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Melwin Fink ist durch den Sturm gesegelt und führt auf Platz 1 © Tracker Minitransat
Mini Transat

Der Ritt seines Lebens

Melwin Fink, der jüngste Mini-Transat-Segler auf Platz 1, hat den Sturm überstanden. Segelt er so weiter, kann er die erste Etappe des Mini Transat gewinnen.

von
Kerstin Zillmer
in
3 Minuten

Heute Morgen um 6:00 Uhr sprang der Tracker wieder um. Alle vier Stunden kommt ein neues Update der Position der Segler. Die ganze Nacht beobachteten die Fans des Mini Transat 2021 gebannt, wie Melwin Fink, der jüngste Minisegler, als Einziger von 65 Seglern und Seglerinnen den Sprung nach vorne gewagt hatte und das Feld anführte.

Alle anderen hatten am Freitagabend Schutz in spanischen und portugiesischen Häfen gesucht. Denn die Rennleitung hatte den Mini-Seglern am Freitagnachmittag über Funk empfohlen, wegen des schweren Sturms vor der spanisch-portugiesischen Küste Nothäfen anzulaufen. Doch es war nur eine Empfehlung.

Melwin Fink
Melwin hat gewagt und gewonnen © Vincent Olivaud / Mini Transat Eurochef 2021

Das Rennen wurde nicht unterbrochen, und scheinbar war die Empfehlung auch nicht eindeutig gewesen. So kam es, dass der Deutsche Melwin Fink auf seinem Proto 3 „Sign for com“ und der erfahrene Österreicher Christian Kargl auf „All Hands on Deck“ weitersegelten.

Ein Höllenritt

Was gestern Abend vor Melwin Fink lag, war ein großes Wetterwagnis. Das Sturmtief sorgte zum Sonntag hin am Kap Finisterre für Böen von mehr als 45 Knoten Wind. Und das gegenan, wie Sebastian Wache auf float schon vor zwei Tagen schrieb. Und der Meteorologe der WetterWelt behielt Recht. „Es wird ein Höllenritt mit der Kaltfront heute Nacht, Rechtsdreher von Südwest auf Nordwest und Wellen bis vier Metern“, meinte Sebastian Wache am Samstagmorgen zu float. „Extrem mutig, aber mit gerefftem Segel und Sturmfock nicht unmöglich“, so seine Einschätzung.

Sorge machte auch, dass ein solcher Ritt bei Wind in Böen bis 35 Knoten und fast drei Metern Welle das Material sehr strapaziert. Und es war schon der zweite Sturm, den die Mini-Transat-Segler dieses Jahr abwettern mussten. Denn genau diese Wetterlage hatte Lennart Burke, der vor zwei Tagen im Rennen auf Platz 4 lag, Probleme in der ersten Sturmnacht beschert. Er fiel von Platz 4 an der Spitze zurück auf Position 35. Etwas am Bug ist kaputt, doch Genaues weiß man bisher nicht. Denn die Rennleitung gibt keine weiteren Informationen heraus.

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Lennart Burke hat Probleme am Bug und liegt aktuell auf Platz 28 © Lennart Burke Sailing

Auch Lennart Burke lag mit seiner „Vorpommern“ sicher im Hafen in der Bucht von Vigo. Hoffentlich konnte er gestern sein Boot soweit reparieren, damit er heute sicher weitersegeln kann und so in der Wertung wieder aufholt. Er hat den Hafen bereits wieder verlassen und liegt jetzt auf Platz 25 und konnte bereits 10 Plätze wieder gutmachen. Auch Lena Rixgens und Marc-Eric Siewert, die in der Protos-Klasse segeln, wetterten den Sturm im Hafen bei Camariñas ab.

Gut durch den Sturm gekommen

Die ganze Nacht segelte Melwin Fink allein an der Spitze der Serienboote auf Platz 1. Heute Morgen um 6:00 Uhr war klar: Er hat es überstanden und ist gut durch den Sturm gekommen. Seine Kurslinie und sein Bootsspeed, soweit man das aus dem Tracker ablesen kann, sind stabil. Denn Kontakt hat der Segler nur zur Wettfahrtleitung.

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Christian Kargl liegt etwa 80 nm hinter Melwin © Vincent Olivaud / Mini Transat Eurochef 2021

Auch Christian Kargl, der gestern Vormittag einen sicheren Hafen aufsuchte, hat bereits wieder abgelegt und segelt auf Platz 2 hinter Melwin her. Einholen wird er ihn kaum. Bei seinem Stopp berichtete Kargl kurz, der Entschluss, durch den Sturm zu segeln, sei „kein jugendlicher Leichtsinn, sondern eine strategische Entscheidung“ gewesen.

Neben den stürmischen Bedingungen gegenan durchqueren die Mini-Transat-Segler außerdem ein Orca-Gebiet. Vor der Kollision mit Walen hatte die Rennleitung bereits gewarnt. Dazu liegen hier die Hauptverkehrsrouten der Frachter. Das ist alles nicht ohne!

Die Protos sind schon bald in La Palma

Die Führung des Mini Transats 2021 mit den Prototypen ist inzwischen schon weit im Süden auf dem Ziel der ersten Etappe nach La Palma. Sie hatten am Kap Finisterre den großen Vorwindschuss mitgenommen und liegen mehr als 500 nautische Meilen vor dem restlichen Feld. Tanguy Bourroullec auf „Tollec MP-Pogo“ führt. Kanpp hinter ihm im Rennen sind Pierre Le Roy auf „Teamwork“ und Fabio Muzzolini auf „Tartine sans Beurre“. Die Russin Irina Gracheva auf „Path“ ist die Vierte im Bunde und schlägt sich als einzige Frau weit vorne hervorragend.

Wenn Melwin Fink so großartig weitersegelt, hat er Chancen, die erste Etappe im Mini Transat 2021 zu gewinnen.

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