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Kobold-Preis Der Kobold-Preis heute: H-Jollen-Regatta auf der Alster © Archiv Kobold-Preis
Klassikerpreis

Der Kobold von Hamburg

Vor 90 Jahren wurde der Kobold-Preis erstmals ausgesegelt. float-Autor Michael Krieg gratuliert. Er fand den verschollenen Pokal nach 73 Jahren.

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Die H-Jollen-Klasse hat immer etwas zu feiern. So auch in diesem Jahr. Denn 1929 fand auf der Hamburger Außenalster erstmals eine Regatta unter dem Namen Kobold-Preis statt. Dieses Jahr findet sie wieder statt. Die Geschichte des Pokals ist spannender als ein Krimi. float-Autor Michael Krieg spielt darin eine tragende Rolle.

Mit der Ausschreibung des Kobold-Preises 1929 versuchte der Norddeutsche Regatta-Verein (NRV) seinerzeit die F-Jolle zu protegieren. Das war die 1925 geschaffene 15-qm-Wanderjolle der damaligen Segler-Organisation D.S.Vb. Die aufstrebende Klasse, die auf Berliner Gewässern schon viele Freunde gefunden hatte, wollten die Hanseaten auch auf der Alster etablieren. Und die Verbindung der Verbandsvereine in Berlin, am Steinhuder Meer und eben in Hamburg festigen.

Kobold-Preis F-Klasse Pimm Hütschler
Damals in Berlin beliebt: die F-Klasse von 1925 © Archiv Kobold-Preis

19 F-Jollen-Segler waren auf der Alster am Start. Der bekannteste Vertreter der noch jungen Klasse war der spätere Gewinner dieser Regatta, „Pimm“ Hütschler. Er war nur kurze Zeit Besitzer einer F-Jolle, und wenig später wurde der Segler Deutschlands erster Weltmeister im Starboot.

Die verschwundene Trophäe

Trotz der gut besuchten Regatta 1929 scheiterte der NRV damals mit seinem Vorhaben an der Alster. Die F-Klasse konnte sich nicht etablieren, und die Regatta wurde unter diesem Namen nur ein einziges Mal ausgetragen. Der attraktive Siegpreis – ein silberner Sektkühler mit Wildschweinhauern als Henkel – verschwand in den Vitrinen der Familie des Gewinners. Bis zum Jahr 2001 war die Trophäe verschwunden.

Kobold-Preis
Sektkühler als Trophäe © Archiv Kobold-Preis
Kobold-Preis F-Klasse Pimm Hütschler
Hütschler in seiner F 58 © Archiv Kobold-Preis

Ungefähr um die Jahrtausendwende machte sich Michael Krieg – der Autor dieser Zeilen – daran, den Kobold-Cup wiederzufinden. In einer Biografie über das Leben des Seglers Walter „Pimm“ von Hütschler las er, dass der Pokal nicht im Atlantik untergegangen war.

Die meisten anderen seiner Auszeichnungen und Pokale, dazu Bilder, Segel-Tagebücher und Souvenirs waren 1943 bei der Ausreise der Familie von New Orleans nach Brasilien durch einen deutschen U-Boot-Angriff verloren gegangen. Der Kobold mit den Hauern war nicht dabei. Er soll der Familie im heißen Brasilien noch so manchen guten Dienst erwiesen haben.

Hausgeist als Segler-Pate

Es war also nicht ganz unrealistisch, den 1929 als „Sonderpreis“ vom späteren DSV-Präsidenten Dietrich Fischer gestifteten Sektkühler wiederzufinden. Er ist auch für den Namen verantwortlich: Denn „Kobold“ – also ein kleiner, lustiger Hausgeist nach Lexikondefinition – hießen nach alle Segelboote, die der Hamburger Stifter Fischer einst gesegelt hat.

Kobold-Preis NRV Pimm Hütschler
Pimm Hütschler mit Vater © Archiv Kobold-Preis
Kobold-Preis NRV Pimm Hütschler
Als Segler immer sorgfältig

Manche sagen, Walter von Hütschler habe sein in Woltersdorf gebautes Boot mit dem Segelzeichen F 58 nur bei Fischer ausgeliehen. Andere meinen, die „Pimm“, die dem Segler seinen Spitznamen gab, komme aus Hamburg. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Suche beginnt

Die vom Journalisten Kai Krüger bearbeitete „Pimm“-Biographie zeichnete den Weg des Seglers weiter. Anfang der 1980er-Jahre ließ sich von Hütschler für den Rest seines langen Lebens endgültig in Deutschland nieder, gemeinsam mit seiner letzten Lebensgefährtin Edith Ochsenreither. Die Suche begann, und sie war erfolgreich.

