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Die Titelverteidigerinnen vom HSC Team gewannen erneut © Lars Wehrmann / Helga Cup 2021
Frauen-Regatta

Der Helga Cup ist unsere Plattform

International und immer besser: 230 Seglerinnen nahmen am Helga Cup, der größten Frauen-Regatta 2021, teil.

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7 Minuten

Am letzten Wochenende, vom 1. bis 4. Oktober, taten sie es wieder. 230 regattabegeisterte Seglerinnen segelten in Hamburg auf der Alster zum vierten Mal den Helga-Cup. Crews aus neun Nationen gingen bei der weltweit größten Frauen-Regatta an den Start. Sie boten in 45 Wettfahrten ein enges Rennen um die ersten drei Plätze.

Das Rennen machten die Titelverteidigerinnen von 2020 vom HSC-Team mit Silke Basedow als Steuerfrau. Sie schossen mit 11 Knoten unter Gennaker als erste ins Ziel, vor der Crew der HNV Akademie, gesteuert von Hannah Huth, und dem Team der Goldelsen des Berliner Yachtclubs mit Jessica Niedlich am Steuer. Alle wurden frenetisch gefeiert von den anderen Frauenteams, die das Finale vom Steg aus begleiteten.

Helga Cup
Zieleinlauf des HSC Teams © Lars Wehrmann / Helga Cup 2021

Der Helga Cup ist zu einer festen Instanz im deutschen Segelkalender geworden und hat auch Corona erfolgreich getrotzt. Seit dem Auftakt 2018, als die Frauen-Regatta wie eine Bombe einschlug, ist das einzige Frauenrennen in dieser Größe zu einer ernsthaften, international anerkannten Frauen-Regatta geworden.

Geboren wurde der Helga Cup im Nordeutschen Regatta-Verein, der das Event auch auslobt, und Organisator Sven Jürgensen – neben vielen engagierten Unterstützerinnen wie dem HSC Team, das von Anfang dabei war. float begleitet den Helga-Cup von Beginn an.

  • Helga CupEin souveränes Rennen mit guten Crews beim © Lars Wehrmann / Helga Cup 2021
  • Helga CupRegattabegeisterte Seglerinnen beim Helga Cup © Lars Wehrmann / Helga Cup 2021
  • Helga CupDie Teams werden immer professioneller © Lars Wehrmann / Helga Cup 2021

Der Helga Cup ist zu einer Plattform geworden, der die Frauen-Segelwelt verändert hat

Direkt nach der vierten Ausgabe des Helga-Cups sprachen wir mit Charlotte „Charly“ Graffunder – deren junges Team BYC Goldelsen (Jessica Niedlich, Ann-Zoe Riethmeister, Luise Schott) dieses Jahr Platz 3 belegte – und mit Anja Kamradt vom Team  „Wannseefrauen“ (Irene Parrandier-Stasik, Susanne Bergmann, Maja Steigüber-Andrzejewska, Michaela Hampf) über ihre Einschätzungen des Helga-Cups.

float: Charly, seid ihr mit dem dritten Platz zufrieden?

Charly: Ja, wir sind sehr zufrieden. Wir haben uns in den Jahren total gesteigert. Im ersten Jahr lagen wir auf dem 12. Platz, im zweiten Jahr auf Platz 6, und in den letzten beiden Jahren auf dem 3. Platz. Wir werden immer stärker.

Helga Cup
Charly Graffunder, Jessica Niedlich, Ann-Zoe Riethmeister und Luise Schott © Lars Wehrmann / Helga Cup 2021

Anja: Wir Berlinerinnen hatten uns vorgenommen, dass uns die Mädels beim Finale auf dem Wasser hören – hat auch geklappt! Die Goldelsen sind als Zweite ins Ziel gerauscht, und wir haben gejubelt.

Anja, was haben vier Jahre Helga-Cup im Regattasegeln für Frauen verändert?



Anja: Ich glaube, dass viel Frauenkompetenz auf dem Wasser entstanden ist und dank des Helga-Cups gefördert wurde. Wir bereiten uns miteinander vor und haben mit dem Helga-Cup eine gemeinsame Plattform bekommen.

Was genau hat der Helgacup denn verändert?

Anja: Die Anzahl der Frauenteams steigt, und ich glaube, das ist echt gut für den Segelsport.

Charly, was hat sich für dich durch den Helga Cup verändert?

