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Ein ausgeruhter und gut gelaunter Boris © Boris Herrmann / Seaexplorer
Vendée Globe 2020

Boris fliegt an die Spitze

Die neuen Wetterbedingungen sind perfekt für Boris Herrmann. Aktuell liegt er schon auf Platz 6 mit deutlichen Chancen auf einen vorderen Platz.

von
Kerstin Zillmer
in
2 Minuten

Ich habe von diesem Moment geträumt, schreibt Boris Herrmann gestern: „Wärme, mittlerer Wind von achtern, kein Hämmern, Knallen oder Krachen. Keine Angst, dass das Boot oder die Segel reißen.“

Seit gestern Nachmittag kann Boris mit der Seaexplorer unter den für sie optimalen Bedingungen Strecke machen. Er hat sich bereits um zwei Postionen nach vorne geschoben. Boris kann die Foils wieder einsetzen – und er fühlt sich im Atlantik, der ihm weit besser bekannt ist, sicherer als im Südmeer. „Von hier bis fast zu den Azoren haben wir schöne bis überschaubare Bedingungen. In 12 Stunden sind die Temperaturen von zwei Schichten auf T-Shirt gestiegen“, schreibt er zufrieden.

Boris kann sich endlich fallen lassen, schlafen und das Rennen genießen nach einem Monat im Southern Ocean, der nicht nur ihm den wenigen Schlaf geraubt hat wegen der schwer voraus zu sehenden Wettersituationen. Seine umsichtige Vorgehensweise zahlt sich jetzt aus, denn das Boot ist, bis auf den Riss im Segel vor Kap Hoorn, den er reparieren konnte, heil geblieben.

Zuletzt hat ihm das Tief mit kurzer, hackiger See, das er gerade hinter sich gelassen hat, noch einmal ordentlich zugesetzt. Boris schreibt: „Bitte nicht hier. Das ist die letzte Anstrengung. Mein liebes Boot, halte durch. Nur 24 Stunden und wir haben ein oder zwei Wochen entspanntes Segeln.“

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Day 63 - Boris' TV Interview with ZDF (German)

Seine Bitte wurde erhört, sein Boot hielt durch. Aber nicht alle haben das letzte Tief gut überstanden. Isabellte Joschke musste am Samstag wegen Problemen am Kiel endgültig aufgeben. Der Haupthydraulikzylinder ihres Boots, der schon vor Tagen brach und den sie ersetzen konnte, ist im letzten Sturm mit über 35 Knoten erneut gebrochen. Die Wettfahrtleitung der Vendée Globe hatte sie permanent auf dem Schirm, denn der lose Kiel kann für die Skipperin und ihr Boot MASF gefährlich werden.

Für Boris Herrmann sind die Bedingungen im Moment perfekt. Abgesehen von Treibholz und anderen UFOs gibt es in diesen Breiten kein hohes Risiko, dass etwas kaputt geht. Dafür hat er außerdem das Vorausschausystem Oscar installiert, dass unter Wasser Objekte peilen kann.

Seaexplorer
Endlich die richtigen Bedingungen um die SeaExplorer zum Fliegen zu bringen! © Boris Herrmann / Seaexplorer

Was man jetzt an den veränderten Positionen im Feld sieht, ist dem Unterschied der neuen und alten Foils geschuldet. Die neuen sind unter gleichen Wetterbedingungen immer 3-5 Knoten schneller als die älteren. Boris hat also sehr gute Chancen, jedes Boot ohne oder mit alten Foils vor ihm zu überholen.

Will Harris setzt außerdem große Hoffnung in die Passatwinde. Die Malizia ist eine der schnellsten Boote bei den Fetching-Winkeln (also bei 70 bei 90 TWA), weil sie im Vergleich zu den neueren Booten so breit ist. 3.000 Seemeilen bei diesem Halbwindkurs könnten erstaunliche Wirkung haben, meint er heute. Möge Boris unter diesen Bedingungen an die Spitze fliegen!

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