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Vendee-Globe-Finisher Benjamin Dutreux wird Crewmitglied beim Offshore Team Germany © Jean-Louis Carli/Alea
Offshore-Segeln

Benjamin Dutreux verstärkt deutsches Offshore-Team

Das Offshore Team Germany holt Vendee-Globe-Finisher Benjamin Dutreux ins Boot. Los geht’s beim Ocean Race Europe.

von
Kerstin Zillmer
in
3 Minuten

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Das Quartett ist komplett. Der 31-jährige Benjamin Dutreux, der gerade die Vendée Globe erfolgreich beendet hat, verstärkt die Crew des Offshore Teams Germany. Das gab das Berliner OTG-Segelteam heute bekannt. Der französische Profi segelt Ende Mai erstmals gemeinsam mit Skipper Robert Stanjek, Annie Lush und Phillip Kasüske auf der „Einstein“ – als Navigator beim Ocean Race Europe. Es ist der sportliche Auftakt für die erste Ocean-Race-Kampagne unter deutscher Flagge seit dem „Illbruck“-Sieg vor fast 20 Jahren.

Der immer entspannt wirkende Benjamin Dutreux dürfte ein großer Gewinn für das Offshore Team Germany sein. Bei der Vendée Globe 2020/2021 segelte er mit seiner vier Generationen alten IMOCA ganz ohne Foils als Teil der Spitzengruppe auf Platz 9. „Dutreux war eine Offenbarung bei dieser Vendée Globe“, schreibt die Klassenvereinigung der Imoca auf ihrer Website. Entsprechend groß ist die Freude über den Teamzuwachs beim Offshore Team Germany.

Während der Vendée Globe war Benjamin Dutreux über Wochen fast auf gleicher Höhe mit Boris Herrmann, zeitweilig lag der Franzose auf Platz 5. Erfolgreich zu Ende gebracht hat der Segler sein Rennen um die Welt auf der „OMIA Water Family“ nach 81 Tagen und 19 Stunden, kaum mehr als 24 Stunden nach Jean Le Cam, Thomas Ruyant und eben Boris Herrmann. Und das als einer der jüngsten Teilnehmer auf einem Boot von Bruce Farr von 2007, das schon dreimal um die Welt segelte.

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Benjamin Dutreux
Benjamin Dutreux nach seinem Zieleinlauf bei der Vendée Globe © Jean-Louis Carli/Alea

Benjamin Dutreux bringt Hochsee-Erfahrung mit

Der im Norden Frankreichs geborene Dutreux ist auf einer Insel direkt vor der Atlantikküste aufgewachsen. Segeln war für ihn also immer da – zuerst mit Jolle und als Strandsegler. Als 13-Jähriger startete er auf seinen ersten Regatten. Zu Studienzeiten wechselte Benjamin Dutreux zu den J/80 und ins Fach der Match-Racer – ersegelt bei den Studentenmeisterschaften Europa- und Weltmeistertitel.

Obwohl er nicht die Kaderschmiede der französischen Hochseesegler durchläuft, wo jetzt Mini-Segler Lennart Burke Ozeanluft schnuppern darf, geht Dutreux seinen Weg. Beim Etappenrennen Solitaire du Figaro segelt er von 2015 als bester Rookie bis auf Rang 5 im Jahr 2018. Dann wechselt er aufs IMOCA-Format und lässt seinen Job als technischer Leiter der Katamaranwerft Sirena Voile ruhen. Nun also Offshore-Segeln unter deutscher Flagge.

20 Jahre nach dem Sieg der „Illbruck“ 2001/2002 geht erstmals wieder ein deutsches Team beim Ocean Race an den Start. Am 29. Mai startet das – nun komplette – Offshore Team Germany in Lorient zur ersten Regatta. Hier wird sich die internationale Offshore-Szene der Klassen Imoca und VO65 messen.

Zur Crew gehört neben Benjamin Dutreux und den beiden Deutschen Robert Stanjek und Phillip Kasüske, der im letzten Jahr  seine Olympiapläne begrub (nachzuhören in den float Originals), auch die zweimalige britische Weltumseglerin Annie Lush. Damit holt OTG viel Hochsee-Erfahrung ins Team.

„Ich bin nicht nur Solosegler“, sagt Dutreux. „Was mich anzieht, ist das Offshore-Segeln und neue Herausforderungen zu meistern. Dazu gehört auch die Sprachbarriere.“ Die Bordsprache dürfte eher nicht Französisch sein.

Die mediale Wirkung nutzen

„Ich freue mich, dass es jetzt tatsächlich real wird und endlich losgeht“, sagt Robert Stanjek, der nach seiner Olympia-Teilnahme 2012 im Starboot zum Hochseesegeln gewechselt war. Neun Jahre dauerte es, dass sich nun sein Traum erfüllen wird, mit einem deutschen Team an den Start zu gehen. „Uns ist sehr bewusst, dass wir das Rookie-Team sind“, sagt er. Trotz seiner Olympia-Karriere ist der 39-jährige Berliner extrem gespannt. „Es ist unser erster Auftritt in der Champions League des Offshore-Segelns!“

Offshore Team Germany
Das OTG hat die erste Bewährungsprobe beim Fastnet 2019 bestanden © OTG

Die mediale Wirkung, die von der gerade abgeschlossenen Vendée Globe ausging und die der große Erfolg von Boris Herrmann, dem Sieger der Herzen, dem Offshore-Segeln in Deutschland gebracht hat, will auch das Offshore Team Germany nutzen. „Wir nehmen durch die Vendée Globe natürlich die gesteigerte Aufmerksamkeit wahr“, so Michael End, der CEO des Offshore Teams Germany. Wie gut passt es da, einen Segler im Team zu wissen, der die große Runde gerade erst gesegelt ist.

Podcast mit Jens Kuphal am kommenden Mittwoch

🎧 Zu Gast bei den float Originals am kommenden Mttwoch (28. April 2021) ist Jens Kuphal, der Teamchef des Offshore Teams Germany. Wir sprechen im float-Podcast ausführlich über die Pläne und Vorbereitungen für die deutsche Ocean-Race-Kampagne. Einschalten oder vorab hier abonnieren!

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