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GGR-Segler Abhilash Tomy Abhilash Tomy im Krankenlager auf der Insel Amsterdam © PPL/GGR
Golden Globe Race

„Das Meer war die Hölle“

Abhilash Tomy gibt das erste Interview nach seiner Rettung aus dem Southern Ocean und erzählt, was genau an Bord geschah.

float Redaktion
von in
3 Minuten

Als Abhilash Tomy vergangene Woche nach Mastbruch beim Golden Globe Race 2018 im Sturm 1.900 Meilen von der nächsten Küste entfernt geborgen wird, hat er ein viertägiges Martyrium hinter sich. Der Hindustan Times berichtete der 39-jährige im ersten Interview nach der Rettung von seinem Schiffbruch im Southern Ocean: „Es war so schlimm. So einen Sturm habe ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen.“

Vier Tage nach seiner Bergung und der Ankunft auf der Insel Amsterdam spricht Tomy per Satellitentelefon mit der indischen Tageszeitung. Eine andere Form der Kommunikation wäre kaum möglich gewesen. Denn die französisch verwaltete Insel, wo Tomy sich erholt, gehört zu den abgelegensten Orten der Erde. 70 Stunden trieb der bis dahin Drittplatzierte des Golden Globe Race 2018 im Meer, bevor er durch das französische Patrouillenboot „Osiris“ spektakulär gerettet wurde. Inzwischen wurde Abhilash Tomy ist von einer indischen Fregatte abgeholt und ist auf dem Weg nach Hause.

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Tomy wird mit einem Schlauchboot abgeborgen © PPL/GGR

„Bei der ersten Kenterung wurde ich von den Füßen gefegt. Ich stürzte zum Mast hinunter und klammerte mich an ihn. Ein paar Sekunden später, als das Boot sich wieder aufrichtete, hing ich an der Spitze des Masts“, sagt Abhilash, den ein Nonstop-Schluckauf am Sprechen hindert. „Der Schluckauf hat seit dem Unfall nicht aufgehört. Ich habe deshalb Probleme zu sprechen.“

Nur der Beginn des Alptraums

Die Kenterung war nur der Beginn eines Alptraums, der Tomys Ausdauer und Willenskraft für die nächsten drei Tage auf die Probe stellen sollte. Als er von der Spitze des Masts fiel, verfing sich seine Uhr in einem Drahtseil. Als der Mast sich wieder in die Senkrechte bewegte, hing Tomy mit dem gesamten Gewicht an einer Hand bis wenige Sekunden später das Band seiner Armbanduhr riss. So berichtet es der Gerettete der Hindustan Times.

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Die Replika Thuriya vor den Kanaren © Christophe Favreau/PPL/GGR

Der indische Segler war gewarnt: Wind und Wellen bis zu 10 Metern sind zuvor vorhergesagt worden. Abhilash Tomy war dennoch überrascht, dass es mit Windgeschwindigkeiten um 150 km/h und 14 Meter hohen Wellen viel schlimmer kam. Das sei kein Sturm gewesen, sondern eine „Bestie“, so Tomy. „Ich musste alle Segel auf dem Boot reffen. Der Wind war so stark, dass ich das Boot nicht steuern konnte. Ich habe jeden Trick probiert, nichts hat funktioniert.“ Aber damit nicht genug: Über ihm bildete sich ein Zyklon, „und ich war mittendrin“. Die anderen aus dem schon dezimierten Teilnehmerfeld des Golden Globe Race 2018 kamen mit einem blauen Auge davon.

Dreimal vom Sturm umgeworfen

Als Abhilash Tomy zum zweiten Mal kenterte, sei der Ausleger gebrochen. Es passierte, als er gerade versucht hat, den Generator fit zu machen. Als das Boot zum dritten Mal vom Sturm umgeworfen wurde, wurde es an anderer Stelle gefährlich. „Der Gasherd war abgerissen und hing am Schlauch der Flasche“, so der Segler. „Ich hob ihn irgendwie an und stellte den Ofen wieder auf.“ Dann schaltete er die Gaszufuhr ab

Kaum hatte er das getan, konnte er riechen, wie Diesel in das Boot, direkt neben dem Motor, auslief. „Ich konnte das nicht beheben“, so Tomy. Entkräftet habe er sich hingelegt, während sich sein Boot drehte: „Ich konnte hören, wie Teile des Mastes gegen das Deck schlugen.“ Unter Schmerzen habe er das Funkgerät erreicht und den Notrufsender aktiviert, um eine Nachricht abzusetzen.

„In diesen 70 Stunden habe ich nicht nachgedacht. Das habe ich mir im Laufe der Jahre selbst beigebracht.“ Wie gut es Abhilash Tomy nach seiner Tortur schon wieder geht, zeigt sein letzter Satz im Interview mit der indischen Tageszeitung: „Ich bin sehr verärgert darüber, dass ich aus dem Rennen ausgeschieden bin.“

Die Karawane segelt weiter

Gregor McGuckin, der wie Tomy von seiner im selben Sturm entmasteten Segelyacht geborgen wurde, hat bereits wieder Festland unter den Füßen. Der 32-jährige irische Segler wurde von einer australischen Fregatte in Perth abgesetzt, wo ihn seine Lebensgefährtin erwartete. „Ich hatte nicht geplant, dass Australien mein Zielhafen werden würde. Im Moment könnte ich aber nicht glücklicher und dankbarer sein.“ Er wolle jetzt über seine Erfahrungen nachdenken.

Gregor McGuckin

Gregor McGuckin hat das Rennen ebenfalls abgebrochen © Christophe Favreau/PPL/GGR

Der führende Segler des Golden Globe Race ist der 73-jährige Jean-Luc Van Den Heede. Er wird diesen Freitag in Storm Bay auf Tasmanien erwartet. Dort wird der Franzose als Erster der verbliebenen acht Segler einen kurzen Zwischenstopp einlegen. Das Boot darf er dabei nicht verlassen.

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Van den Heede führt mit großem Abstand das Feld © Christophe Favreau/PPL/GGR

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