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Yachtverstand Jens Böckmann aus Hamburg © Roland Wildberg Besser, Mr. Yachtverstand wirft noch einen prüfenden Blick drauf... © Roland Wildberg
Kaufberatung

Der Bootsflüsterer

Als buchbarer Kaufbegleiter für Gebrauchtboote bietet Jens Böckmann Yachtverstand. Und so heißt auch der Service des Hamburger Seglers.

von
Roland Wildberg
in
4 Minuten

Ein gebrauchtes Boot ähnelt der oft zitierten „Black Box“: Für Käufer ohne viel Erfahrung ist es sehr schwierig, eine Einschätzung über Pflegezustand und Wert zu treffen. Hier hilft der „Yachtverstand“ von Jens Böckmann. Der Hamburger verfolgt mit seiner Kaufberatung einen ganzheitlichen Ansatz: Er hilft Bootskäufern bereits bei der Auswahl des passenden Bootstyps, inspiziert in Frage kommende Exemplare und begleitet auch die Kaufverhandlungen.

„Schiffe, die makellos sind, sind entsprechend teuer“

Wie kommst Du zum Yachtverstand?

Jens Böckmann: Von Haus aus bin ich gelernter Grafiker. Seit 15 Jahren bin ich selbstständig und kann mir die Zeit frei einteilen, und so konnte ich nebenbei Yachtverstand gründen.

Von Booten verstehst Du aber auch etwas?

Ja! (lacht) Ich bin bootsverrückt! Ich habe, seit ich denken kann, mit Wasser und Booten zu tun. Habe meinen A-Schein gemacht und dann immer weiter die Scheine gemacht bis zum Sportseeschifferschein und Charterskipper. Ich habe selbst eigene Schiffe gehabt. Ich wollte auch Bootsbau lernen, aber damals stand die Branche nicht so toll da. Es ist ein Steckenpferd geblieben. Und diese Expertise gebe ich jetzt weiter.

Yachtverstand Jens Böckmann aus Hamburg
Mit Klemmbrett und Know-how: Jens Böckmann bringt viel Erfahrung mit © Roland Wildberg

Bist Du selbst beim Bootskauf einmal hereingefallen?

Mein erstes Boot war ein Tornado-Katamaran, den habe ich mit ganz kleinem Budget gekauft. Er ist mir auf dem Steinhuder Meer irgendwann vollgelaufen, weil die Kielsohle durchgegammelt war. Aber ich wusste vorher, dass der nicht so gut in Schuss war.

Das war mein Spaßmobil, und ich habe ihn sogar noch verkauft gekriegt. Ich habe die Schäden dargelegt und ein Konzept gehabt, wie ich ihn reparieren würde. Das hat der Nachfolger auch so gemacht, und das Schiff segelt heute noch.

Yachtverstand Jens Böckmann aus Hamburg
Bei der Besichtigung ist vor allem das Unterwasserschiff interessant © Roland Wildberg

Oft wollen Käufer ja gar nicht beraten werden, oder?

Freunde wussten, dass ich mich ganz gut auskenne. Da bin ich mitgegangen und habe festgestellt, dass manche blind vorm vermeintlichen Traumboot stehen. Viele sehen die einfachsten Dinge nicht, auch wenn strukturell was nicht in Ordnung ist. Oder Du bekommst von namhaften Händlern Krücken angeboten, die zuvor hoch gelobt werden. Ich dachte: Da muss ich irgendwas tun.

Und aus dem Grund habe ich Yachtverstand ins Leben gerufen. Zwei Seiten gibt es beim Bootskauf: Private Verkäufer sind emotional sehr involviert. Oft trennen die sich von einem lang geliebten Schiff, können nicht mehr segeln, haben gesundheitliche, familiäre oder berufliche Gründe. Jedenfalls haben sie in der Regel noch nicht emotional abgeschlossen.

Und Käufer finden vieles ganz toll, haben sich ins Boot verliebt und sehen viele Sachen nicht. Ich kann neutral draufgucken und beide Seiten beraten. Da muss man oft etwas deutlicher werden, um es wieder auf die objektive, richtige Spur zu bringen.

