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familie auf boot in berlin © Kerstin Zillmer
SPREEBOOTE

Der Vielfältige

Frank Richert ist ein Unternehmer am Wasser, der das Lebensgefühl der Stadt in sich trägt.

Kerstin Zillmer
von in
3 Minuten

Sieben Kilometer vom Alexanderplatz entfernt liegt direkt am Wasser der Gewerbehof „Hafen und Hof“ an der Rummelsburger Bucht. Hier betreibt Frank Richert gleich vier Geschäfte: Das Busunternehmen BerlinMobil, das Restaurant Hafenküche, die Citymarina und die Bootsvermietung Spreeboote.

Geboren in Mecklenburg-Vorpommern, kommt der heute 49-Jährige vom Plauer See. Der gelernte Landwirt macht beim Wehrdienst seinen Omnibusführerschein und fährt während der Wehrpflicht für die Volksmarine als Militärkraftfahrer. Er bekommt in seiner Lieblingsstadt Berlin einen Studienplatz und will Maschinenbau studieren, aber die „Wende“ hat andere Pläne mit Frank. Als ihn ein Kollege auf einen Barkas B1000 mit Rollstuhlplatz aufmerksam macht, hat er seine Geschäftsidee gefunden: Behindertenbeförderung. Richert gründet die Firma BerlinMobil, kauft einen VW Caddy, montiert ein Taxizeichen aufs Dach und transportiert Menschen mit Handicap. Die Buchungen laufen auf seinen Anrufbeantworter, den Telefonanschluss teilt er sich – in der noch unverbundenen Stadt – über einen Splitter mit einem Kumpel. So organisiert er seine ersten Touren.

Er erweitert sein Angebot und befördert Schüler für eine Körperbehindertenschule in Lichtenberg, der Einzugsbereich ist ganz Berlin. Nach vier Jahren besitzt Richert bereits 25 Fahrzeuge, darunter große Ikarus-Omnibusse, die er der ehemaligen BVB, der Ost-Berliner Variante der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), auf Rechnung abkauft. Er fährt Linie und Schienenersatzverkehr für die BVG und hat in Spitzenzeiten 20 Busse im Einsatz. Parallel verchartert er Überlandbusse an Sportvereine. Heute betreibt Frank Richert zusammen mit seiner Partnerin Doreen Plischkaner das Unternehmen BerlinMobil, rund 100 Fahrzeuge laufen und hat nach eigener Aussage die jüngste und modernste Charterbusflotte der Stadt.

Für viele Busse braucht man viel Platz – um sie abzustellen, zu waschen und zu reparieren. So macht sich Frank Richert 2006 auf die Suche nach einem geeigneten Gelände. Drei Jahre später wird er in Lichtenberg an der Rummelsburger Bucht fündig. „Ein Wassergrundstück“, schwärmt der Mann vom Binnensee – mit allem, was er sich wünscht: eine Steganlage, eine Slipanlage und schöne alte Gebäude und viel Platz.

Er saniert, baut eine Buswaschanlage und sucht für eines der alten Gebäude einen Gastronomen, der dort ein Restaurant betreibt. Da niemand an diesen Standort will, wird Richert selbst Gastronom. Das Lokal nennt er „Hafenküche“. Die alte Steganlage des Berliner Verkehrsbaukombinats aus den 1950er-Jahren wird zu einer Marina ausgebaut, die Liegeplätze für circa 60 Privatboote bietet. Sie ist inzwischen voll ausgelastet.

Nun fehlte nur noch ein Bootsverleih mit den passenden Charterbooten für Berlin. Die findet der Unternehmer in holländischen Sloepen. Die geräumigen und robusten Verdränger bieten genau das, was man in Berlin für Touren auf dem Wasser braucht. Sie sind gut geeignet für das Fahrgebiet und bieten viel Platz für verschiedene Aktivitäten. Zehn Mietboote unterschiedlicher Größen sind inzwischen im Verleih. Über die Hafenküche gibt es ein umfangreiches Angebot für Barbeque und Picknicken, denn auf den Booten darf gegrillt werden. Die Gäste sollen auf dem Wasser schließlich nicht darben.

Die Sloepen lassen sich vielfältig nutzen: Man kann Zeit mit Freunden verbringen, auf dem Wasser grillen, Badeausflüge auf den Müggelsee unternehmen, Sightseeing-Touren durch die Innenstadt machen und Berlin in verschiedenen Touren vom Wasser aus besichtigen. Wer das Boot nicht selber schippern möchte, kann den Matrosen gleich dazu buchen. Der wirft auch gern den Grill an und kennt die Stadt von der Wasserseite.

Maritime Speisen an Bord kann man im Picknickkorb bei der Hafenküche ordern. Nur früh buchen sollte man: Die Boote sind an den Wochenenden sehr beliebt. Zusätzlich kann man die Sloepen auch fürs Teambuilding mieten. Auf Wunsch fährt ein Bus von Berlinmobil bei der Firma vor, und die Überraschungstour kann beginnen, mit allem Schnick und Schnack. Das findet Anklang.

Gerade war Frank Richert in Amsterdam. Dort hat er sich gemeinsam mit seinem Hafenmeister Valerian Dahmen, einem gelernten Bootsbauer, eine neue Bootsklasse für den Rent ausgesucht, eine iSloep, die er für die kommende Saison ordert. Denn das neue Boot hat eine Kajüte. Damit kann er selber auch auf dem Boot übernachten, wenn er mit Familie, seiner Leidenschaft fürs Wasser nachgeht.

Weitere Infos und Buchung auf www.spreeboote.de