float Magazine

© coleman ocean racing
VENDEE GLOBE

Die humorvolle Reise des jungen C.

Conrad Colman avanciert zum Publikumsliebling der Vendée Globe.

von
Stephan Boden
in
3 Minuten | 1 Kommentar

Während die ersten Boote schon wieder in Les Sables d’Olonnes festgemacht haben, kämpfen viele tausend Seemeilen entfernt andere Teilnehmer mit den Bedingungen im Atlantik und Südpazifik. Noch immer sind nicht alle um Kap Hoorn gesegelt. Der im Moment Letzte, Sébastien Destremeaux, hat noch etwa 8.200 Seemeilen bis ins Ziel und 1200 bis Kap Hoorn.

Weiter vorn im Atlantik: Conrad Colman. Der Neuseeländer schlägt sich beachtlich. Mit einem nicht konkurrenzfähigen Boot, dass 2005 gebaut und zuletzt für Firmen-Events genutzt wurde, ohne Team (das “Team” ist: seine Frau, er selbst und ein weiterer Helfer) und auf seiner ersten Vendée-Teilnahme fährt er derzeit auf einem bemerkenswerten zehnten Platz. Kaum jemand hätte ihm das zugetraut. Zumal er bereits einige technische Schwierigkeiten zu meistern hatte und im Südpazifik kurz vorm Verlust des Riggs stand. Der 33-jährige Conrad meistert solche Situationen mit Humor. Das zeigen seine Filme und Nachrichten, die er immer wieder von unterwegs sendet.

Beim Überqueren des Äquators schickt er ein für ihn typisches Video. Witzig, aber da ist ja auch noch alles in bester Ordnung und die Bedingungen sind harmlos.

httpv://www.youtube.com/watch?v=/A0pygb5qBsY

Später, nachdem er den Atlantik hinter sich lässt, fangen dann seine Probleme an. Ein Feuer an Bord hat einen Ausfall der Navigationselektronik zur Folge. Da der Autopilot auch in Mitleidenschaft gerät, macht die “Foreseight Natural Energy” eine Patenthalse, kentert und liegt danach platt auf dem Wasser. Bei 40 Knoten Wind, einem Boot mit kaputter Elektrik und ziemlich ordentlichen Wellen.

D29 : A day to forget for Conrad Colman / Vendée Globe

Nur kurze Zeit später fällt ihm bei 60 Knoten Wind fast das Rigg von Bord, nachdem ein Vorstagbolzen gebrochen war. Colman reparierte den Schaden. Sechs Stunden verbringt er dafür im Mast um ein Segel loszuschneiden -- Mitten auf dem Southern Ocean zwischen Tasmanien und Kap Hoorn.

Coleman behält jedoch seinen Witz. Offensichtlich hilft Humor gegen Kälte, Sturm, technische Probleme und gegen die Einsamkeit.

D52 : Rough conditions for Conrad Colman / Vendée Globe

Zwischendurch ist noch Weihnachten und auch diesen Anlass nutzt er trotz Kenterung, sich gleich zwei Mal zu melden. Einmal mit Bild und Zitat auf seiner Facebook-Seite, und gleich darauf postst er ein Video:

“It’s Christmas season and I’m sure you are all rushing around and sometimes lose track of which way is up. Sadly my boat has the same problem…”

© coleman ocean racing
D49 : Conrad Colman wishes you a Merry Christmas / Vendée Globe

Conrad Colman will laut eigener Aussage mit dieser Vendée Teilnahme in der Hochseesegler Szene seinen Namen “festzementieren”, vor allem wohl bei der Vendée. Das erreicht er nicht nur durch seine außergewöhnlich gute Leistung, sondern auch durch die für Sponsoren sehr attraktive Berichterstattung von unterwegs, die stets für Unterhaltung und wundervolle Einblicke in den Alltag der Nichtfavoriten gibt, die ums Durchkommen und weniger um die Platzierung kämpfen. Colman spricht englisch und perfekt französisch und wohnt in Frankreich. Dort nennen sie ihn “Crazy Kiwi”. Es wäre durchaus keine Überraschung, wenn er für die kommende Vendée Globe 2020 einen finanzkräftigen Partner und ein konkurrenzfähiges Schiff segeln würde. Man muss es diesem sympathischen und lustigen Kerl einfach gönnen.

Bis dahin jedoch hat er noch ein paar Seemeilen auf dem Atlantik vor sich, den er bemerkenswert unbewohnt findet und auf dem er feststellt, dass er seit 6 Wochen keinen einzigen Menschen gesehen hat.

D70 : Images from Conrad Colman / Vendée Globe

Zur Zeit befindet er sich rund 4600 Meilen vorm Ziel an der Küste Brasiliens. Man darf sich also auf weitere heitere Beiträge freuen.

© windytv

Ein Kommentar

Marcus segelt /

Geil! Geiler Typ!

Ich fand float am Anfang ja so la la, aber jetzt schaue ich jeden Tag rein und muss sagen daß mir die Seite sehr gut gefällt. Vor allem, weil ihr schöne Hintergrundreportagen habt, die man woanders so nicht liest. Das hat irgendwie gefehlt.

Eine Frage treibt mich aber um. Wie finanziert ihr das?

Antwort

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