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Elmo © halloelmo Sarah und Matthias segeln mit Elmo © halloelmo
Unter Deck

Bei Buchtenbummlern unter Deck

Zeigt her eure Boote: Wir schauen bei den Segelaussteigern Sarah und Matthias unter Deck ihrer Bavaria Cruiser

von
float Redaktion
in
6 Minuten

Auf unseren Beitrag Zeigt her eure Boote bekamen wir viel Post, und noch so schöne! Sarah und Matthias, zwei junge Segelaussteiger, schrieben uns diesen wunderbaren Beitrag: „Wir hatten uns entschieden, eine eineinhalbjährige Auszeit an Bord zu nehmen und zogen mit all unserem Hab und Gut auf unser Schiff Elmo. Ok, jeder von uns hat noch ein paar Kartons bei den Eltern in Deutschland stehen. Und: Aus den anderthalb Jahren sind inzwischen zweieinhalb Jahre geworden. Erst war es so schön, dass wir nicht aufhören wollten. Und dann war es so mies, dass wir gesagt haben: So können wir es nicht enden lassen!“ Hier ist, von Bord ihrer Bavaria, ihre komplette Geschichte.

Zeigt her eure Boote
Matthias und Sarah nehmen eine Auszeit unter Segeln © halloELMO

Wir wollten kein Bastelboot, wir wollten unsere Zeit mit dem verbringen, wofür das Schiff gedacht ist – mit Segeln. Wollten Menschen, Länder und Kulturen kennenlernen und die Zeit gemeinsam genießen. Deshalb haben wir uns für ein Neuboot entschieden. Was unterm Strich nicht wirklich teurer war als ein junges gebrauchtes zu kaufen.

Zeigt her eure Boote
Bavaria Cruiser: Elmo im Abendlicht © halloELMO

Es gibt nur wenige Dinge, die wir hinzugefügt haben: Den Solarladeregler, den Inverter und eine zusätzliche 12-Volt-Steckdose, um nicht alle Kabel in der Gegend rumfliegen zu haben. Selbst die Solarpaneele sind flexibel und werden, wenn sie nicht gebraucht werden, weggepackt. Das ist auch häufig der Grund, warum wir nicht als Langzeitsegler, sondern eher als Charterer wahrgenommen werden – manchmal sehr interessant.

Zeigt her eure Boote
Kuscheltiere sind liebe Begleiter an Bord © halloELMO

An Bord ist uns der jeweils andere und unser Schiff wichtig. Man merkt schnell, worauf es ankommt, wenn man länger unterwegs ist. Es sind die Freunde und die Familie. Auch wenn wir uns nicht oft sehen und nur selten hören, fehlt es uns schon sehr, mit Leuten zu sprechen, die wir schon lange kennen. Und die uns und unsere Macken schon ewig kennen.

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Wäscheleinen im Salon © halloELMO

Der Kuckuck und die Wäscheleine

Die Wäscheleine hängt mittlerweile als Dauerlösung im Salon, denn im Herbst vorletzten Jahres war es schwer, die Wäsche draußen trocken zu bekommen. Unter Fahrt wollen wir auch nicht wie ein segelnder Wäscheständer aussehen, und so verschwindet alles im Salon. Gerade im Winter auf den Ionischen Inseln war das von Vorteil, weil uns die Luftfeuchtigkeit sehr zu schaffen gemacht hat. Jetzt haben wir unseren Luftentfeuchter. Der trocknet die feuchte Wäsche im Salon direkt mit.

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Kuckucksuhr ...
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... und Reise-Souvenirs © beide: halloELMO

Die Kuckucksuhr begleitet uns schon seit Ewigkeiten in verschiedenen Wohnungen. Der kleine silberne Anhänger von der Insel Formentera, den ich bei unserem ersten gemeinsamen Segeltörn kaufte, musste natürlich mit. Auf der Reise kommt immer wieder etwas hinzu. So wie die Federn, die ich auf dem Grundstück eines Albaners einsammelte, der auf Lefkas lebt und mir 40 (!!!) Eier von seinen Hühnern schenkte, während ich mich auf dem Nachbargelände um streunende Hunde kümmerte.

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Mit an Bord genommen: Familie und Freunde © halloELMO

Wir achten darauf, dass es nicht zu viel Gerümpel wird. Es muss immer einen emotionalen Wert mit einer guten Erinnerung haben – dann darf es vielleicht mitkommen. Die Fotowand hat es auch schon in unserer Wohnung in Köln gegeben. Es tut gut, sich die Fotos anzuschauen und so Freunde und Familie zumindest auf Fotopapier dabei zu haben.

