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Neustart bei Bavaria Yachts Die Möglich-Macher von Bavaria © Kerstin Zillmer
Werft

Die neue Linie bei Bavaria

Bavarias neuer Eigner CMP setzt auf preisgünstige Boote und baut die Produktpalette um. Neue Modelle werden 2020 erwartet.

Stefan Gerhard
von in
4 Minuten

Das neue Management von Bavaria Yachtbau will zurück zum Erfolgskonzept als Hersteller von preiswerten Familienbooten. Diese Strategie hatte Bavaria einst zum weltgrößten Hersteller von Freizeitbooten in Serienfertigung gemacht. „Wir werden in die Erhöhung der Produktionskapazität und die früheren Stärken von Bavaria investieren. Dazu gehört ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, für das Bavaria für viele Jahre stand“, sagte Kai Brandes, geschäftsführender Gesellschafter des neuen Eigners CMP heute.

Bei der Pressekonferenz in Giebelstadt am Mittwoch erläuterte er mit der neuen Geschäftsführung die geplante strategische Neuausrichtung der Werft. „Bavaria ist durch seine Serienfertigung ein Anbieter von preiswerten Booten, nicht von Luxusyachten“, so Brandes. Der Fokus liege daher auf Segel- und Motorbooten zwischen zehn und 20 Metern Rumpflänge.

Update: Planungshorizont sind vier bis fünf Jahre

CMP verwaltet als Finanzinvestor Gelder institutioneller Anleger wie Versicherungen, Stiftungen und Pensionsfonds. Der Kauf von Bavaria wurde aus dem Kapital eines 2017 aufgelegten Fonds finanziert, so Brandes. 25 % der Fondskapitalsumme 260 Millionen Euro wurden investiert. Neben Bavaria gehören dazu drei weitere Unternehmen. „Mit dem Weiterverkauf haben wir keine Eile. Unser Planungshorizont sind vier bis fünf Jahre.“ erklärte Brandes. „Die Aufgabe der CMP ist es, Unternehmen wettbewerbsfähig zu machen und es dann einem langfristigen Eigner zu übergeben.“

CMP aus Berlin hatte Bavaria Yachtbau aus der überraschenden Insolvenz im April heraus nach einem länger dauernden Bieterkrimi bei stark reduzierter Produktion für einen zweistelligen Millionenbetrag gekauft. Diese Summe bestätigte der Interims-Geschäftsführer Dr. Tobias Brinkmann. Eine weiterer zweistelliger Millionenbetrag werde in den kommenden Jahren investiert, so CMP-Chef Kai Brandes. Insgesamt liege die Summe aber nicht in dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, erklärte Brandes gegenüber float.

Bavaria Yachts

Kai Brandes, Geschäftsführer CMP © Kerstin Zillmer

Produktpalette wird reduziert

Als ersten Schritt der Neuausrichtung wird die Produktpalette des fränkischen Herstellers von Motoryachten und Segelbooten stark verschlankt. Die E-Serie, zu der die Binnenmotoryachten Bavaria E 40 und E 34 gehören, wird eingestellt. Die größte Segelyacht C 65, die zur boot Düsseldorf 2018 als Weltpremiere vorgestellt wurde, ist bereits vor einigen Wochen aus dem Portfolio genommen worden und wurde vom kroatischen Auftragsfertiger in Eigenregie übernommen.

Die vor kurzem eingeführte Segelyacht Bavaria C 50 wurde aus der Serienproduktion genommen. Zurzeit wird das Schiff überarbeitet und wird im Dezember erneut in die Serienfertigung gehen.

Die Modellpalette werde nun Schritt für Schritt konsolidiert. „Jetzt werden die Modelle schrittweise ersetzt“, erklärte Produktionsleiter und COO Erik Appel. Echte Neuvorstellungen seien erst ab 2020 zu erwarten. 2019 werde das Jahr der Konsolidierung werden – mit dem „Launch von zwei, drei kleineren Modellen“, so Appel.

Das nächste halbe Jahr brauche man noch zu Entwicklung einer neuen Strategie, erklärte Dr. Ralph Kudla, der für den neuen Eigner CMP in die Geschäftsführung eintritt. „Dann werden wir wissen, wie die Produktpalette aussehen soll.“ Die Betonung liege dabei auf Booten von 30 bis 50 Fuß Länge. Die bisherigen Modelle liefen noch sehr gut, so Kudla.

