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Boris Herrmann kurz nach der Kollison seines Boots mit einem Fischtrawler © Boris Herrmann Racing
Vendée Globe 2020

Boris Herrmann kollidiert mit Fischtrawler

Wenige Meilen vorm Ziel wird Boris Herrmanns Rennboot stark beschädigt – nach 80 Tagen Weltumseglung.

von
Kerstin Zillmer
in
3 Minuten

Gestern Abend um 20:50 Uhr deutscher Zeit kollidierte Boris Herrmann nach 80 Tagen Weltumseglung nah der französischen Küste auf dem Atlantik mit einem Fischtrawler. Der 39-jährige Profisegler blieb unverletzt. Der Hamburger ist der erste deutsche Teilnehmer der Vendée Globe, die als härteste Regatta um die Welt gilt und nur alle vier Jahre ausgetragen wird. Vor der Kollision lag er auf dem dritten Platz.

Durch die Kollision wurde seine Rennyacht vom Typ Imoca 60 schwer beschädigt. Boris Herrmann selbst blieb unverletzt, auch auf dem Fischkutter gab es keine Verletzten. „Plötzlich sah ich eine große Wand neben mir, die Schiffe verhakten sich, ich hörte Männer rufen“, berichtete der Segler in einem kurzen Video von Bord. Nun wird Boris Herrmann gegen 11 Uhr morgens am heutigen Donnerstag am Zielpunkt erwartet.

Boris Herrmann
Der ramponierte Bugkorb © Boris Herrmann / Seaexplorer-YC de Monaco
Boris Herrmann
Das defekte Foil © Boris Herrmann / Seaexplorer-YC de Monaco

Zum Glück drang kein Wasser ein

Herrmann hatte zuvor im Cockpit geschlafen. Der Gennaker hatte sich im Ausleger des Trawlers verhakt. „Das war ein wirklicher Schockmoment.“ Zum Glück drang kein Wasser ein. Der Bugsprit seines Schiffs brach ab, das Vorsegel zerriss, einer der Foils wurde beschädigt, aber nicht der Foilkasten. Gefährlicher ist, dass auch die Steuerbord-Want der „Seaexplorer“ abriss, jener Leine also, die den Mast seitlich gegen Umfallen sichert. „Ich habe tief durchgeatmet und mich an die Arbeit gemacht.“

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„Boris
© Boris Herrmann / Seaexplorer-YC de Monaco
Boris Herrmann
© Boris Herrmann / Seaexplorer-YC de Monaco

In den Stunden nach der Kollision arbeitete Herrmann fieberhaft daran, die Want zu ersetzen. In einer Videobotschaft berichtet er von der Kollision. „So etwas habe ich auf See noch nie erlebt“, sagte er, sehr gefasst wirkend. „Aber das Wichtigste ist, dass niemand verletzt wurde.“

Boris Herrmann kann sich nicht erklären, warum es zu dem Unglück kommen konnte. Alle Alarmsysteme waren angeschaltet und komplett funktionstüchtig, als die „Seaexplorer“ kollidierte. Möglicherweise hatte der Trawler sein Ortungssystem AIS nicht angeschaltet.

Das Rennboot des Hamburgers hat ein Antikollisionssystem an Bord, das solche Schäden eigentlich vermeiden soll. Der Fokus liegt dabei eher auf UFOs, halb unter Wasser schwimmenden Objekten wie über Bord gegangenen Containern.

Unterdessen ist Charlie Dalin, der das Rennen über weite Strecken anführte, als erster Segler über die Ziellinie gesegelt. Das Ergebnis ist aber weitehrin offen, da noch verschiedenen Zeitgutschriften eingerechnet werden.

Schaden am Steuerbord-Foil

Der Skipper berichtet von einem Schaden an seinem Steuerbord-Foil und einigen anderen Schäden. Nach Auskunft aus dem Team hat der deutsche Segler das Boot gesichert und fährt nun mit reduzierter Geschwindigkeit in Richtung Ziellinie.

Seaexplorer-Navigator Will Harris, der gleichzeitig das Vendee-Globe-Finale live mit der sechsmaligen Weltumseglerin Dee Caffari kommentiert, zeigte sich bestürzt, dass trotz aller Vorsicht nach mehr als 99,6% der absolvierten Strecke ein solches Unglück eintritt. Seit der Kollision ist Boris Herrmann mit deutlich reduziertem Tempo unterwegs, kurz vor Mitternacht mit 7,3 Knoten.

Auch Profisegler Tim Kröger, der das Rennen für den NDR kommentiert, rang um Fassung: „Das ist eine Katastrope. Das Schlimmste, was einem passieren kann. Ich hoffe, dass alle glimpflich davongekommen sind und Boris noch nach Les Sables-d’Olonne humpeln kann.“ Vor der Atlantikküste sind sehr viele Boote unterwegs.

Keine fremde Hilfe annehmen

Das Herausforderung im Augenblick ist, dass Boris Herrmann keine fremde Hilfe annehmen darf, um im Rennen zu bleiben. Auch sein Team konnte nicht auslaufen, um ihn zu unterstützen. Der Skipper hatte während der Einhandregatta mehrfach Macgyver-Qualitäten gezeigt und Schäden am Boot auf hoher See repariert. So musste er im Southern Ocean in den 29 Meter hohen Mast klettern, um ein gefährliche Aktion im Masttopp auszuführen – trotz Höhenangst.

Trotz einer Zeitgutschrift von sechs Stunden wegen der Rettung des havarierten Seglers Kevin Escoffier kostet der Zwischenfall Boris Herrmann die entscheidenden Stunden, die ihn von einem sicheren Podiumsplatz trennen.

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