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Langsam schließen sich die Lücken © Leo Sampson
Refit-Projekt

Das Plankenkleid der Tally Ho

Die Lücken in der Außenhaut der Tally Ho wachsen Planke für Planke zu, bald ist der Rumpf fertig.

von
Tommy Loewe
in
4 Minuten

Seit Mitte Januar haben wir nichts mehr von der Beplankung der Tally Ho gehört. Leo war krank, manche Kollegen hatten frei und der Riggplan musste erstellt werden. Währenddessen ist die Arbeit an der Außenhaut der Kutterjacht von 1909, die Leo Sampson mit seinem Team in Sequim/Washington wieder aufbaut, weiter gegangen.

Langsam schließen sich die Lücken. Leo hat so viel gefilmt, dass er gleich zwei Episoden präsentiert. Vor fünf Wochen waren erst 36 von 108 Planken fest genietet, jetzt ist es umgekehrt: Es fehlen nur noch 36.

  • Tally Ho PlankenkleidEs fehlen nur noch 36 Planken © Leo Sampson
  • Tally Ho PlankenkleidDas Fenster im Rumpf schliesst sich © Leo Sampson
  • Tally Ho PlankenkleidDie Arbeitsprozesse wiederholen sich © Leo Sampson

Testen bis die Niete bricht

Ein befreundeter holländischer Schiffbauingenieur hat die Statik der Tally Ho berechnet. Leo möchte jetzt wissen, was die Nieten aushalten, vor allem im Bereich der zentralen Bodenwrangen, die Kiel und Spanten verbinden und an denen der Ballastkiel hängt. Zunächst hängt er einfach immer mehr Gewicht an ein Niet, hebt mit dem Gabelstapler an und lässt es ein Stück fallen.

Leo vor Gabelstapler
Der archaische Gabelstapler- Nieten-Test von Leo © Leo Sampson

So kommt Leo auf eine Bruchlast von über einer halben Tonne – Scherfestigkeit sowohl als auch Zugfestigkeit bei den Kupfer-Nieten mit handgeschmiedetem Kopf. Die Profis bei dem Hebegurte-Hersteller OSP Sling in Sequim haben eine 250 t Zugtestanlage. Hier erreichen die Nietverbindungen sogar eine Bruchfestigkeit von 1,1- 1,8 t. Das ist Ausreichend für Tally Ho. Dabei ist die Verformung vor dem Bruch sehr gering.

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Was macht Tally Ho‘s Beplankung besonders?

Tally Ho‘s Planken sind im oberen Bereich mit etwa 10-12 cm verhältnismäßig schmal. Dadurch lassen sich die einzelnen Planken einfacher anbringen. Sie bekommen wo nötig einen leichten Hohlschliff an der Innenseite, damit sie genau an den engstehenden Spanten anliegen.

Einseitig sind sie mit einer Schmiege (bevel) versehen, der sie genau an die untere Planke anpasst, oben sind sie rechtwinklig und mit einer Kalfatnaht über zweidrittel der Dicke versehen. Das erzeugt zwar mehr Kalfatarbeit, aber die ganze Außenhautstruktur erhält eine festere Struktur und die schmaleren Planken schrumpfen weniger beim Trocknen.

Leo mit Planke
Leo erklärt seine Planken-Philosophie © Leo Sampson

Das Holz und die Dampfkiste

Das meiste Plankenholz ist Wana-Holz (Red Louro), das Leo aus nachhaltiger Forstwirtschaft in Surinam gekauft hat. Schonend in einer selbstgebauten Darre getrocknet, hat es immer noch einen gewissen Feuchtigkeitsgehalt, den Leo nicht misst. Er verlässt sich lieber auf sein Gefühl. Das Holz ist sehr geschmeidig und lässt sich ohne es zu dämpfen verarbeiten. Das liegt an der Restfeuchte, an der einfachen Rumpfform der Tally Ho und nicht zuletzt an Leo‘s Plankenplan, der schmale Planken bevorzugt, wie er nicht ohne Stolz erklärt. Rosie, die Auszubildende, lernt jetzt auch das Ausschneiden der Planken – ein Job, an den Leo sonst nur Pete lässt.

  • Rosie und PeteDas Holz ist sehr geschmeidig © Leo Sampson
  • RosieRosie, die Auszubildende, lernt jetzt auch das Planken ausschneiden © Leo Sampson
  • PlankeHier lässt Leo normalerweise nur Pete ran © Leo Sampson

Das Kalfatern

Pete erklärt, dass bei der glatten Karweelbeplankung der Tally Ho jede Planke auf einer Seite eine Kalfatnaht bekommt. Sie wird auf etwa 20 mm der Plankenstärke keilförmig abgeschrägt, so dass ein 5 mm breiter Schlitz entsteht. Pete hat dafür ein Spezialwerkzeug entwickelt, das diese Arbeit „super-easy and super-fast“ macht.

Wenn der Rumpf fertig aufgeplankt ist, wird er weiter auftrocknen, auch wenn er nach dem Einsetzen der Stopper- oder Schlussplanke (shutterplank) innen dicht ist. In die Kalfatnaht wird mit speziellen Kalfateisen und -hämmern geölte Baumwolle und Werg (oakum) eingetrieben, ein Handwerk, das heute nur noch wenige Boots- und Schiffbauer beherrschen.

Pete
Pete und die Kalfatnaht © Leo Sampson
Pete
Kalfahtnaht fräsen © Leo Sampson

Auf das Kalfat wird von einigen Bootsbauern Lack gestrichen und die Naht mit unterschiedlichen Dichtmassen wie Pech, Kitt oder modernen Gummis geschlossen. Dadurch wird nicht nur der Rumpf gedichtet, es gibt dem ganzen Boot auch Steifigkeit, da die Planken besonders fest aneinander gepresst werden. Im Wasser quillt das Holz weiter auf und das soll so sein. An Land oder in beheizten Hallen sollten Holzboote deshalb nicht allzu lange stehen.

Die Whisky Planke

Wenn die letzte Stopperplanke gesetzt ist, darf gefeiert werden. Daher nennt man die letzte Planke die Whisky-Planke. Als Leo das Video abschließt, sitzt Planke 70 – und es bleiben noch 34 Stück bis zur Schlussplanke. Rosie, Pete, Matt, David und Rowan sind weiterhin mit Begeisterung dabei und lachen sicher auch, wenn die Kamera nicht läuft. Sie werden von Tag zu Tag schneller und es macht Spaß, ihnen bei der Arbeit zuzusehen.

  • Matt schnitztMatt schnitzt einen Spiekerpint © Leo Sampson
  • SpiekerpintDie Holznägel werden in Schraubenlöcher eingesetzt © Leo Sampson
  • RowanDas Spezialwerkzeug zum Laschen-Nieten © Leo Sampson

Auch bei kleinen Jobs wie dem Einsetzen von Spiekerpints (Holznägel) in Schraubenlöcher oder dem Bauen einer Spezialzwinge zum Festnieten der Laschen an den Plankenstößen. Das Nietkopf-Hämmern nennen sie „peening“ zu deutsch: Dengeln. Immer wieder lässt Leo Rosie und die Jungs in die Kamera sprechen und filmt sie und seinen kleinen Zoo von Hühnern, Hunden und Pancho der Papageiendame, so dass die Videos nie zu technisch wirken.

Tally Ho
Pancho wacht über die Werft © Leo Sampson

Hier könnt ihr das Tally-Ho Projekt unterstützen.

Planking the Hull - Part 1 (Rebuilding Tally Ho / EP91.1)

Planking the Hull - Part 2 (Rebuilding Tally Ho / EP91.2)

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