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Das neu getaufte Boot des Offshore Teams Germany © Sebastian Wache
Offshore-Segeln

Doppeltes deutsches Comeback

Das vom DSV unterstützte Offshore Team Germany bietet Kader-Seglern neue Perspektiven. Zum Ocean Race tritt auch eine zweite deutsche Crew an.

float Redaktion
von in
5 Minuten

Emotionalisierung als neue Brücke, um dem Segelsport mehr mediale Aufmerksamkeit zu bescheren? Dass dies ein Weg zum Erfolg sein kann, davon ist DSV-Präsidentin Mona Küppers fest überzeugt. Sie kündigte die Unterstützung des Deutschen Segler-Verbands für die Kampagne des Offshore Teams Germany zur Teilnahme an „The Ocean Race“ an. Der Nachfolger des Volvo Ocean Race findet 2021/22 statt. Doch es sind zwei Teams unter deutscher Federführung, die zum Ocean Race antreten.

Großes Vorbild ist die „Illbruck“

Emotionalisierung im Segelsport? Da war doch mal was? Ja, als die unter deutscher Flagge fahrende „Illbruck“ in einem furiosen Zieleinlauf vor Kiel das Volvo Ocean Race gewann. Ganz Kiel war auf den Beinen, und die deutsche Segelwelt war total „emotionalisiert“. Leider war dies nur ein kurzes Strohfeuer – und es ist lange her. Ein ähnlich erfolgreiches Projekt beim härtesten Yachtrennen der Welt ist unter deutscher Flagge nie wieder zustande gekommen.

Das soll aber nun mit ideeller Unterstützung des DSV als Partner anders werden. So hat sich das Offshore Team Germany (OTG) zum Ziel gesetzt, mit ihrer IMOCA 60, die am Freitag um 15 Uhr direkt an der Kiellinie getauft wurde, wieder ein Schiff unter deutscher Flagge an die Startlinie zu bringen. Das Boot war in den vergangenen Monaten in Lissabon und Südengland technisch modifiziert worden und wurde in den letzten Tagen nach Kiel überführt (direkt zur Fotostrecke).

Offshore Team Germany

Das OTG-Boot bei der Vendee Globe © OTG

Offshore Team Germany

In England wurde die Acciona refittet © OTG

UPDATE: Crew-Mitglied Annie Lush tauft das Boot

„Ich hoffe, ich mache es richtig und bringe das Boot auf einen guten Kurs“, sagt Annie Lush mit einem Lächeln. Die auf Mallorca lebende Britin taufte die Imoca Open 60 auf den Namen „Einstein“. Skipper Robert Stanjek kennt die 39-Jährige bereits seit Jahren. Als die beiden 2012 in London bei den Olympischen Spielen jeder in seiner Disziplin (Stanjek: Starboot, Lush: Match Race) segelten und an Land zusammen saßen, kam bereits die Idee zur Ocean Race Kampagne auf.

„Es war nach den Olympischen Spielen mein nächstes Ziel“, erklärt Annie Lush ihren Wechsel zum Offshore-Segeln. 2014/15 startete sie dann im Team „SCA“, dem ersten reinen Frauenteam, das eine Etappe gewann. 2017/18 segelte sie auf der „Brunel“.

Bei ihrem ersten Ocean Race war sie nur unter Frauen, beim zweiten mit zwei Frauen unter sieben Männern und nun allein, macht das einen Unterschied? „Es riecht strenger unter Deck“, sagt sie lachend. Aber der eigentliche Unterschied liege nicht im Geschlecht, sondern vielmehr in der Art der bisherigen Erfahrung. „Segeln ist Segeln. Mehr oder weniger Erfahrung und der seglerische Hintergrund machen den Unterschied.“

Erste Bewährungsprobe: das Fastnet Race

Gegründet wurde das Offshore Team Germany vor zwei Jahren vom Berliner Segler und ehemaligen Musikproduzenten Jens Kuphal, dem Unternehmer Michael End und Robert Stanjek, der 2012 Teilnehmer an den Olympischen Spielen im Star war. Unter der Regie des Trios wird die Kampagne geplant und durchgeführt.

Die erste Aufgabe wird zunächst sein, mit dem frisch getauften Schiff auf Sponsorensuche zu gehen. Und man steigt auch gleich ins Segelgeschehen der Kieler Woche 2019 ein, die in dieser Woche beginnt. So wird Skipper Robert Stanjek mit einer internationalen Crew am Welcome Race von Kiel nach Eckernförde teilnehmen.

Robert Stanjek Offshore Team Germany

Robert Stanjek © OTG

Sehr viel größer und medial interessanter dürfte als erste große Bewährungsprobe die Teilnahme der Yacht und ihrer Crew beim diesjährigen Fastnet Race sein. Im Unterschied zu den übrigen gemeldeten Yachten der IMOCA-Klasse wird das Team um Skipper Robert Stanjek bereits „fully crewed“ antreten. Das ist gleichzeitig intern der Startschuss für die aktive Trainingsphase vor dem Weltrennen.

