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Aleksander Doba überquerte als Erster per Kajak den Atlantik © Nicola Muirhead
Nachruf Aleksander Doba

Der Weltbezwinger

Der Kajak-Abenteurer Aleksander Doba stirbt mit 74 Jahren – auf dem Gipfel des Kilimandscharo. Ein Nachruf.

von
Jan Joswig
in
2 Minuten

Wir saßen auf der Werft Astillero Verde in Costa Rica zusammen, als der polnische Bootsbauer Artur von seinem Nachbarn in der Heimat erzählt. Ein gut gelaunter Familienvater und Pensionär mit Rauschebart, der unbehelligt seine Rüben züchtet, obwohl er ein Held ist. Das war Aleksander Doba.

Nur mit Muskelkraft den Atlantik zu überqueren, ist gerade schwer en vogue. Neben der Talisker Whisky Atlantic Challenge, an der letztes Jahr die vier Hamburger Wellenbrecherinnen teilnahmen, sind gerade Guirec Soudée (der Fidele mit dem Huhn im Packeis), Frank Rothwell (der Alte) und Jasmine Harrison (die Junge) in den Schlagzeilen. Und natürlich Mark Slats, der Weltumsegler, der das Steuerruder gegen das Rudern eintauschte. Bald muss eine Überholspur markiert werden.

Ohne Sponsoren mit 63 Jahren aufs Meer

Aleksander Doba ging das Abenteuer schon vor gut zehn Jahren an. Er hatte keine Sponsoren, machte nicht auf wohltätiger Samariter und kam nicht in die Schlagzeilen. Er baute sich 2010 ein Hochseekanu, die Olo, und legte los. Die Welt ist groß, der Mensch ist allein, um die Nase weht der Wind.

Das ist genau die Haltung, die einen zum Helden für Leute macht, die freiwillig einen Frachtsegler aus Holz im mittelamerikanischen Dschungel bauen. Für alle Aktivisten, die ohne viel Tamtam nach Abzweigen vom zivilisatorischen Irrweg suchen. Aleksander Doba – ein Held der anderen. Jetzt ist er gestorben, am Montag dieser Woche.

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Aleksander Doba
Ein Buch zeichnete den Weg von Doba über den Ozean nach © Bartlomiej Ignaciuk

Körper und Geist an der Natur wachsen zu lassen, das trieb Doba schon immer an. Rudern, Bergsteigen, Fahrradfahren, Paragliden, Fallschirmspringen – die Disziplinen konnten gar nicht vielfältig genug sein. Den Atlantischen Ozean hat er insgesamt dreimal per Kajak überquert: 2010 als erste verbriefte Kajak-Atlantiküberquerung aller Zeiten. Nach 98 Tagen und 2.912 Seemeilen kommt er  in Acaráu in Brasilien an.

Und er tut es wieder…

Dann tut er es wieder: 2013/14 überquert er den Atlantik an seiner breitesten Stelle, paddelt von Lissabon bis Florida, wieder ohne Hilfe von außen, nur aus eigener Kraft. 2017, im Alter von 70 Jahren, geht es von New Jersey aus nach Nord-Frankreich: Er verbringt 110 Tage allein auf See und paddelt dabei 5.039 Meilen über den Ozean.

Immer saß Aleksander Doba der Traum im Nacken, von 20 Zentimetern über Normalnull auf 5.800 Meter über Normalnull zu kraxeln – aus dem Kajak auf den Kilimandscharo. Mit 74 Jahren hat er den Aufstieg begonnen. Er wollte auf keinen Fall als nichtsnutziger alter Mann hinter seinem eigenen Leben zurückbleiben. Bewegung schafft Energie.

Mit seiner Gruppe hatte er den ersten Gipfel erreicht, als er sich zum Ausruhen hinsetzte. Er sagte wohl noch, er fühle sich in großartiger Verfassung. Das berichtet der Bergführer. Dann verlor er das Bewusstsein und starb. Ganz knapp hinter dem Kamm seiner Lebenswelle.

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