Yachtverstand Jens Böckmann aus Hamburg
Typischer Verschleiß: abgelöste Scheuerleiste © Jens Böckmann

Würdest Du ein Boot kaufen, dass Du nicht im Wasser gesehen hast?

Ja, das ist ähnlich wie beim Autokauf. Wenn ein Boot von einem namhaften Konstrukteur in Großserie gebaut wurde, dass ich an Land begutachte, brauche ich nicht zu segeln, um zu wissen, dass es gut segelt. Man kennt die Stärken und Schwächen.

Natürlich musst Du ein Schiff im Wasser sehen, um herauszufinden, dass es dicht ist – aber normalerweise ist das kein Thema. Denn Du siehst das Schiff zweimal: Entweder ich kaufe ein Schiff aus dem Wasser. Dann muss es aus dem Wasser und an Land begutachtet werden. Oder umgekehrt.

Du kaufst es im Winterlager und hast dann zur Übernahme im Frühjahr ein zweites Treffen mit dem Eigner oder Makler. Das muss sein, auf jeden Fall.

Was sind die größten Fallen beim Gebrauchtboot-Kauf?

Die Maschine ist ein Thema, das Teakdeck kann ein Thema werden. Manchmal gibt’s offene Fragen bei den Eigentumsverhältnissen, wenn zum Beispiel die Bank noch mitzureden hat. Aber die größte Falle ist, dass strukturell etwas nicht stimmt. Das gilt besonders bei Holzschiffen, denn da ist sehr viel Liebe im Spiel so wie bei Oldtimern.

Yachtverstand Jens Böckmann aus Hamburg
Spaghettihaufen: So sieht verbastelte Elektrik aus © Jens Böckmann

Bei Kunststoffschiffen musst Du sehr auf Rumpfverbindungen achten, hier lauert oft einiges. Osmose kann ein Thema sein, ist aber heute nicht mehr so schlimm, weil es zu 90 Prozent reparabel ist. Das kostet natürlich Geld, aber man verliert nicht gleich das ganze Schiff. Strukturelle Schäden entstehen zum Beispiel durch verschwiegene Grundberührungen.

Jetzt hast Du ein Dutzend Menschen schon beraten. Was ist dein Konzept?

Mein Konzept ist es, Kunden von A bis Z zu betreuen.

Das beginnt mit der Bedarfsanalyse. Ich frage meine Kunden, welche Segelerfahrung sie haben und was sie eigentlich wollen und sich vorstellen. Daraus entwickle ich ein Konzept, suche nach Gebrauchtbooten und biete fünf bis zehn Schiffe an. Davon schauen wir zwei, drei oder vielleicht auch alle an und ziehen dann den Kreis immer enger. Nach der Zustandsprüfung und Wertbestimmung durch mich wird dann gekauft oder eben nicht.

Yachtverstand Jens Böckmann aus Hamburg
Eine zu schwache Pütting: Eine Undichtigkeit wie diese muss man sehen © Jens Böckmann

Wer ist ehrlicher: Profis oder Privatverkäufer?

Es gibt sehr ehrliche und solche, die Dir irgendeine Krücke anbieten. Bei Maklern siehst Du natürlich immer den Wunsch, das Schiff möglichst teuer zu verkaufen. Privateigner sind relativ ehrlich, gerade die älteren. Es muss auf jeden Fall immer gehandelt werden. Wer das nicht tut, ist doof!

Wie sicherst Du dich ab?

Durch die klassische Klausel „Nach bestem Wissen und Gewissen begutachtet“ und „im zerstörungsfreien Zustand“. Man kann viele Mängel nur erkennen, wenn man wirklich an die Substanz geht, Du also ein Loch bohrst oder etwas abkratzt. Das mache ich auch nicht, nur auf Wunsch. Aber ich mache ja auch kein Gutachten, sondern eine Zustandsprüfung. Mein Handwerkszeug dafür sind langjährige Erfahrung, Akribie und Expertise.

Wenn ein float-Redakteur ein Segelboot sucht – die Kaufberatung

Roland Wildberg ist freier float-Redakteur mit Segel-Seebeinen aus frühester Jugend. Er macht die Probe aufs Exempel. Er schilderte Jens Böckmann seinen „Use Case“, und der Hamburger machte sich Gedanken. Jetzt zu lesen auf float.

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