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Jean-Paul Chapeleau © Kerstin Zillmer
Wirtschaft

Beneteau baut um

Der größte Bootsbauer der Welt will effizienter werden. Jean-Paul Chapeleau, gerade noch Chef bei Jeanneau, wird Vize-CEO.

von
Stefan Gerhard
in
2 Minuten

Angesichts der erwarteten Wirtschaftskrise nach der Coronakrise baut der weltgrößte Freizeitboothersteller Beneteau sein Führungsteam um – und zwar schneller als eigentlich geplant. Der französische Konzern, der im April seine Werke zeitweilig schließen musste, setzt bei der Reorganisation auf bewährtes Personal. Eine Führungsrolle kommt dabei dem langjährigen Jeanneau-Chef Jean-Paul Chapeleau zu.

Aus der Vendee an die Konzernspitze

Als neuer stellvertretender CEO der Firmengruppe soll Chapeleau die Bootsabteilung über alle Marken des Konzerns hinweg „reaktionsfähiger und effizienter“ machen, heißt es in einer am Wochenende auf der Firmenwebsite verbreiteten Erklärung. Jean-Paul Chapeleau ist für die kürzlich gegründete Abteilung für vereinheitlichte industrielle Operationen und Entwicklung verantwortlich.

Erst Ende März, mitten im Corona-Lockdown, war er plangemäß als General Manager von Jeanneau und der Luxusmarke Prestige verabschiedet worden. Für Jeanneau ist der Manager aus der Vendee ein Glücksfall: Der Manager, der 1980 ins Unternehmen kam, war von 1992 bis 1999 maßgeblich am Aufbau der eigenen Bootsproduktion in Polen beteiligt. Dort werden die meisten Sportboote der Werftgruppe gebaut.

Beneteau Sea Trial Base
Premierenschau für Presse und Kunden auf der Beneteau Sea Trial Base © Beneteau

Künftig wird die neue Abteilung unter der Leitung von Jean-Paul Chapeleau alle Aktivitäten in allen Ländern abdecken, in denen die Gruppe tätig ist. Das entspricht der Strategie, die Firmengruppe auf Basis von Kernfunktionen zu führen und nicht entlang von Firmen und Marken. Und es klingt nach der Möglichkeit einer Plattformstrategie so wie bei der Automobilproduktion.

Im Sommer 2018 hatte Beneteau die für Wanderboote bekannte Delphia-Werft gekauft und sich damit Produktionsstätten für die eigenen Boote gesichert. Im selben Jahr übernahmen die Franzosen die slowenische Segelmarke Seascape, die seitdem unter dem Namen First weitergeführt wird.

Jean-Paul Chapeleau
Beneteau-Aufsichtsratssitzender Jérôme de Metz will mehr Synergien und Konsistenz © C. Charpin

Beneteau-Aufsichtsratssitzender Jérôme de Metz hatte im Februar angekündigt, das Unternehmen in Richtung Synergien und Konsistenz zu lenken. „Deutschland ist strategisch wichtig“, hatte Chapeleau 2016 im float-Interview erklärt. Die Menge macht’s: „Für Jeanneau liegt der Verkauf in Deutschland auf dem gleichen Niveau wie England und Frankreich.“

Antizyklisch investieren in der Krise

Nachdem Beneteau nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten eine umfassende Überprüfung seiner Aktivitäten vorgenommen hat, soll den Investoren am 11. Juli eine umfassende neue Strategie vorgestellt werden.

Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Krise den Startpunkt für weiteres Wachstum bei den Franzosen gibt. Nach dem Börsencrash 2009 hatte der Beneteau-Konzern antizyklisch investiert und die Entwicklung neuer Modelle und Baureihen mit Erfolg vorangetrieben.

Jean-Paul Chapeleau
Kleiner Bestseller: die Beneteau Oceanis 30 © Werft

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