Was will der Deutsche Segler-Verband?

Was verspricht sich der Deutsche Segler-Verband als Partner von der Sache? Im Blickpunkt sind die Nachwuchssegler der olympischen Disziplinen. Ihnen möchte der Verband eine Perspektive fürs professionelle Hochsee-Segeln eröffnen. Und natürlich schwingt auch mit, dass das Offshore-Segeln ab 2024 olympisch werden soll.

Neben der Ocean-Race-Kampagne gehört zur Flotte auch der Mini „Lilienthal“. Mit diesem Boot bereitet sich der erfahrene Ex-470er-Segler Morten Bogacki für das Offshore-Team auf den Mini-Transat im September 2019 vor.

Phillip Kasüske Offshore Team Germany

Olympiasegler Phillip Kasüske am Grinder © OTG

Weitere Athleten aus den olympischen Segelklassen sind bereits in das Offshore Team Germany integriert. Der ehemalige Finn-Junioren-Weltmeister Phillip Kasüske und Fabian Graf, aktuell der WM-Dritte im 49er, sind dabei. Das Format als Etappen-Rennen rund um die Welt bietet den Seglern die Möglichkeit, beim Ocean Race auf den Positionen an Bord zu rotieren. Sechs bis acht deutsche Segler – und Seglerinnen? – könnten beim Team für 2021/22 dabei sein.

Verband schlägt die Brücke zum Offshore-Segeln

Diese neue Brücke will offenbar auch der Deutsche Segler-Verband nutzen. Für DSV-Präsidentin Mona Küppers ist es „eine Win-Win-Situation“ für beide Seiten. „Das OTG kann auf gut ausgebildete Kadersegler zurückgreifen, und mit Sicht auf Olympia 2024 können wir gemeinsam an einem erfolgreichen Offshore-Auftritt arbeiten“, sagt sie.

Die „Emotionalisierung“, die mit einer Teilnahme am Ocean Race einhergeht, sei „hervorragend geeignet, um dem Segelsport mehr mediale Aufmerksamkeit zu bescheren“. Küppers hofft, damit bei den Athleten Begeisterung zu schüren – deutlich mehr als dies Jugendarbeit und eine olympische Kampagne kann.

Jens Kuphal, der Teammanager im Offshore Team Germany, freut sich über den gemeinsamen Auftritt – und die Tatsache, dass der DSV als Spitzenverband die Kampagne unterstützt. Es zeige sich, sagt er, dass man mit dem Vorhaben, junge und „hungrige“ deutsche Kader-Segler in die Kampagne zu integrieren, den richtigen Weg eingeschlagen habe.

Zweites Offshore-Team ist schon angemeldet

Unterdessen bereitet sich auch Hochsee-Profisegler Boris Herrmann, der im Winter auf der Route du Rhum Richtung Karibik durch die Biskaya kachelte, auf die nächsten Weltumseglungen vor. Neben der Vendee Globe (solo nonstop um die Welt) im Jahr 2020 hat er auch das Ocean Race auf dem Plan. Der 38-jährige segelt mit dem deutschen Schiff „Malizia“ und einer gemischten Crew unter monegassischer Flagge.

Boris Herrmann Malizia

Boris Herrmann © B. Gergaud

Deutsche Kadersegler wären, so wie bei der jetzt gestarteten Partnerschaft des DSV mit dem Offshore Team Germany, an Bord ebenfalls willkommen, heißt es aus dem Team Malizia. Die 49er-FX-Seglerin und Europameisterin Susann Beucke aus Strande war vor kurzem für drei Kurzwettfahrten mit an Bord und unterstrich so ihre Ambitionen beim Hochseesegeln.

Susann Beucke Malizia

Susann Beucke © Eliza Hohadzhieva

Boris Herrmann ist nicht irgendwer: Er hat nach eigener Aussage seit zwei Jahren im Exekutivkomitee der IMOCA-Klasse maßgeblich daran mitgewirkt hat, dass die Open60-Boote zukünftig auch im Ocean Race starten – so auch seine „Malizia“. Der Hamburger hat für den Start bereits beim Veranstalter gemeldet und wurde als Teilnehmer offiziell akzeptiert und registriert.

Ob mit der Unterstützung des Deutschen Segler-Verbands oder ohne: Die beiden Kampagnen für das Ocean Race unter deutscher Beteiligung schreiben eine Geschichte fort, die vor 20 Jahren endete. Seit dem Sieg der Leverkusener Illbruck Challenge hat kein deutsches Team mehr an der Weltregatta teilgenommen.

Malizia

Die Malizia © Martin Messmer

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