Das Überflüssigste, was wir dabei haben, ist die Mikrowelle. Wir können an einer Hand abzählen, wie häufig wir sie in den letzten zwei Jahren benutzt haben. Nur bei Gewitter ist sie ganz praktisch, wenn wir gerade den Auflauf im Ofen haben. Rückblickend hätten wir sie gerne durch eine Dieselheizung ersetzt. Ihr Fehlen hat uns im Winter vom Buchtenbummeln abgehalten.

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Verzichtbar: Pantry mit Mikrowelle © halloELMO
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Unverzichtbar: Bad mit Elektrotoilette © halloELMO

Kleiner Schandfleck: die Achterschiffskabine

Eigentlich haben wir nichts zu meckern an unserer kleinen Bavaria. Nichts knarzt, man kommt überall hin, es ist superhell im Inneren. Alles ergibt irgendwie Sinn, außer die nicht vorhandenen Türfeststeller in der Vorschiffskabine und dem Bad. Das Bad ist recht großzügig, da wir die Zwei-Kabinen-Version der Bavaria Cruiser 37 unser Eigen nennen.

Dank der Sonderedition „Blue Edition“, die sich jemand auf der Messe vorbestellt hatte und nicht mehr haben wollte, haben wir eine Elektrotoilette, die wir mittlerweile auch nicht mehr missen wollen. Leider gibt es auch hier keine Haken zum Feststellen der Türe. Aber auch da kann man sich mit einem Gummiband und einem kleinen Bumper helfen.

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Rumpelkämmerchen
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Verbesserter Türanschlag © halloELMO

Unser kleiner Schandfleck, wenn keine Besucher da sind, ist die Achterschiffskabine, die wir mit viel Liebe zum Kämmerchen erklären, wenn kein Besuch auftaucht. Macht man die Tür zu, ist das ganze Übel auch gar nicht mehr zu sehen!

Was nicht fehlen darf

Wir benutzen iPad und iPhone, Navionics und den Ankeralarm, auch wenn die deutsche Seglerwelt nun nach Papierseekarten brüllt. Wir navigieren elektronisch, genügend Geräte, Redundanz und Strom stehen zu Verfügung. Ich setze auch gern noch einen drauf: Wir sind bekennende Bugstrahler!

Zeigt her eure Boote
Mit ausreichend mobilen Endgeräten asugestattet © halloELMO

Man entwickelt doch diese Technik, damit man sie benutzt, oder? 

Wir benutzen zum Beispiel auch Kettenhaken von Mantus. Da der Steven recht senkrecht nach unten läuft, haben wir lange nach einer guten Zugentlastung für die Kette gesucht – und zum Glück gefunden. Selbst heftige Stürme mit viel Schwell haben wir damit abgewettert! Zusammen mit dem neuen Dinghy und dem Bootshaken ist das für uns definitiv eine der sinnvollsten Anschaffungen!

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Zugentlastung mit Kettenhaken
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Bootshaken für Mooringtonnen © halloELMO

Unser Notfall-Button

In Valencia haben wir plötzlich den Motor nicht mehr anbekommen, und wir befürchteten schon das Schlimmste. Nach vielen Stunden Recherche haben wir festgestellt, dass es an einer kleinen, schwarzen MDI-Box liegt. Ein Fehler, der Volvo Penta wohlbekannt ist. Der Motor braucht diese kleine Box eigentlich nicht. Sie dient nur dazu, dass vom Cockpit aus der Magnetschalter für den Anlasser bedient werden kann.

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Motor: Finde die Box!
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Notfallknopf zum Motorstarten © halloELMO

Macht die Box allerdings Zicken, lässt sich der Motor nur noch kurzschließen – was man aber bei zwei Metern Welle und 30 Knoten Wind, mit zwei Schraubendreher bewaffnet, bestimmt nicht machen möchte! Der Mechaniker hat uns dafür einen Notfallbutton installiert.

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Sonnenaufgang auf dem Weg nach Zakynthos © halloELMO

Es ist sowieso total erstaunlich, wie wenig man wirklich braucht. Und gerade das ist es auch, was dieses Abenteuer für uns so reich macht! Zu wissen, dass all die Dinge, die man so kaufen kann, nicht ansatzweise so wertvoll sind wie die Erinnerungen, die man in seinem Herzen und Verstand trägt. Die Begegnungen mit Fremden, die zu Freunden werden, die Demut und Verbundenheit, die man unweigerlich gegenüber der Natur und deren Lebewesen annimmt.

Dass ein Boot dabei zu einem Zuhause wird, das die Seele der Menschen widerspiegelt, die darin leben, können wir definitiv bestätigen!

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Sarah am Ruder © halloELMO

Mehr schön bebilderte Abenteuer von Sarah und Matthias gibt es auf ihrer Website Hallo Elmo.

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