Es folgten eine Reihe aufschlussreicher Telefonate mit Edith Ochsenreither. Briefe wurden gewechselt, Fotos tauchten auf. Und damit wuchs die Vermutung zur Gewissheit, dass der Pokal noch existierte. Die in der Schweiz lebende Tochter Walter von Hütschlers bestätigte es schließlich: Der Pokal existiert noch.

Kobold-Preis H-Jolle NRV
H-Jollen regattieren auf der Alster © Archiv Kobold-Preis

Nobel stellte sie den Kühler mit den Hauern dem Norddeutschen Regatta-Verein und der Klassenvereinigung der H-Jollen als „Sonderpreis“ zur Verfügung – vorerst leihweise bis zum Jahr 2010.

Der Cup kehrt zurück

Der Kobold-Preis müsse persönlich aus der Schweiz geholt werden, und nach Ablauf der Frist wieder zurückgegeben werden. Es gab noch einmal Aufschub: Der Pokal blieb 2014 beim NRV. Seitdem befindet er sich wieder in der Schweiz.

In den Ausschreibungen hieß es: Das Original wird in Übereinkunft mit den Organisatoren und dem Veranstalter des Kobold-Preises jährlich als Auszeichnung für eine besondere Tat vergeben, die im Zusammenhang mit dieser Regatta steht. Er wird symbolisch verliehen. Denn er verbleibt über das Segeljahr sicher verwahrt in den Vitrinen des Vereins.

Kobold-Preis H-Jolle NRV
Besondere Herausforderungen ...
Kobold-Preis H-Jolle NRV
... bei der Regatta © Archiv Kobold-Preis

Zum Jubiläum der Regatta 2019 kommt – nach einer persönlichen Einladung – auch die Tochter von „Pimm“ von Hütschler nach Hamburg. Mit im Gepäck hat sie, noch einmal, das „Original“.

73 Jahre warten bis zum Neustart

Vor 90 Jahren klappte die Verbreitung der 15-qm-Wanderjolle auf der Alster also noch nicht. Die klassischen, in Vollholz gebauten H-Jollen gehören inzwischen aber längst zu den beliebtesten Vertretern im Hamburger Stadtrevier. Bei allen Traditionsregatten sind sie zahlreich und äußerst erfolgreich vertreten.

Kobold-Preis H-Jolle NRV
Hamburg ist H-Jollen-Revier © Archiv Kobold-Preis

Zum diesjährigen Kobold-Preis: Obwohl es 73 Jahre waren, bis die Regatta 2002 unter dem historischen Namen erneut ausgetragen wurde, ist jetzt für die Klasse ein willkommener Anlass, das Jubiläum 90 Jahre nach der Premiere gebührend zu feiern.

Wenn in diesem Jahr am 1. Juni – wieder um 13 Uhr – direkt vor dem Steg des Norddeutschen Regatta-Vereins das Startsignal dann zum 18. Kobold-Preis nach neuer Zeitrechnung ertönen wird, hoffen alle auf ähnlich gute Bedingungen wie im September 1929 – mit viel Sonne und gutem Wind. Der Ehrenpreis wird nicht in Hamburg bleiben. Der neue Kobold-Preis schon: Er wird seit für das schnellste Schiff nach berechneter Zeit als ewiger Wanderpokal vergeben.

Kobold-Preis H-Jolle NRV
H-Jollen segeln den Kobold-Preis aus © Archiv Kobold-Preis

Die offiziellen Jubiläumswettfahrten finden wie immer am Samstag und Sonntag statt. Zum diesjährigen Jubiläum werden auch einige Ehrengäste erwartet, ehemalige H-Jollen-Segler aus Ost und West, die teilweise schon in den 1950er-Jahren die in Vollholz gebauten Boote gesegelt sind.

Mehr zum Kobold

Wer alle bisherigen Preisgewinner und die Regattaberichte nachlesen und schöne Fotos des Geschehens betrachten möchte, findet alles auf der Homepage der Veranstaltung unter www.kobold-preis.com.

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