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Zum Eierwerfen gegen die Brückendemontage lädt eine Gruppe auf Facebook ein © facebook
Update Rotterdam vs. Bezos

Bezos und die Brücke

Weil die Superyacht von Jeff Bezos nicht hindurchpasst, sollte eine Rotterdamer Brücke demontiert werden. Jetzt gab es eine Lösung.

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3 Minuten

Der Gründer des Onlineversands Amazon mit einem geschätzten Gesamtvermögen von etwa 200 Milliarden US-Dollar ist der zweitreichste Mann der Welt. Was macht man mit dem vielen Geld? Touristische, suborbitale Raumflüge mit der Blue-Origin-Rakete „New Shepard“ zum Beispiel. Und man kauft sich eine Megayacht. Diese 440 Millionen US-Dollar teure Segelyacht liegt aktuell in der Rotterdamer Werft Oceanco in Alblasserdam auf Kiel.

Im Juni 2022, so der Plan, soll das 127 Meter lange Schiff fertig sein und den Rotterdamer Hafen passieren. Wenn da nur die alte Eisenbahnbrücke nicht wäre, unter der der Dreimaster nicht drunter durchfahren kann, weil die Masten mehr als 46 Meter in den Himmel ragen. So hoch ist nämlich die Brücke.

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Das Industriedenkmal De Hef © elm3r / CC BY 2.0

Die 1878 für die Eisenbahn errichtete Brücke hat schon mehrfach Schaden erlitten. Ursprünglich als Drehbrücke ausgeführt, erwies sich diese Konstruktion bald als Hindernis für die Schifffahrt. Als 1918 das deutsche Schiff Kandelfels die Drehbrücke von ihrem Stützpfeiler rammte, wurde sie durch eine Hubbrücke ersetzt, daher der Name „de Hef“ (Hub). 1978 gab es einen weiteren Unfall, der den Bahnverkehr für Monate lahmlegte. Schließlich wurde die Brücke durch einen Tunnel ersetzt und damit selber lahmgelegt.

Heute ist de Hef ein geschätztes Industriedenkmal und ein „Reichsmonument“, nachdem die Rotterdamer Bevölkerung gegen den Abriss protestierte und sich durchsetzte. Nach einer Renovierung 2017 versprach die Stadt der Bevölkerung, dass die Brücke nun nicht mehr um- oder gar abgebaut werden sollte.

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Und nun kommt Bezos mit seiner Megayacht

Der Brückenverantwortliche Marcel Walravens sieht keine andere Möglichkeit, als die Brücke zu demontieren. Um eine Durchfahrt der Segelyacht zu ermöglichen, würde die Brücke nicht demoliert, sondern temporär zurückgebaut, betont er. „Aus wirtschaftlicher Sicht und im Hinblick auf die Erhaltung von Arbeitsplätzen hält die Gemeinde dieses Projekt für sehr wichtig.“

Sicherlich winkt da die Werft und mit ihr Bootseigner Bezos mit einem üppigen Honorar. Aber die Rotterdamer sehen das anders. „Jeff Bezos hat sein Geld mit strukturellem Personalabbau, Steuerhinterziehung und Umgehung von Vorschriften verdient“, ärgert sich der Sprecher der Partei GroenLinks. „Und jetzt müssen wir unser wunderschönes Nationaldenkmal abreißen? Das geht wirklich zu weit!“

Inzwischen entlädt sich der Ärger auch auf den sozialen Plattformen. Auf Facebook wurde eine Gruppe gegründet, auf der zum Eierwerfen gegen die „Auswüchse des Megakapitalisten“ Bezos aufgerufen wird. Initiator Pablo Strörmann schreibt zur geplanten Demontage der Brücke: „Rotterdam ist aus dem Schutt wiederaufgebaut worden von Rotterdamern, und das nehmen wir nicht einfach so auseinander.“ Die Zusagen zum Eierwerfen sind inzwischen auf 3.700 gestiegen, 13.000 Personen zeigen sich interessiert.

Bürgermeister erst unentschieden

Gleichzeitig hat letzten Donnerstag der Bürgermeister von Rotterdam, Ahmed Aboutaleb, erklärt, dass die Entscheidung, die Brücke zu demontieren, noch nicht endgültig gefällt sei. Bislang gebe es nicht einmal einen Antrag auf eine Genehmigung, sagte er dem Algemeen Dagblad.

Aber irgendwie muss das Schiff aus der Werft. Möglicherweise werden die Masten ja erst später gestellt, vermuteten wir hier auf float bereits im Februar. Ein bisschen Zeit bleibt noch, zum Eiersammeln oder um eine bessere Lösung zu finden. Und so kam es auch, am 2. August, gut zwei Monate nach dem ursprünglich anvisierten Termin.

Ganz ohne Masten und Massenprotesten verließ das halbfertige Schiff im Morgengrauen seinen Liegeplatz bei der holländischen Oceanco-Werft. Außer ein paar Hafenschlepper-Seeleuten war fast niemand auf den Wasserstraßen von Rotterdam unterwegs, als die Segelyacht zur Greenport-Werft etwas weiter flussabwärts verholt wurde.

Dort werden die Masten nun gestellt. In nur drei Stunden – Start war um drei Uhr morgens – flitzte der halbfertige Kasko durch die Häfen Rotterdams.

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