float Magazine

Viel Spaß beim Basiskurs bei Free Spirit Sailing © Kerstin Zillmer
Segeln in Kroatien

Den Kopf frei segeln

Bei der Segelschule Free Spirit Sailing in der Inselwelt von Kroatien ticken nicht nur die Uhren anders.

von
Kerstin Zillmer
in
7 Minuten

„Luff up to close hauling!“ Ivan steht am Heck der Seascape 18 und gibt die Kommandos. „And now: Ready to tack? Let’s tack!“ Das Wenden läuft schon wie am Schnürchen. Taja, Ivans Schwester, sitzt an der Pinne und hat die Segelfäden – die „tell-tales“ – beim Anluven fest im Blick, meine Tochter Luzie zieht das Groß an, ich bin Vorschoterin. Wir segeln am Wind, wenden, fallen ab, halsen.

Read the english version ??

Ivan ist zufrieden mit unseren Manövern und wir haben viel Spaß. Vor vier Tagen wussten meine beiden Mitseglerinnen weder, woran sie ziehen sollten, noch von wo der Wind weht. Jetzt reicht der Blick auf die zappelnden Fäden am Vorsegel und Taja korrigiert den Kurs.

Free Spirit Sailing
Ivan ist ein sehr erfahrener Segellehrer © Kerstin Zillmer

Das Gefühl, wir könnten alles schon

Mit seiner freundlichen und entspannten Art gibt Ivan die Kommandos so, dass er der Crew das Gefühl vermittelt, sie könnte alles schon. Klappt das Manöver nicht gleich, wiederholt der 42-jährige Kroate mit wildem Haar und breitem Grinsen das Gesagte einfach. Wir lernen ohne Anstrengung, jede in ihrem Tempo. Anders geht es nicht, sagt Ivan, sonst blockieren die Schüler.

___STEADY_PAYWALL___

Der Basis-Segelkurs besteht aus fünf Tagen – mit zwei Einheiten auf dem Wasser von je zwei Stunden und einer Stunde Theorie. Mit der Theorie starten wir morgens um 9:30 Uhr in der Schule, entspannt nach Espresso und Croissant in der Bar am Hafen.

Free Spirit Sailing
Konzentrierte Theorie am Morgen … © Kerstin Zillmer
Free Spirit Sailing
… in entspanntem Ambiente © Kerstin Zillmer

In der Segelschule Free Spirit Sailing sitzen wir in bequemen Sofas. Ivan steht an der Tafel und zeichnet die Manöver im Uhrzeigersinn auf: Tack, close hauling, reaching, broad reaching, gybe … Wir lernen den wahren Wind kennen, Vorfahrtsregeln und die vorherrschenden Winde der Region. Ivan konzentriert sich auf das Wesentliche. Er fragt nach, ob alle mitkommen, und lacht viel. Wir knobeln an Knoten, bis jede einen Palstek und einen Webeleinstek aus dem ff kann. Easy.

Free Spirit Sailing
Knoten üben … © Kerstin Zillmer
Free Spirit Sailing
Klappt doch! © Kerstin Zillmer

Genau im Zentrum, und rundherum Ruhe

Free Spirit Sailing liegt genau in Zentrum des Hafens von Jezera auf Murter in der dalmatinischen Inselwelt. Hier liegen vor allem die traditionellen Gajetas, Fischer-Segelboote, die schon lange keinen Mast mehr haben und heute mit kleinen Dieselmotoren betrieben werden. Dazwischen dümpeln Segel- und Motorboote von Einheimischen und Touristen, beide meist älteren Datums.

Auf der einen Seite schließt der Hafen mit der ACI-Marina ab, auf der anderen Seite ist es die Bar, in der wir jeden Abend unseren Gemišt, eine Weißweinschorle, trinken und aufs Meer schauen.

