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Der erste Z-Antrieb mit mehr als 100 PS kommt 1961 © Mercury Marine
Bootsmotoren

Der fabelhafte Mr. Strang

Erfinder Charles Strang hatte mit dem Z-Antrieb die geniale Idee, Innenborder und Außenbord-Antriebe zu kombinieren. Jetzt ist sein 100. Geburtstag.

von
Stefan Gerhard
in
3 Minuten

Charles Strang jr. ist nicht mehr. Mit 96 Jahren ist der US-Ingenieur vor ziemlich genau drei Jahren gestorben. Am Montag dieser Woche, den 12. April 2021, hätte der US-Amerikaner seinen 100. Geburtstag feiern können. Was von ihm bleibt, ist eine der bis heute wesentlichen Innovationen für moderne Bootsmotoren: der Z-Antrieb, auch Sterndrive genannt.

Wie kam es dazu? Durch die Verbindung eines Innenbordmotors mit einem beweglichen, außen angebrachten Antrieb gelingt es dem 1921 in Brooklyn geborenen Maschinenbauer vor gut 70 Jahren erstmals, die Kraft und Laufruhe von Innenbordern mit der Manövrierfreudigkeit von Außenbordmotoren effektiv zu kombinieren.

Goldene Generation der Motorentüftler

Strang gehört zur Generation von Motorentüftlern des Goldenen Zeitalters – so wie Howard Arneson: Der Erfinder der Arneson-Oberflächenantriebe für Rennboote war 2020 im Alter von 99 Jahren gestorben.

Zeitlebens hält Charlie Strang sich selbst für einen Außenbordmotor-Fanatiker. Im elften Lebensjahr nimmt er mit seiner Mutter an einer New Yorker Bootsmesse teil. Er verliebt sich in ein Cyclone-Rennboot, auf dem ein Rennaußenborder montiert ist. Seine Mutter verspricht Charlie, dass sie ihm ein Rennboot kauft, wenn er erst einmal 14 ist.

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1960: Charlie Strang (u. l.) bei Motorboat-Award-Gala © Christner Family Archiv, quincylooperracing.us

Sein erstes Bootsrennen bestreitet er 1937 als jüngster Fahrer, der je am Marathon Albany – New York teilgenommen hat. Das Rennen endet für ihn, als sein Außenborder nach etwa 60 Meilen sinkt. Ein Studium am örtlichen Polytechnikum im Big Apple folgt.

Als Technikspion in Europa

1948 verbindet der Ingenieur Charlie Strang einen PKW-Rennmotor aus Aluminium mit der unteren Einheit eines Außenbordmotors. Sein Marine-Antriebssystem ist stärker als alle Außenbordmotoren jener Zeit. Zu dieser Zeit ist er am Massachusetts Institute of Technology (MIT) beschäftigt. Zuvor war er beim NASA-Vorläufer Testingenieur, Spezialgebiet Flugzeugmotoren und frühe Jetmotoren.

Albert StrangAlbert Strang, Erfinder des Z-Antriebs © Mercury Marine

Anfang der 1950er guckt er sich im Auftrag des Motoren-Moguls Carl Kiekhaefer in Europa um, um Technologie und Produktionsmethoden kennenzulernen. Seit 1951 offiziell in Diensten von Kiekhaefer Mercury Marine, entwickelt Charles Strang den Sterndrive mit seinem Kollegen Jim Wynne weiter.

Das einzige Problem: Ihr Chef lehnt die Technologie anfangs ab, die wenige Jahre später 80 Prozent des Markts erobern wird. Für Jahre bleibt Strangs Entwurf in der Schublade.

Technisch betrachtet ist der – wegen seiner Bauform so genannte – Z-Antrieb ein Getriebe mit Kupplung. Dieser Antrieb ist am Heckspiegel des Boots befestigt. Im Vergleich zu reinen Innenbordmotoren mit klassischen Wellenanlagen, die bis dahin üblich waren, sind Boote mit Z-Antrieben deutlich manövrierfreudiger. Im Vergleich zum Außenbordmotor sind Boote mit Innenbordmotor und Z-Antrieb wiederum wesentlich leiser.

Die geniale Kupplung

Die erste kommerzielle Einführung eines Z-Antriebs kommt allerdings von der Konkurrenz: Volvo Penta stellt seinen Aquamatic auf der New York Motor Boat Show 1959 vor. Im selben Jahr verlässt Jim Wynne seinen Kollegen Strang und die Firma Kiekhaefers. In weniger als 90 Tagen entwickelt Wynne seinen eigenen Heckantrieb, den er sich später patentieren lässt. 1961 schließlich stellt Kiekhaefer auf der Chicago Boat Show den MerCruiser Outdrive vor. Schon 1962 produzieren 16 Hersteller Z-Antriebe. Zu Kiekhaefers Freude ist das eigene Modell stärker als alle Motoren der Mitbewerber.

Charles Strang und Rennfahrer Manuel Carnakis © Christner Family Archiv, quincylooperracing.us

Mit Wynne teilt er das „süße Geheimnis“, wie es in einer US-Motorenchronik heißt, dass sie beide mit Volvo Penta und anderen Motorenherstellern an ihrem Chef vorbei über die Nutzung ihrer Technologie verhandelt haben. 1964 verlässt Strang dann Mercury und geht zur Konkurrenz OMC. Dort bringt er es bis um Aufsichtsratsvorsitzenden.

Die Insolvenz von OMC im Jahr 2020 und den Verkauf der Hauptmarke Evinrude nach Kanada, an Bombardier, erlebt Strang nicht mehr als Aktiver. Als er in den Ruhestand geht, wird er Präsident der Motorboot-Rennvereinigung UIM und geht seinem zweiten Hobby nach: den Nascar-Autorennen. Als im vergangenen Jahr Evinrude nach 113 Jahren eingestellt wird, ist er schon im Elysium der Bootsmotorenpioniere.

Faktor Mama

Mercury MarinePaint it black: Mercury 1000 Phantom © Mercury Marine Charlie Strangs Mutter nimmt später noch einmal Einfluss auf die Geschichte der Bootsmotoren. Als Mercury den Außenborder 1000 Phantom baut, wird der Prototyp als weißer Motor mit silbernen und schwarzen Zierleisten lackiert. Carl Kiekhaefer findet den Motor insgesamt zu groß und sperrig. Der Legende nach erzählte Charles Strang seiner Mutter davon, und sie kommentiert: „Frauen tragen oft schwarz, um schlanker auszusehen. Warum also nicht den Motor schwarz lackieren?“ Carl Kiekhaefer ist begeistert. Seitdem sind Mercurys Motoren außen schwarz.

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