Charly: Über die Jahre hinweg hat der Helga Cup immer mehr Einfluss bekommen. Es wird darüber geredet. Leute sprechen uns an, und der gesamte Berliner Yacht-Club wünscht uns Glück. Es ist toll, dass sich der Helga Cup als Regatta etabliert hat. Freunde und Familie verfolgen die Ergebnisse und Livestreams mit. Auch die Teilnahme von Mädels bei der Deutschen Segelbundesliga hat zugenommen.

Helga Cup
Der Helga Cup hat immer mehr Einfluss bekommen © Lars Wehrmann / Helga Cup 2021

Anja, Du gehörst zu den Seglerinnen, die mit über den Helga Cup zum Regattasegeln gekommen sind. Was hat dieses Format für dich ausgemacht?

Anja: Es ist ein tolles Ziel. Seglerinnen ohne Opti-Vergangenheit, die sozusagen auf dem zweiten Bildungsweg zum Regattasegeln kamen, lernen nicht nur besser zu segeln. Sondern sie lernen auch Bootshandling, Teambuilding, Taktik. Das nützt auch im echten Leben.

Charly, was bringt euch die Teilnahme am Helga Cup noch?

Charly: Wir bekommen mehr Anerkennung. Gerade dadurch, dass Frauen weniger wiegen, werden öfter Männer genommen, um genug Gewicht auf die Kante zu bringen. Wenn man aber so ein Ergebnis wie wir jetzt beim Helga Cup erreicht, wird diese Leistung wahrgenommen.

Es sind dieses Mal bei euch auch Mütter gegen Töchter angetreten. Wie war das?

Anja: Eine aus unserem Team ist gegen ihre Tochter auf einem anderen Boot gesegelt. Die beiden haben Herzchen über das Wasser gesendet. Und dann sind wir gegen sie gestartet, als wenn wir sie nicht kennen würden. Die Mädels waren besser, und wir haben uns darüber gefreut. Die Kommunikation zwischen den Generationen funktioniert. Was für ein toller Sport, dass Mütter und Töchter gegeneinander segeln!

Charly, Du hast die Tipps gegeben. Wie war das für dich?



Charly: Allein aus unserem Berliner Yacht-Club waren drei Teams dabei – und bei den „Gesinen“ meine Mutter. Ich habe manchmal bei den Trainings hinten auf dem Boot gesessen und konnte Tipps geben und ein bisschen coachen.

Anja, worin sind denn die jungen Seglerinnen anders?

Anja: Sie sind ein bisschen respektloser, gehen sicherer mit dem Boot um und turnen auf den J70 herum wie auf einem Klettergerüst.

Helga Cup
Die Wannseefrauen im Rennen © Lars Wehrmann / Helga Cup 2021

Wie waren dieses Jahr die Segelbedingungen auf der Alster?

Charly: Es war zwischendurch viel Wind, vor allem Freitag und Sonntag. Sehr tricky, mit vielen Böen und vielen Winddrehern. Nicht einfach. Wir haben immer die Böen und die Windlöcher angesagt, weil das ein anspruchsvolles Gebiet ist, was Winddreher betrifft.

Das HSC-Team hat erneut gewonnen. Sind sie einfach die Besten, oder liegt’s auch am Heimvorteil?

Anja: Silke Basedows Team war einfach super-dominant. Die wussten, wo es längs geht. Klasse hatte, dass Silke Basedow in ihrer Rede bei der Siegerehrung gesagt hat, dass sie sich darauf freut, den ersten Platz abzutreten, weil der Helga Cup als Frauenförderung funktioniert. Viele tolle Teams sind da: Für mich rütteln natürlich auch die Goldelsen am Thron.

Wieviel habt ihr dieses Jahr unter Corona trainieren können?

Anja: Es war nicht leicht, das Team zusammenzuhalten. Wir haben uns den Winter über jede Woche auf Zoom zum Yoga mit anschließendem Klönschnack getroffen. Es ist mehr als nur das Segeln.

Und ihr habt auch zusammen trainiert, richtig?

Charly: Wir waren mit unserem Trainer Marvin Frisch zusammen auf dem Wannsee und haben mit bis zu sechs Frauenteams trainieren können.

