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Winterlager Die Saison endet nie. Jens Brambusch auf seiner Dilly-Dally © Jens Brambusch
Bordleben

Der Winter kann kommen

Segelaussteiger Jens Brambusch beobachtet oft, wie unzureichend Eigner ihre Boote auf den Winter vorbereiten. 10 Tipps für die kalte Jahreszeit.

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Der Februar des vergangenen Jahres war ein sehr guter Monat. Zumindest für den Segelmacher in unserem Hafen an der türkischen Südküste. Ein Sturm der Windstärke 12 hatte die Marina überfallen. Heftige Fallböen mit Spitzen bis über 70 Knoten Geschwindigkeit zerrten an den Booten. Nicht alle überstanden das unbeschadet. Angeschlagene Segel wurden zerfetzt, Biminis mutierten zu fliegenden Teppichen, Sprayhoods zerlegten sich in Einzelteile. Auch Festmacher knallten wie Sektkorken unter der Last des Windes.

Im Sommer kaum vorstellbar: Im Winter stürmt es an der türkischen Südküste © Jens Brambusch

Stürme wie dieser sind eher die Ausnahme an der türkischen Südküste, die 50-Knoten-Marke wird aber des öfteren im Winter geknackt. Wohl dem, der sein Boot auf die Wintersaison vorbereitet hat. Gerade, wenn er oder sie nicht an Bord ist. Anders als in den nördlichen Gefilden bleiben am Mittelmeer die meisten Boote im Wasser. Und auch in Deutschland geht der Trend zum Winterwasserlieger.

Die Saison scheint endlos lang

Die Vorteile liegen auf der Hand: Zum einen ist die Saison endlos lang. Wer erinnert sich nicht an Weihnachtstage, die selbst in Deutschland annähernd so warm waren wie manch verregneter Sommer? Und was kann es Schöneres geben, als in das neue Jahr zu segeln? Hier, in der Türkei, endet die Saison nie. Wir segelten Weihnachten, an Silvester, machten Touren im Dezember, Januar und Februar. Herrlich!

Segeln mit Hund, auch wenn die Sonne tief steht © Jens Brambusch

Zum anderen sind da die Kosten für das Kranen, den Stellplatz oder gegebenenfalls sogar eine Halle, die ebenso entfallen wie das oft aufwändige Legen des Mastes. Auch wenn das Boot natürlich wegen der Unterwasserpflege, des Austauschs der Opferanoden (außer man erledigt das tauchend) und eines Routinechecks gelegentlich an Land gehoben werden sollte.

Nicht jeder Liegeplatz in Nordeuropa eignet sich für Winterlieger, aber doch erstaunlich viele. Der Hafenmeister ist da der beste Ansprechpartner. Er weiß, ob die Stege abmontiert werden, ob es auch im Winter Strom gibt und wie die Eissituation in den vergangenen Jahren war. Wichtig ist zudem, zunächst einmal die Versicherung zu checken, ob das Boot überhaupt in den Wintermonaten im Wasser versichert ist.

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Winterlager ade: Nur für Arbeiten kommt das Boot an Land © Jens Brambusch

Eis spielt am Mittelmeer natürlich keine Rolle, auch wenn die Temperaturen mancherorts tief in den Keller gehen können. Aber auch Frostschäden sind eher unwahrscheinlich. Dafür lauern andere Risiken, wie eben Stürme, sintflutartige Regenfälle oder schwere Gewitter, die viele Eigner unterschätzen, wenn sie ihr Boot im Herbst bei Sonnenschein und mäßigen Winden verlassen.

Bisweilen ist es erschreckend, wie schlecht sie ihre Boote sichern. Ist es Faulheit, Unwissen oder Gottvertrauen? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall ist es Leichtsinn, eine Belastung für das Boot und Material – und nicht zuletzt für all die, die im Winter im Hafen leben. Denn die sind in einer Sturmnacht pausenlos im Einsatz, meist im Dauerregen, bei Blitz und Donner. Wenn das eigene Boot gesichert ist, kümmert man sich um die anderen. Seemannschaft! Auch wenn es manchmal schwer fällt.