Free Spirit Sailing
Blick vom Balkon der Segelschule in den Hafen © Kerstin Zillmer

Jezera ist ein ruhiger kleiner Ort. Die überschaubare Menge an Gästen spricht vorwiegend kroatisch und slowenisch, manche deutsch mit österreichischem Akzent. Die Atmosphäre ist „pomalo“, wie Barbara von Free Spirit Sailing sagt – entspannt. Nach wenigen Tagen kommen auch wir diesem Zustand immer näher. Aufstehen, segeln, essen, segeln.

Abends sitzen wir vor der Schule auf Holzhockern in lustiger Runde zusammen, Freunde kommen vorbei, setzen sich auf einen Drink dazu – und gehen wieder, Stunden später. Barbara sagt, das sei der Spirit der Schule, deshalb der Name. „Es geht um den direkten und engen Kontakt, um intensives und leichtes Lernen.“ Bei Free Spirit Sailing geht es entspannt und professionell zugleich zu. „Wir glauben, dass diese Mischung Segeln bei uns einzigartig macht. Wir sind eine große Community.“

Free Spirit Sailing
Free Spirit ist eine große Community © Kerstin Zillmer

Die Uhren ticken anders im kroatischen Sommer

Ivan und Barbara stehen mit Herz, Verstand und guter Organisation hinter diesem Konzept. Wir fühlen uns schnell als Freunde, so hilfsbereit und offen, wie wir von ihnen aufgenommen werden. Die Atmosphäre des kleinen Hafendorfs an der kroatischen Küste spielt dabei eine wichtige Rolle, denn hier läuft die Zeit langsamer. „Ich habe bemerkt, dass sich die Welt abseits von Jezera anders dreht“, erklärt Barbara, die noch immer zwischen Ljubljana und dem kleinen Ort pendelt.

Als sie sich in Jezera kennenlernen, entdecken sie nicht nur die gemeinsame Liebe zum Segeln, sondern auch die Liebe zueinander. „Es war, als hätte ich ein All-Inclusive-Paket gebucht“, lacht Barbara, und Ivan lächelt zustimmend. Man merkt den beiden an, dass sie ein eingespieltes Team sind, nicht nur bei der Arbeit.

Vor vier Jahren haben Barbara und Ivan Free Spirit Sailing gegründet. Ivan hat vorher schon viele Jahre in der Segelschule Ana in Jezera gearbeitet. Er unterrichtete einige Jahre auf größeren Segelyachten, dann suchte er eine neue Herausforderung. Er wollte lieber mit kleineren Booten arbeiten, auf denen er Anfängern das Segeln direkter vermitteln kann. Ivan mag besonders gerne wendige Boote: Minis und Dinghis mit direktem Kontakt zum Wasser und zum Wind.

Free Spirit Sailing
Begeistert von den Seascape-Booten © Kerstin Zillmer

Segelboote, passend zum Spirit

Auf der Suche nach den richtigen Booten war schnell klar: Es sollten Seascape-Boote sein. Barbara, die aus Ljubiljana kommt, kannte die Besitzer der slowenischen Werft. Und Ivan war den Booten immer wieder begegnet – und war begeistert. Stabil, gut verarbeitet und sportlich zu segeln, waren es genau die richtigen Boote für ihre Segelschule.

Die Chemie mit den Werftchefs stimmte gleich beim ersten Gespräch. Beim zweiten kauften sie zwei Seascape 18 und eine Seascape 24 für die Schule. Auf ihren Wunsch wurden die Seascapes mit Elektromotoren von Torqeedo ausgestattet, beide schätzen den ökologischen Aspekt sehr. In vier Jahren, in denen die sie die Motoren jetzt intensiv benutzen, haben sie keine wesentlichen Probleme gehabt. Für ihr Segelgebiet reicht der Torqeedo Travel vollkommen aus, sagt Ivan.

Free Spirit Sailing
Die Seascapes sind mit Torqeedo Travels ausgestattet © Kerstin Zillmer

Irgendein Wind weht immer richtig

Nachmittags ist der Wind perfekt. Auch das ist ein großer Vorteil hier in Jezera – die Winde sind ideal für die Segelkurse für Anfänger und Fortgeschrittene. Irgendeiner weht immer, im Sommer meist der zuverlässige Maestral. Mit ihm üben wir wenden und halsen, auf englisch gybe. Es geht ganz einfach.