Helga Cup
30 Teilnehmerinnen kamen gut vorbereitet allein aus Berlin © Lars Wehrmann / Helga Cup 2021

Und die Beteiligung aus Berlin war dieses Jahr extrem hoch…

Anja: Wir waren 30 Frauen aus Berlin. Der VSaW, SV03, der Berliner Yacht-Club mit drei Teams und gemischte Teams. Der Seefunk funktioniert.

Wie war die Organisation, wie war das Ambiente beim Helga Cup?

Es war wieder eine tolle Stimmung – wie jedes Jahr. Wir hatten 3G, mit Maske drinnen. Es ist toll, dass der NRV und die Eberhard-Wienholt-Stiftung so hinter dieser weltgrößten Frauenregatta stehen. Die Umsetzung vom NRV ist professionell. Die Außenalster ist groß genug und es ist spannend mitten in der Stadt zu segeln.

Dieses Jahr gab es eine andere Regattabahn. Wie war das?

Anja: Der Kurs war weniger anspruchsvoll, nicht mehr der doppelte Up- und Downkurs, sondern ein Trapezkurs mit Startkreuz, Halbwindstrecke, Downwind mit Gennaker, dann Halbwind auf dem wir den Gennaker häufiger stehen lassen konnten und Zielkreuz. Es war bei dem starken Wind safer.


Charly: Wir waren von dem Trapezkurs nicht so überzeugt, weil die taktischen Möglichkeiten dadurch reduziert waren. Der Start wurde in den Rennen umso wichtiger und danach hat sich in den Platzierungen weniger getan. Unsere Platzierungen wurden von Tag zu Tag ein bisschen besser, sodass wir als 5. Platzierte ins Finale gezogen sind. Im Finale konnten wir mit einem zweiten Platz uns den dritten Platz in der Gesamtwertung sichern.

Helga Cup
Gut gelaunte Seglerinnen vom FC St. Pauli © Lars Wehrmann / Helga Cup 2021

Auch wenn man immer so viele Frauen lachen sieht auf den Bildern, ist der Helga Cup ist ja keine Spaß-Regatta.

Anja: Nein, wir sind ja nicht die ganze Zeit am Lachen. Du kriegst die Platzierung, damit musst du zurechtkommen und dich fürs nächste Rennen wieder berappeln. Gerade das finde ich spannend. Wir sind gut gesegelt, andere waren nur besser.

Kriegt man denn den Stress auf den Booten mit? Wird es laut?

Anja: Ich glaube, auf allen Booten gibt es mal Stress, aber nicht laut. Frauen sind ja nicht die besseren Menschen.

Waren die Teams besser oder schlechter als die Jahre zuvor?

Charly: Die Teams sind eindeutig stärker geworden. Die Punkte der Teams sind inzwischen sehr eng bei einander, sodass die Kommastellen die Plätze ausmachen. Das ist schon beeindruckend.

Was nimmst Du mit ins nächste Jahr, Anja?
Der Helga-Cup ist einfach eine tolle Plattform für Seglerinnen, um die uns Männer beneiden können.

Und Du, Charly?

Wir haben uns sehr gut mit den internationalen Teams verstanden. Gerade mit dem britischen Team haben wir viel Zeit verbracht. Es war eine richtig tolle Stimmung. Nur leider konnten wir dieses Jahr wegen Corona nicht so viel feiern, wie wir gerne gewollt hätten. Nächstes Jahr sind wir auf alle Fälle wieder mit dabei!

Ich danke euch für das Gespräch und wünsche euch viel Erfolg für das nächste Jahr!

Helga Cup
LilleHei mit Heike Gecken gewinnen in der SV14-Klasse © Karin Krugler-Felsch / Helga Cup 2021 / Helga Cup 2021

Helga Cup inklusiv

Seit 2020 wird der Helga-Cup auf einer zweiten Bahn in der Bootsklasse SV14 float hat sie bereits vorgestellt – auch inklusiv gesegelt. Auf ihm gewann das Team LilleHei mit Heike Gecken und Lillemor Köper, die gerade erst vor zwei Wochen noch WM-Gold bei den Parakanuten geholt hatte.

Der Commodore-Preis für das beste ausländische Team, ging an Niederländerinnen Alice van der Ham und Elles van der Meer-Oudejans, ebenfalls in der SV14-Klasse. Nächstes Jahr feiert der Helga-Cup sein fünfjähriges Bestehen vom 9. bis 12. Juni 2022.

Ergebnisliste des Helga Cup 2021
Alle Crews auf Manage2Sail

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