Die linke Yacht liegt an einem beschädigtem Festmacher, die rechte ist doppelt gesichert © Jens Brambusch

Ein Lehrstück, wie man es nicht macht

Es gibt ein Boot an unserem Steg, das als Lehrbeispiel dienen kann, wie man ein Boot definitiv nicht hinterlässt. Das Boot fährt unter deutscher Flagge, so viel sei gesagt. Immerhin hat der Skipper dieses Jahr nicht das Dinghy an den Davits baumeln lassen, schlecht gesichert und ohne Abdeckung. So wie letzten Winter. Er hatte nicht einmal den Ablauf geöffnet. Nach dem ersten heftigen Regen bog sich die Aufhängung bereits bedrohlich, aus dem Beiboot war eine Badewanne geworden.

Doch alle Versuche, an den Stöpsel zu kommen, scheiterten. Statt Doppelblöcken verwendet der kostenorientierte Eigner für die Aufhängung Einzelblöcke. Das ist ziemlich blöd, denn so ist auch das Beiboot ohne Wasserfüllung nur schwer zu heben und zu allem Überfluss haben die Blöcke eine Curryklemme.

Unmöglich, sie zu lösen, wenn das Dinghy so voll ist wie die Wanne, die einst Dieter Hallervorden besungen hat. Nur mit der Hilfe der Marineros, und einer eisigen, ungewollten Dusche, war es möglich, das Dinghy samt Davits zu retten.

Segel nicht eingeholt, über die Toppen geflaggt. Fertig für den Winter? Sicher nicht! © Jens Brambusch

Vorgestern hat der stets freundliche Skipper die Marina verlassen. „Bis nächstes Jahr“, sagte er, als er fröhlich den Steg verließ. Sein Boot liegt da, als wolle er morgen in See stechen. Die Segel sind angeschlagen. Dass das Vorsegel noch einen halben Meter herausragt, scheint ihn nicht zu stören.

Natürlich lässt er Sprayhood und Bimini stehen. Und dieses Jahr, als Special sozusagen, hat er über die Toppen geflaggt. Nach einer Feierlichkeit war es wohl zu aufwändig, die Fähnlein wieder einzuholen. Und so schlagen sie im Wind ein leises Lied. Alles an Deck ist diesen Einflüssen hilflos ausgeliefert. Und unter Deck wartet erst die richtige Arbeit.

Deshalb hier eine kleine Sammlung von 10 Tipps mit den Minimalanforderungen, wie man sein Boot auf den Winter im Wasser vorbereiten sollte.

Sonne und Salz sind der ärgste Feind eines jeden Bootes. Kommt Sturm dazu, ist das eine katastrophale Kombination. Und der wird kommen. Wie jeden Winter. Beginnen wir also mit dem Nächstliegenden, den Segeln.

Tipp 1: Segel abschlagen

Die Segel gehören abgeschlagen. Punkt! Auch ein Rollgroß und eine Rollgenua sollten unbedingt trocken verstaut werden, da Salz und UV-Strahlen den Materialien zusetzen.

Langzeitschäden durch UV-Licht an einer Sprayhood © Jens Brambusch

Auch der beste UV-Schutz hält nicht ewig. Vor allem die Garne sind die Schwachstellen eines jeden Segels. Denn Garne sind nur bedingt UV-beständig.

Tipp 2: Fallen fallen lassen

Zudem sollten auch alle Schoten und Falle eingeholt, mit Süßwasser gewaschen und gelagert werden, will man lange Freude an ihnen haben.

Vorbildlich: Alle unnötigen Leinen wurden eingeholt © Jens Brambusch

Um die Fallen einzuholen, vernäht man am besten eine dünne Hilfsleine an einem Ende, die als Statthalter am Mast den Winter über bleibt. Im Frühjahr kann das Fall wieder an dieser Hilfsleine befestigt und mühelos in den Mast gezogen werden – ohne mühselige Kraxelei in schwindelerregende Höhen.

Tipp 3: Mach die Flatter!

Bimini, Sprayhood und Persennige – also alles, was flattern kann – sollten abgebaut werden. Zum Schutz des Materials, aber auch um mögliche Angriffsflächen bei einem Unwetter zu reduzieren.

Bimini und Sprayhood abgebaut, Segel eingeholt. Steuerräder geschützt. Vorbildlich! © Jens Brambusch

Tipp 4: die Winterdecke

Wer sein Boot mit einer Winterabdeckung schützen will, sollte sichergehen, dass die Plane auf Spannung ist, um die Bildung von kleinen Seen durch Tau, Schmelz- oder Regenwasser zu verhindern.

