass die Menschen, die hier arbeiten, wieder mitgenommen und motiviert werden. Das ist mit die größte Herausforderung – insbesondere nach zehn Jahren mit einer gewissen Desorientierung. Dazu involvieren wir die zweite Führungsebene.

Wir haben den Händlerbeirat gegründet, um unseren Kunden zu zeigen, wie wir arbeiten und woran wir arbeiten. Um das Vertrauen zu gewinnen, dass sich bei Bavaria etwas ändert. Wir verfolgen hier einen anderen Ansatz als die vorigen Private-Equity-Besitzer.

Für die Sanierung wesentlich ist, dass das Unternehmen komplett schuldenfrei ist. Bei den Vorbesitzern seit 2007 hatte Bavaria hohe Verbindlichkeiten, die das Unternehmen belasteten. Diese spezielle Restrukturierungssituation konnte bereinigt werden.

Wie sieht die aktuelle Modellpalette aus?

Wir haben die E-Linie nicht übernommen. Dadurch entfällt schon einmal Komplexität. Wir haben eine Bavaria Sport 29, Sport 30 und Sport 32 – auch hier wird man ausdünnen. Für uns ist es wichtig, Feedback vom Markt zu unseren Modellen auf der bevorstehenden Messe boot Düsseldorf zu bekommen.

Wir präsentieren kein komplett neues Modell, aber logischerweise ist kontinuierlich an allen Modellen gearbeitet worden. So ist die Elektronik verbessert worden. Auch die Segelyachten der Cruiser-Linie werden jetzt alle im Vakuuminfusionsverfahren gefertigt. Alle Bavaria-Modelle kommen mit der neuesten Motorengeneration.

Die Boote, die 2018 in Düsseldorf als Weltneuheiten vorgestellt wurden, haben ihr erstes Produktionsjahr hinter sich. Sie waren unter realen Bedingungen im Einsatz, und diese Erfahrungen sind in kleinere konzeptionelle Verbesserungen eingeflossen.

Die R55 von Bavaria Yachts
Die Bavaria R55 ist auch auf der boot Düsseldorf zu sehen © Messe Düsseldorf

Stichwort boot Düsseldorf 2019: Mit welchem Konzept präsentiert sich Bavaria auf der Leitmesse ohne neue Modelle?

Es wäre nicht realistisch, nach den Geschehnissen im Sommer jetzt ein neues Boot zu präsentieren. Jetzt geht es darum, wieder Vertrauen zu gewinnen und zu zeigen, dass wir da sind. Wir wollen erst einmal hinhören, was gebraucht wird. Dafür ist die boot Düsseldorf sehr wichtig.

Wir haben 16 Segel- und Motoryachten vor Ort, also einen guten Überblick über die gesamte Bandbreite. Davon hatten im letzten Jahr mit der C 45, der C 50 und der R 55 drei Boote Weltpremiere. Außerdem kommen eine Bavaria 707 von 1978, dem Gründungsjahr der Werft, im Retro-Fit, und die Nautitech 40 Open.

  • Bavaria YachtsR55 © Bavaria Yachts
  • Bavaria YachtsC45 © Bavaria Yachts
  • Bavaria YachtsC50 © Bavaria Yachts

Wir werden in Düsseldorf mit einer Kommunikationskampagne starten, die neu und spannend ist. Sie zeigt genau das, was Bavaria heute ausmacht.

Wie ist Ihre Neuheiten-Strategie, zeitlich und modellbezogen?
Neue Modelle werden wir 2020 in Düsseldorf zeigen können. Wir halten daran fest, dass ab dann zwei bis drei neue Modelle pro Jahr kommen werden. So werden sukzessive sicher die Cruiser-Linie und auch die Sport-Linie angepasst werden.

Wie ist die Resonanz rund 100 Tage nach dem Neustart? Was hören Sie von ihren Kunden, was hören Sie von ihren Händlern?

Hier gibt es durchweg positives Feedback. Es ist kein einziger Händler verloren gegangen. Die Kunden bestellen, wir sind also erwartungsgemäß gestartet. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, und die neueren Modelle kommen sehr gut an. Sonst hätten wir auch nicht schon wieder mehr als 50 Zeitarbeiter in der Fertigung.

Das ist nicht selbstverständlich, denn wir fertigen nur, wenn die Anzahlung auf das Boot geleistet worden ist. Und die Anzahlungen werden geleistet. Es besteht also schon wieder das Vertrauen. Das zeigt mir – und das ist im Rahmen der Erwartungen –, wie stark die Marke Bavaria ist. Außerdem lösen wir ein Versprechen ein: Die Liefertermine werden gehalten.

Nautitech gehört zu Bavaria Yachts
Die Nautitech 40, ein erfolgreiches, aktuelles Modell © Bavaria Yachts

Wenn ich auf der boot Düsseldorf eine Segelyacht oder ein Motorboot von Bavaria bestelle, könnte ich es noch in dieser Saison ausgeliefert bekommen?

Das ist ganz unterschiedlich – teilweise ja, teilweise nein. Im Vergleich zu unseren Wettbewerbern, die normal durch das vergangene Jahr gelaufen sind, können wir sicherlich noch etwas anbieten. Aber viel ist es nicht.

Es gibt das Argument in Bezug auf den Freizeit-Bootsbau, dass eine Werft ohne neue Modelle nicht auf die Füße kommen wird. Wie stehen Sie dazu?

Keine Werft kann sich auf alten Modellen oder einem Erfolgsmodell auf Dauer ausruhen. In diesem Preissegment wird das auch erwartet. Wenn man sich Motorboote anschaut, gibt es klare Trends wie die Motorisierung mit Außenbordmotoren. Dem stellen wir uns mit unserer Entwicklungsabteilung, und wir werden darauf unsere Antworten geben. Mit zwei bis drei Neuentwicklungen pro Jahr werden wir sukzessive immer eine aktuelle Modellreihe haben.

Für 2019 sind Sie unbesorgt?

Ja. Man muss sich ins Gedächtnis rufen, dass uns sechs Monate fehlen – von April bis September 2018. Im Grunde fühlen wir uns jetzt wie im Frühling. Nehmen wir die Bavaria C 45 oder die Bavaria C 50, die letztes Jahr in Düsseldorf vorgestellt wurden: Eigentlich haben wir hier brandneue Modelle. Es waren nur wenige Boote im Feld und es gab kaum Pressetests. Hier knüpfen wir jetzt wieder an. Jetzt sind wir lieferfähig, und die Boote sind nach der Messe mit vernünftigen Lieferzeiten verfügbar.

Ich weiß, dass die Erwartung nicht ist, dass Bavaria jetzt etwas Neues präsentiert, sondern dass wir wieder zuverlässig liefern. Darauf fokussieren wir uns auch. Parallel sind neue Entwicklungen angestoßen, und diese werden bald kommen!

Bavaria Yachts auf der boot Düsseldorf 2019
Halle 17, Stand A57-C80

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Allert Marin ist seit 2009 autorisierter Vertragshändler für Greenline-Motoryachten in Deutschland – und seit mehr als 20 Jahren Vertragshändler für Motoryachten und Segelyachten von Bavaria in der Havel-Region.

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