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Yannick Bestaven feiert seinen Sieg © Bernard Le Bars/Ala #VG2020
Vendée Globe 2020

Die Gewinner der Vendée Globe

Nach 80 Tagen um die Welt ist Yannick Bestaven Sieger. Zuerst über die Ziellinie geht aber ein anderer. Boris Herrmann kommt auf Platz 4.

von
Kerstin Zillmer
in
5 Minuten

Yannick Bestaven, der französische Skipper der „Maître Coq IV“ hat die neunte Vendée Globe gewonnen. Obwohl sein Boot die Ziellinie am frühen Donnerstagmorgen um 3.19 Uhr erst als drittes Schiff überquerte, siegte der 48-jährige mit einem Vorsprung von zwei Stunden, 31 Minuten und 1 Sekunde vor Charlie Dalin auf „Apivia“ und sechs Stunden, 40 Minuten und 26 Sekunden vor Louis Burton auf „Bureau Vallée 2“.

Weil Bestaven so wie Boris Herrmann auf der „Seaexplorer – Yacht Club de Monaco“ und Jean Le Cam auf „Yes We Cam“ an der Rettungsmission von Kevin Escoffier beteiligt war, gab die Wettfahrtleitung den drei Skippern eine Zeitgutschrift. Yannick Bestaven zog mit einer Gutschrift von 10 Stunden und 15 Minuten im Endergebnis an Charlie Dalin und Louis Burton vorbei, die vor ihm im Ziel waren.

  • Yannick BestavenDer französische Gewinner Yannick Bestaven © Bernard Le Bars/Ala #VG2020
  • Yannick BestavenMit der Vendée Globe Trophae im Arm © Jean-Lous Carli/Alea #VG2020
  • Yannick BestavenErster im Ziel und Gesamtgewinner © Jean-Lous Carli/Alea #VG2020

Zwei Skipper führten das Rennen am häufigsten an

Der Mann auf der „Maître Coq IV“ war einer von zwei Skippern, die diese Vendée Globe am häufigsten anführten: An 26 Tagen (das entspricht 32 %) war es Yannick Bestaven, der sympathische, im südfranzösischen Arcachon aufgewachsene Solosegler, der vorne lag. Seine größte Stärke hält er gleichzeitig für seine größte Schwäche: „Meine Sturheit. Aber ich bin auch ziemlich robust.“

Obwohl Yannick Bestaven vor dem Start nicht zu den klaren Favoriten zählte, erwies er sich in den Südmeeren als starker Kämpfer, besonders im Indischen Ozean. Nachdem er das australische Kap Leeuwin als Dritter passierte hatte, erreichte er Kap Hoorn als Erster mit einer 15-stündigen Führung.

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Yannick Bestaven
Bestaven war Erster im Southern Ocean © Yanick Bestaven/Maitre Coq

„Yannick hat immer das Messer zwischen den Zähnen“

Boris Herrmann hatte Yannick Bestaven immer als Kandidaten für einen gelungenen Coup auf dem Zettel. Vor einer Woche sagte der 39-jährige Hamburger über seinen Konkurrenten: „Yannick hat immer das Messer zwischen den Zähnen. Er hat im Verlauf des Rennens immer Wege gefunden, sich nach vorne zu schieben. Schauen wir, ob und welche Überraschungen er uns jetzt noch bescheren kann.“ Der französische Mini-Transat-Gewinner von 2001 ist seit 20 Jahren als Offshore-Segler sehr aktiv.

Zu was Yannick Bestaven imstande ist, der seine erste Vendée-Globe 2008 wenige Stunden nach dem Start mit Mastbruch in der Biskaya hatte aufgeben müsse, zeigte er mit seinem Sieg jetzt deutlich. Mit seinem eigenen Unternehmen Watt & Sea, das Hydrogeneratoren für Segelyachten entwickelt und baut, ist der Franzose selbst auch Ausrüster für Imoca-Yachten.

  • Boris Herrmann © Yvan Zedda/Alea
  • Boris Herrmann © Yvan Zedda/Alea
  • Boris Herrmann © Yvan Zedda/Alea

Der Sieger der Herzen

Auch Boris Herrmann hatte sich bei seiner Vendée-Globe-Premiere ähnlich gute Platzierungschancen erarbeitet – mit herausragenden Leistungen, bis ihn weniger als 100 Seemeilen vor der Ziellinie die Kollision mit einem Fischtrawler vom Erfolgskurs brachte. Das schockte nicht nur ihn selbst, sondern auch Millionen Segler und Sehleute in Herrmanns Heimat, für die er der Sieger der Herzen dieser Vendée Globe ist.

Boris Herrmann
Der angeschlagene Bug © Yvan Zedda/Alea
Boris Herrmann
Das defekte Foil © Yvan Zedda/Alea

Doch Herrmann steckte den Rückschlag auf der Zielgeraden mit Schäden wie einem gebrochenen Foil und abgerissenem Bugspriet souverän weg. Er reparierte, was zu reparieren war, biss sich durch und kam damit noch auf Platz 4. Die offizielle Bestätigung für das Ergebnis stand am Donnerstagnachmittag noch aus.

Denn der auf Platz 8 segelnde fünfmalige Rekordteilnehmer Jean Le Cam auf „Yes We Cam!“ strebte dem Ziel mit einer Zeitgutschrift von 16 Stunden und 15 Minuten entgegen. So hat er rein rechnerisch noch Chancen, den 39-jährigen Hamburger von seinem Position 4 zu verdrängen.

Boris Herrmann
Boris Herrmann hat es geschafft! © Jean-Marie Liot/Alea

Liebe Freunde! Ich danke Euch so sehr für Eure Unterstützung – in guten wie in schlechten Zeiten. Wir sind durchgekommen.