Perfekt angepasste Winterpersenning: gut gesichert, mit Luft zum Atmen © Jens Brambusch

Die Plane sollte das Boot auch nicht hermetisch luftdicht wie in Folie packen. Denn eines ist sicher: Etwas Wasser findet immer den Weg darunter. Wasserschäden und Schimmel können dann die Folge sein. Luftzirkulation ist wichtig.

Tipp 5: Voll machen

Der beste Schutz für den Tank ist, gut gefüllt zu sein. So kann Kondensation am besten vorgebeugt werden.

Tipp 6: Leer laufen lassen

Anders als der Dieseltank, sollte der Wassertank entleert werden. Das gleiche gilt für alle Leitungen und auch für die Toilette. In wärmeren Gefilden ist das Wasser eine Brutstätte für Keime und Bakterien, in kälteren besteht die Gefahr für Frostschäden. Hier ist es mitunter sinnvoll, die Leitungen mit Frostschutzmittel zu füllen.

Tipp 7: Tröpfeninjektion vermeiden

Ein Boot frei von Feuchtigkeit zu halten, ist quasi unmöglich. Immer tropft es irgendwo, bildet sich Kondenswasser. Vor dem Winter sollten daher auf jeden Fall die Fensterdichtungen behandelt werden. Sie werden mit der Zeit spröde, manchmal auch klebrig, in jedem Fall aber durchlässig.

Gummidichtungen
Dichtungen brauchen Pflege... © Jens Brambusch
Nass unter Deck
… sonst wird’s nass unter Deck © Jens Brambusch

Die einfachste – und kostengünstigste – Pflege ist, die Dichtungen mit Vaseline großzügig einzureiben. Wirkt Wunder! Trotzdem wird sich im Boot Feuchtigkeit bilden. Luftentfeuchter sind daher obligatorisch! Oder regelmäßig das Boot durchheizen, falls man vor Ort sein kann.

Tipp 8: Batterien beobachten

Batterien entladen sich. Das ist nun mal so. Werden sie zu tief entladen, können sie Schaden nehmen. Das ist ärgerlich. Und teuer. Deshalb immer die Batterien kontrollieren, bei Bedarf aufladen oder ausbauen. Könnt ihr das nicht selber tun, beauftragt jemanden damit.

Tipp 9: Seeventile

Alle Ventile sollten in der Abwesenheit geschlossen sein und in nördlichen Gefilden gegen Frost geschützt werden. Die Sprengkraft von gefrorenem Wasser ist unglaublich.

Seeventile
Das Seeventil muss geschlossen und gegen Frost geschützt werden © Jens Brambusch

Tipp 10: Maschine

Wird das Boot während der Wintermonate nicht genutzt, sollte der Motor winterfest gemacht werden. Das heißt, das Kühlwasser muss durch Frostschutzmittel ersetzt werden. Das schützt nicht nur vor Eisbildung, sondern auch vor Korrosion. Denn, wie heißt es so schön: Bootsmotoren werden nicht kaputt gefahren, sie stehen sich kaputt.

Wer auf dem eigenen Boot den kompletten Winter leben möchte, möchte es gerne warm haben – und sollte eine adäquate Bordheizung haben. Aber das ist eine andere Geschichte: Eiszeit an Bord.

Ein Kommentar

Und eine Superlösung gegen Feuchtigkeit, Stockflecken und moderigen Geruch ist ein Entfeuchter. Wir lebten 3 1/2 Jahre auf dem Boot. In Holland. Der MEACO DDL8 I ist ein Supergerät (Adsorbtionsprinzip).
Wir hatten niemals Feuchtigkeit, kaum mal Kondenstropfen an den Alurahmen der nur einlagigen Fenster! Spagetti kochen, duschen, sogar Wäsche trockenen (auf höchster Stufe) ging problemlos. Mit dem autom. Hygrometer kontrolliert das Gerät die Feuchtigkeit automatisch. Schaltet sich nur dann ein, wenn es was zu „Arbeiten“ gibt. Und der grosse Vorteil, es arbeitet auch bei Temperaturen gegen Null Grad C genauso effizient. Kosten? Inkl. MwSt. ca. 280.- EUR und das war eine der besten Investitionen für den Komfort. Läuft auch jetzt, nach 8 Jahren immer noch perfekt.

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