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Bavaria-Produktionshalle © Kerstin Zillmer

Über hausgemachte Probleme gestolpert

Das Management des fränkischen Yachtbauers gab sich bei der Pressekonferenz offen und selbstkritisch. Erik Appel, der wenige Monate vor der Insolvenz ins Unternehmen eintrat, erklärte die akute Schieflage der Werft bis zum Frühjahr auch mit Management- und Planungsfehlern: „Eine der maßgeblichen Ursachen ist, dass wir Boote entwickelt haben, die nicht zur Fertigung und zur Werft gepasst haben.“

Auch habe es gravierende interne Abstimmungsprobleme gegeben: „Der externe Entwickler hat italienisch gesprochen, das interne Engineering englisch und die Mitarbeiter am Band deutsch.“ Das Ergebnis könne man sich so vorstellen, „als wenn Sie Benzin in einen Diesel-Motor füllen“.

Das Ergebnis waren neu eingeführte Modelle, die in der Serienfertigung noch Probleme bereitet haben. Das habe die Werft Zeit und Geld gekostet, erklärte ein Insider. Ralph Kudla bestätigt dies indirekt: „Wir wollen verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und Qualität und Liefertermine einhalten.“

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Erik Appel (li.) und Dr. Ralph Kudla jetzt gemeinsam am Ruder © Kerstin Zillmer

Interne Kompetenz wird gestärkt

Als Konsequenz daraus will man verstärkt auf die intern vorhandene Kompetenz setzen. „Wir haben ein schnelles, hauseigenes Engineering auch in der Fertigung“, so Erik Appel. Anstelle der Beauftragung von externen Büros soll die Stammbelegschaft ausgebaut werden. Augenblicklich suche man bis zu 50 neue Mitarbeiter.

Auch der Möbelbau der werfteigenen Schreinerei sei eine der Kernkompetenzen von Bavaria, so Appel. Hier werden die Interieurs für alle Boote der Unternehmensgruppe hergestellt, auch für die in Frankreich gefertigten Katamarane. Eine Auftragsfertigung für andere Hersteller schloss der neue Geschäftsführer aus: „Wir fertigen nicht für andere, und wir wollen auch andere nicht für uns fertigen lassen.“ Erklärte CMP-Chef Kai Brandes.

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Mitarbeiter freuen sich, dass es weitergeht © Kerstin Zillmer

Nautitech erhält seinen Namen zurück

Die Mehrrumpfboote der französischen Unternehmenstochter in Rochefort werden ab sofort wieder unter dem Markennamen Nautitech verkauft. Die nach dem Zukauf der Multihull-Werft eingeführte Marke „Bavaria Catamarans“ wird nicht weiter genutzt. Ihr traut das neue Management nicht die Strahlkraft des etablierten Namens Nautitech zu. Der Kat-Produzent bleibt Teil der Bavaria-Gruppe. „Mögliche Synergien im Einkauf bleiben erhalten.“ so Ralph Kudla.

Belegschaft wird zu 100% übernommen

Alle rund 700 Arbeitsplätze der Stammbelegschaft an den Standorten in Giebelstadt und Rochefort bleiben erhalten. Entlassungen sind zurzeit nicht geplant. Der hohe Anteil von zeitweilig bis zu 50 % Leiharbeitskräften werde dauerhaft reduziert.

Die Kurzarbeit endet Ende Oktober, parallel dazu fährt die Produktion wieder an. Es sei gelungen, so ein Insider, fast alle Kaufabsichtserklärungen der vergangenen Monate der Insolvenz, in Aufträge umzusetzen. Geschäftsführer Ralph Kudla: „In den kommenden zwölf Monaten wollen wir 400 bis 500 Boote produzieren.“

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Die Belegschaft hat Bavaria am Laufen gehalten © Kerstin Zillmer

Präsenz auch auf den Messen

Bavaria Yachtbau wird sich auf der boot Düsseldorf präsentieren. Der Messeauftritt zum 50-jährigen Jubiläum der weltgrößten Bootsmesse werde dezenter ausfallen als 2018, als Bavaria fast eine ganze Messehalle belegt hatte. „Wir werden, der Situation angemessen, mit 15 oder 16 Booten präsent sein.“ erklärte Geschäftsführer Ralph Kudla.

Der Neustart des einst weltgrößten Serienyacht-Herstellers aus der von Dr. Tobias Brinkmann erfolgreich abgeschlossenen Insolvenz beginnt ebenso selbstkritisch wie selbstbewusst. Ein guter Start.

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Erik Appel mit Dr. Tobias Brinkmann © Kerstin Zillmer

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