  • Free Spirit SailingKlar zur Wende © Kerstin Zillmer
  • Free Spirit SailingPerfektes Manöver © Kerstin Zillmer
  • Free Spirit SailingSaubere Pinnenführung bei der Wende © Kerstin Zillmer
  • Free Spirit SailingGlückliche Crew © Kerstin Zillmer

Inzwischen gefallen der Crew die englischen Segelkommandos fast besser als das deutsche Seglerlatein, das irgendwie verstaubter klingt. Tack statt Wende, Gybe statt Halse klingt flotter und ist internationale Segelsprache. Schön, auch das zu lernen. Ivans Englisch mit leichtem kroatischem Akzent ist perfekt, wir verstehen uns blendend.

Später sollen wir auf engem Raum um die kleine Insel vor der Bucht herumsegeln und müssen dabei selbst die anliegenden Manöver nennen. Äh, broad reaching jetzt? „Nein, Quatsch, luff up, der Wind kommt doch von Steuerbord.“ Luzie ist immer die Schnellste. Sie hat es schon im Gefühl.

  • Free Spirit SailingDie Handgriffe sitzen © Kerstin Zillmer
  • Free Spirit SailingGute Stimmung in der Crew © Kerstin Zillmer
  • Free Spirit SailingUnd zum Abschluss ein kühles Bad © Kerstin Zillmer

Und zum Schluss bergen wir Fock und Groß und springen ins Wasser. Auf dem Rückweg in die Bucht passiert es dann doch: Frau über Bord! Ich sitze am Steuer, luve zu sehr an, Luzie fiert die Großschot nicht und rutscht ins Wasser. Wir wenden und sammeln sie wieder ein.

Auf dem Weg zur Esel-Insel

Am Morgen des vierten Tages starten wir mit Free Spirit Sailing zum Tagestörn mit drei Booten zu einer kleinen Insel. Bei leichtem Maestral kommen wir bei drei bis vier Beaufort gut voran. Das von kleinen Inseln gesäumte Segelrevier ist traumschön. In einer kleinen Bucht legen wir unterhalb eines Restaurants am Hang an.

Auf der schattigen Terrasse werden wir von einem Esel an der Bar empfangen. Mia lebt seit letztem Monat hier, nachdem ihre Vorbesitzer sie abgeben mussten. Sie kam mit dem Boot und ist nun die Attraktion der Bucht. Jeder macht Selfies mit ihr, streichelt und schmust mit ihr.

  • Free Spirit SailingTagestörn mit drei Seascapes © Kerstin Zillmer
  • Free Spirit SailingFrauenteam auf der Seascape 24 © Kerstin Zillmer
  • Free Spirit SailingEselin Mia begrüßt Barbara © Kerstin Zillmer

Wir essen frischen Fisch direkt vom Grill und geben die Reste den Katzenbabies, die direkt zu unseren Füßen am Geländer wohnen. Während wir im Schatten entspannen, füllt sich zum Mittag die Bucht langsam mit Booten. Chartercrews üben sich im Anlegen, große Katamarane dümpeln vor Anker. Wir nehmen noch einen Espresso und ein erfrischendes Bad und segeln zurück.

Nächster Stopp: die Kornaten

Unser Kurs endet am Freitagabend, am Samstag kommen die nächsten Gäste und der neue Kurs startet am Sonntag. Diesmal geht es zu den Kornaten. „Das ist eines unserer schönsten Angebote“, sagt Barbara auf ihre ruhige und warmherzige Art. Und lächelt. Vielleicht schaffe ich es noch im September, es sind noch Plätze frei. Sonst auf alle Fälle nächstes Jahr – wir kommen wieder, keine Frage.

Free Spirit Sailing
Und dieses Jahr sicher mit mehr Abstand © Kerstin Zillmer

Die Segelschule hat dieses Jahr noch Plätze offen und hält sich selbstverständlich an die Corona-Abstandsregeln. Alle weiteren Infos und Kursangebote findet ihr bei Free Spirit Sailing.

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Reklame