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Alex Thomson Der Meister bei der Arbeit: Zwei Jahrzehnte prägte Alex Thomson das Regattasegeln © Alex Thomson Racing
Alex Thomson

Der Boss geht von Bord

Bei der Vendée Globe 2024 wird der britische Segelstar nicht mehr antreten. Der Fotograf Tim Adler erlebte ihn 2019 hautnah auf einem Törn.

von
Jan Joswig
in
3 Minuten

Der Botschafter geht von Bord: Alex Thomson verkörperte wie kein Zweiter den Segelsport zwischen Abenteuer und Glamour. Jetzt hat er seinen Rücktritt verkündet, zumindest für die nächste Vendée Globe. Engagement in weiterer Zukunft lässt er offen. Über 20 Jahre sorgte der sendungsbewusste Engländer immer wieder für Rekorde und Schlagzeilen im Profisegeln – seit er 1999 das Clipper Round The World Yacht Race gewann.

Alex Thomson
Fokussiert wird Alex Thomson auch an Land bleiben © Alex Thomson Racing

Thomson ist nicht nur Ausnahmesegler, sondern auch lässiger Alleinunterhalter, der den Charmeur und Gentleman verinnerlicht hat. Sein James-Bond-tauglicher Stunt im Anzug auf dem Mast der Hugo-Boss-Imoca brachte alle Aspekte des Sports zusammen: Seemannschaft, Show, große Welt und Heldentum.

So tadellos er segelte, das Pech fiel ihm mehrfach in den Rücken. Schon 2008 musste Thomson bei der Vendée Globe wegen Materialschaden aufgeben, 2019 bei der Transat Jacques Vabre. Und auch seine neue Hugo-Boss-Imoca ließ ihn bei der Vendée Globe 2020 im Stich. Er musste das Rennen nach Problemen an der Ruderanlage abbrechen. Nur 2017 konnte er mit dem zweiten Platz bei der Vendée Globe andeuten, was mit ihm als Skipper möglich gewesen wäre.

Der Fotograf Tim Adler begleitete Alex

Der Fotograf Tim Adler begleitete Alex Thomson (mit Crew unter Jack „Trigger“ Trigger) 2019 auf der Imoca vor Sylt bei 32 Knoten Wind. Thomson zeigte sich dem Fotografen als hoch fokussierter Leistungssportler – und als ein Familienmensch, der von nichts lieber spricht als von Frau und Kindern. Allüren?

Alex Thomson
Auch von hinten ist klar, wer hier der Boss ist © Alex Thomson Racing

Messer zwischen den Zähnen? Nein, ein in sich ruhender, besonnener Profi. Die ordentliche Mütze Wind raubte Thomson nicht seinen Humor. Er präsentierte seinen maßgefertigten Carbon-Toilettentopf und verriet das zentrale Werkzeug an Bord: der Gaskocher für die Astronautennahrung.

Auch bei der Frage nach dem wichtigsten Punkt der Seemannschaft beim Einhandsegeln überraschte seine Antwort: das Schlaf-Management. Nur wer es schafft, innerhalb von 15 Minuten in die Tiefschlafphase zu gelangen, kann seinen Energiehaushalt regenerieren. Als Aufwachhilfe gibt es drei Signale: optisch, akustisch – und elektrisch. Eine Klemme am Finger sorgt für einen Stromschlag.

Alex Thomson
Ein mächtiges Schiff, ein souveräner Dompteur © Alex Thomson Racing

Ein leidenschaftlicher und abgeklärter Profi

Statt eines Zampanos im Anzug erlebte Tim Adler einen so leidenschaftlichen wie abgeklärten Profi, dem man sich auf dem Renngeschoss ohne Bedenken anvertraute. Der Fotograf und Hobby-Segler wäre zu gerne mit Alex Thomson auf einen langen Törn gegangen, „das wäre schon geil gewesen. Alex ist ein cooler Sack, mit allen Wassern gewaschen.“

Meine Frau hat unsere Kinder in den letzten zehn Jahren einhand erzogen

Alex Thomsons weitere Pläne zielen erst mal aufs Häusliche. Der Mann, der von seiner Zusammenarbeit mit Hugo Boss sagt, „gemeinsam begeistern und inspirieren wir seit 28 Jahren Menschen auf der ganzen Welt und sind zu einer führenden Marke im Segelsport geworden“, wird sich in nächster Zukunft um die Zusammenarbeit mit seiner Frau kümmern: „Meine Frau Kate hat unsere Kinder in den letzten zehn Jahren einhand erzogen, während ich meinen Traum gejagt habe. Jetzt möchte ich Kate unterstützen und ihr die gleiche Chance geben, die sie mir gegeben hat.

Alex Thomson
Eine Galionsfigur des Segelsports © Alex Thomson Racing

Das bedeutet nicht, dass ich in den Ruhestand gehe, ich verändere nur meine Rolle: von der meisten Zeit auf See zu mehr Zeit an Land.“ Mit dieser Entscheidung könnte der 47 erneut begeistern – als Botschafter für ein emanzipiertes Familienmodell. Auch das wäre eine Hochleistung.

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