Schon kurz vor dem Zieldurchgang hatte sich Herrmann mit Text-Nachrichten vor seinen Fans verneigt: „Liebe Freunde! Ich danke euch so sehr für eure Unterstützung – in guten wie in schlechten Zeiten. Wir sind durchgekommen. Wir sind fast da.“
Wenig später konnte der Skipper seine Frau Birte Lorenzen-Herrmann und die kleine Tochter Marie-Louise im Start- und Zielhafen Les Sables-d’Olonne in die Arme schließen.

So viele Seglerinnen wie noch nie

Die neunte Auflage der Vendée Globe hatte eine Rekordteilnehmerzahl von 33 Booten mit 27 Männern und sechs Frauen an den Start gelockt. Acht waren bis zum Zieldurchgang von Boris Herrmann ausgeschieden. Komplizierte Wind- und Wetterbedingungen hatten für insgesamt langsamere Atlantik-Abschnitte gesorgt als bei vorherigen Auflagen.

  • Yannick BestavenSam Davies musste wegen Problemen am Kiel vor Kapstadt aussteigen © Bernard Le Bars/Ala #VG2020
  • Alex ThomsonEin Schaden am Steuerbordruder zwang Thomson zum Ausstieg © Hugo Boss
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  • Isabelle JoschkeIsabelle Joschke segelte nicht bis zum Ende © Olivier Blanchet/Alea #VG2020

Im südlichen Pazifik hatte eine flaue Phase ebenso für ein Zusammenrücken der führenden Boote gesorgt wie später noch einmal vor Rio de Janneiro. Die schwierige, kurze und kreuzende See im Indischen Ozean hatte dafür gesorgt, dass die kraftvollen Foils der jüngsten Generation nicht ihr volles Potenzial abrufen kkonnten. Auch Schäden an der empfindlichen Technik gab es: Mit Thomas Ruyants „LinkedOut“ und Charlie Dalins „Apivia“ erlitten gleich zwei Favoriten-Boote Schäden an den Foils.

Auf hoher See brach Escoffiers Boot entzwei

Die dramatischsten Momente der Regatta gab es am 22. Tag, als am 30. November 2020 Kevin Escoffiers Imoca-Yacht „PRB“ plötzlich entzweibrach und rund 640 Seemeilen südwestlich von Land sank. Escoffier konnte in letzter Sekunde in seine Rettungsinsel umsteigen.

Kevin Escoffier
Kevin Escoffier und Jean Le Cam nach der Rettung © Jean Le Cam #VG2020

Auch Boris Herrmann zählte in dieser Nacht zu den Skippern, die von der Wettfahrtleitung zur Unglücksstelle umdirigiert wurden. Dazu gehörten auch Yannick Bestaven und Rekordteilnehmer Jean Le Cam. Der 61-jährige Routinier Escoffier fand den Vermissten schließlich nach mehr als elf Stunden in der Dunkelheit und konnte ihn retten. Bei der Entscheidung für die Zeitgutschrift für die drei Segler konnte sich allerdings niemand vorstellen, dass dies am Ende entscheidend für den Gesamtsieg sein würde.

Die Podiumsplätze der Vendée Globe 2020

1 – Yannick Bestaven – Maître Coq IV
im Ziel: 28.01.2021 um 3:19:46 Uhr, gesegelte Zeit: 80 Tage 13 Std. 59 Min. 46 Sek.
Wiedergutmachung: -10 Std. 15 Min. 00 Sek., offiziell korrigierte Segelzeit: 80 T 3 Std. 44 Min 46 Sek.
Durchschnittsgeschwindigkeit auf theoretischem Kurs: 24 365,74 Seemeilen / 12,60 Knoten
Gesegelte Seemeilen: 28.583.80 Seemeilen bei einem Durchschnitt von 14,78 Knoten

2 – Charlie Dalin – APIVIA
im Ziel: 27.01.2021 um 19:35:47 Uhr, gesegelte Zeit: 80 Tage 6 Std. 15 Min. 47 Sek.
keine Wiedergutmachung. Rückstand auf Platz 1: 2 Std. 31 Min. 1 Sek.
Durchschnittsgeschwindigkeit auf theoretischem Kurs: 24 365,74 Seemeilen / 12,65 Knoten
Gesegelte Seemeilen: 29.135.01 Seemeilen bei einem Durchschnitt von 15,13 Knoten

3 – Louis Burton – Bureau Vallée 2
im Ziel: 27.01.2021 um 23:45:12 Uhr, gesegelte Zeit: 80 Tage 10 Std. 25 Min 12 Sek.
keine Wiedergutmachung, Rückstand auf Platz 1: 6 Std. 40 Min. 26 Sek.
Durchschnittsgeschwindigkeit auf theoretischem Kurs: 24 365,74 Seemeilen / 12,62 Knoten
Gesegelte Seemeilen: 28.649,99 Seemeilen bei einem Durchschnitt von 14,84 Knoten

4 – Boris Herrmann – Seaexplorer – Yacht Club de Monaco
im Ziel: 28.1.2021 um 11:19:45 Uhr, gesegelte Zeit: 80 Tage 20 Std. 59 Min. 45 Sek.
Wiedergutmachung: -6 Std. 00 Min 00 Sek., offizielle korrigierte Segelzeit: 80 Tage 14 Std. 59 Min 45 Sek, Rückstand auf Platz 1: 11 Std. 14 Min 59 Sek
Durchschnittsgeschwindigkeit auf theoretischem Kurs: 24.365,74 Seemeilen / 12,55 Knoten
Gesegelte Seemeilen: 28.448,53 Seemeilen bei einem Durchschnitt von 14,66 Knoten

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